Anton Brinkhege, ein Leben als Unternehmer

Geboren wurde Anton Brinkhege 1915, als siebtes von zehn Kindern. Als die Familie 1929 nach Borgloh zog, war er 14 Jahre alt und hatte die Volksschule hinter sich gebracht. Bei der Tischlerei Bünger erlernte er das Tischlerhandwerk.

1935 wurde er zum Reichsarbeiterdienst einberufen und zwei Jahre später wurde er zum Militär eingezogen. Anton Brinkhege wurde einem Kavallerieregiment zugeteilt, doch war er nicht sehr erbaut über die anfallenden Tätigkeiten wie Pferde striegeln und Stall reinigen. Von Natur aus technisch interessiert sehnte er sich nach anderen Aufgaben.

1939, als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurde sein Kavallerieregiment in ein Panzerregiment umgewandelt, und er erlebte den Polenfeldzug im Panzer. In diesem Panzerregiment fand er auch endlich die Technik, die er suchte. Er konnte schrauben und ölen und seiner speziellen Veranlagung entsprechend tätig sein.


Im Panzer rollte er auch nach Russland, als Hitler 1941 das Land überfallen hatte. 1943 wurde jedoch sein Panzer in der Schlacht um Stalingrad zerstört. Seine beiden anderen Besatzungsmitglieder wurden getötet, er selbst schwer verwundet. Im Hinblick auf seine Kopfverletzungen wurde er als einer der letzten aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen.

Als der Krieg zu Ende ging, geriet er in Süddeutschland in amerikanische Gefangenschaft. Die Amerikaner erkannten allerdings bald seine Leidenschaft für Fahrzeuge und vertrauten ihm einen Lastwagen an, mit dem er Besorgungen machen musste. Ausgestattet mit allerlei Passierscheinen wagte er kurz entschlossen die Flucht und gelangte so unbehelligt nach Borgloh zurück.

Um sich seinen Lebensunterhalt verdienen zu können, baute er aus Schrottteilen einen Allradtrecker und bot den Bauern in der Landwirtschaft seine Dienste an.

Kurze Zeit später gelang es ihm, in Borgloh als Erstem nach dem Krieg ein Auto zu ergattern, das allerdings nur unter der Bedingung zugelassen wurde, dass er damit auch die Ärztin des Kinderheimes Holte bei Bedarf fuhr. Für seine Hilfeleistungen mit dem Trecker oder seinem Auto nahm er damals kein Geld, das zu der Zeit ohnehin keinen Wert hatte, sondern Naturalien und alles, was für ihn interessant war und er als Bastler irgendwie gebrauchen konnte, wie Werkzeug, Seile, Baumstämme und andere Dinge.

Er selbst bewohnte im Hause Brinkhege eine bescheidene Junggesellenbude und im Keller hatte er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet, wo er in seiner Freizeit herumtüftelte und alles mögliche bastelte.
Im gleichen Haus hatte der Schlachter Apel aus Wellendorf eine kleine Filiale eingerichtet, wo Thea Apel, seine Tochter, die Fleischwaren verkaufte. 1952 heiratete Anton Brinkhege diese Verkäuferin aus Wellendorf, und Thea schenkte ihm im Laufe von zehn Jahren sechs Kinder. Auch in dieser schweren Zeit des Aufbaus hat Thea ihrem Mann immer den Rücken freigehalten.

Eines Tages kam Anton Brinkhege auf die Idee, die im Krieg zerstörten Panzer, die in der Gegend vor sich hinrosteten, für sich zu nutzen. Mit einem kleinen Team von gelernten Schweißern wie Franz Fischer und Heinrich Guß suchte er alle Wracks auch in der weiteren Umgebung auf, zerlegte sie akkurat in Einzelteile, transportierte sie ab und verkaufte sie als wertvollen Schrott, nachdem er die edleren Teile herausmontiert und bei sich in sein Lager gebracht hatte. Es hatte sich bald herumgesprochen, dass man bei Anton Brinkhege alles haben kann, bzw. dass er alles besorgen könne.


Was er auch anpackte, er hatte Erfolg, was er in seine Finger nahm, es wurde zu Gold. Natürlich spielte auch das Glück eine große Rolle. Wo immer etwas versteigert wurde, war Anton Brinkhege da. So auch bei einer Auktion auf dem Flugplatz Diepholz, wo er 1948 kurz nach der Währungsreform 50.000 kg Wasserreinigungspulver für einen Appel und ein Ei ersteigerte, das in 1000 Säcken bis unters Dach eines Flughafengebäudes gestapelt war. Erst später stellte er fest, dass wertvolles reines Kieselgur in den Säcken war, das er daraufhin für viel Geld an die optischen Werke Zeiss Ikon verkaufte, die diese weiße mehlige Masse als ideales Poliermittel gebrauchen konnten.


Anton Brinkhege 1915 - 1993

Anton Brinkhege hatte sich mittlerweile zum Unternehmer emporgearbeitet. Mit seiner einzigartigen technischen Veranlagung baute er mehrere Pütts am Gersberg und Strubberg mit den dazugehörigen Bremsbergen, die wiederum mit raffinierten Seilzügen aus der eigenen Werkstatt ausgestattet waren. Die mit Kohle beladenen Loren wurden nämlich auf einer Schräge ans Tageslicht befördert. Damit der Inhalt aus den Loren unmittelbar auf Fuhrwerke und Lastwagen gekippt werden konnte, endete die schräge Bahn jeweils auf einem aufgeschütteten Wall oder einem Gerüst vor der Stolleneinfahrt, dem sogenannten Bremsberg, von dem aus die Verladung schnell und bequem vonstatten ging.


1956 erwarb Anton Brinkhege den Kronprinzschacht in Wellendorf, der in früherer Zeit abgesoffen und zugeschüttet worden war. Er schaffte es, das Wasser abzupumpen und den Schacht wieder förderfähig zu machen. Mehr als 300 Arbeitsplätze entstanden dadurch in Borgloh-Wellendorf, und für die Beschäftigten galt es nun, Wohnraum zu beschaffen. So entstanden aufgrund seiner Initiative im Ort Borgloh zwei Siedlungen an der Glückaufstraße und Arimontstraße, die den Anstoß für weiteres Wachstum des Ortes gaben. Aber aus dem Kronprinzschacht kam nicht der erwartete Gewinn heraus. Einen größeren Reibach machte Anton Brinkhege allerdings, als er aufgrund eines Gesetzes seinen Kronprinz 1963 schließen musste und vom Staat eine Stillegungsprämie in Höhe von 400.000 DM kassieren durfte.


1965 standen auf dem Gelände des inzwischen geschlossenen Kronprinzschachtes etwa 80 alte VW´s die von den in Osnabrück stationierten englischen Soldaten ausrangiert und billigst an Anton Brinkhege abgegeben worden waren. Flugs hatte er ein paar Experten zur Hand, die diese Wagen wieder flott machten und neu lackierten. Im Handumdrehen wurde er sie mit Gewinn wieder los.


Schon Anfang der 50er Jahre hatte er einen Teil der geförderten Kohle an das Kalksandsteinwerk Wehmeyer in Lüstringen verkauft, das von zwei alten Herren geleitet wurde. Als sie in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, kaufte Anton Brinkhege 1956 kurzerhand das marode Kalksandsteinwerk, musste aber bald feststellen, dass die Rohstoffbeschaffung Probleme bereitete, denn der Sand musste von weit her herantransportiert werden.

Da entschloss er sich, 1961 in Hollage, wo der Sand vor der Haustür lag, ein neues Werk zu bauen. Es lief zunächst recht gut, musste aber 1984 stillgelegt werden. Zwei Jahre später wurde es komplett nach China verkauft. Als Anton Brinkhege sah, wie leicht man auf diese Weise Geld verdienen konnte schauten er und sein Sohn Peter Brinkhege, der inzwischen mit ins Geschäft eingestiegen war, sich in Deutschland um, kauften noch fünf Kalksandsteinwerke auf, bauten sie sorgfältig ab und in China wieder auf.

Bereits 1966, fünf Jahre nach dem Bau in Hollage errichtete Anton Brinkhege in Bad Laer-Hardensetten ein großes, modernes Kalksandsteinwerk genau neben einem riesigen Sandlager. Das Geschäft florierte aufs beste, zumal Deutschland einen regelrechten Bauboom zu verzeichnen hatte. In drei Schichten wurden die begehrten Kalksandsteine hergestellt.


Nach seinem Tode wurde 1993 sein gesamter Besitz, der in der Anton Brinkhege KG zusammgeschlossen war, unter den drei Söhnen Heiner, Peter und Herbert aufgeteilt. Peter und Herbert verkauften bald ihre Anteile an Heiner, der 2003 als die Baukonjunktur spürbar nachließ, beide Werke an den Haniel Konzern veräußerte.