Tankstellen, Früher und Heute

Früher war Borgloh ein richtiges Tankstellenparadies.

Nicht weniger als 5 Unternehmen versuchten den kostbaren Saft an den Mann zu bringen. Was auffällt ist, dass es früher keinen, oder nur in Ausnahmen Dieseltreibstoff an den Tankstellen gab. Der Hype auf Fahrzeuge mit Dieselaggregat war damals noch nicht im Gang, da vor der Ölkrise Benzin relativ preiswert war und geringer Verbauch noch kein Schlagwort der Autoindustrie war.


Dieselfahrzeuge wurden fast ausschließlich von Transportunternehmen (eigene Dieseltankstelle auf dem Betriebshof) und von Landwirten gefahren, da der Treibstoff sowohl die Traktoren als auch die PKW (der berühmte Mercedes 200D) betreiben konnte, und diesen Treibstoff hatte man üblicherweise in einem eigenen Tank auf dem Hof. Erst in der jüngeren Vergangenheit hat sich dieses Bild entscheidend gewandelt.


Wir werden den Zeitraum von 1968 bis heute genauer betrachten und uns anschauen, was geblieben ist (Stand 2012).



Tankstelle Beckmann, Ortsteil Borgloh


1968 konnte man bei Johannes Beckmann, Haushaltswaren, Eisenwaren, Klempnerei, Propangas-Vertrieb, Sämereien erwerben.


Zapfstelle:

Hier konnte man mit einer mechanischen Zapfanlage Benzin und Gemisch tanken.


Lieferant: SHELL

Royal Dutch (Shell) ist in Deutschland seit dem Jahr 1902 prä;sent. Bis 1947 ist die Geschichte der Shell in Deutschland die Geschichte der Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG (seit 1947 Deutsche Shell AG).


1980 betrieb Shell in Westdeutschland 2795 Tankstellen (Marktanteil: 10,8 Prozent), davon 1422 mit Selbstbedienung. Mit den Aktivitäten in Deutschland erwirtschaftete Shell im Jahr 2004 einen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro Einschließlich der Tochter- und Enkelgesellschaften beschäftigt Shell in Deutschland rund 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Shell in Deutschland betreibt drei eigene Raffinerien und ist außerdem an zwei weiteren beteiligt. Mit einer Raffineriekapazität von 35,3 Millionen Tonnen ist das Unternehmen der f)hrende Raffineriebetreiber in Deutschland. Mit einem flächendeckenden Netz von rund 2200 Tankstellen (inkl. Markenhandelsstationen) ist Shell bundesweit vertreten.




Tankstelle Buschermöhle, Ortsteil Allendorf


Bei dieser Tankstelle konnte mit einer elektrischen Pumpe getankt werden


Sorte: Benzin 5000Liter

Sorte: Super 5000 Liter


Lieferant: Westfalia

Nach der Gründung des Unternehmens 1923 in Münster Westf. baute Westfalen 1927 die erste Tankstelle. Es erfolgte ein zügiger Ausbau des Tankstellennetzes als Westfalia Tankstellen.. Auch heute noch ist am Markt etabliert, aber hauptsächlich im Bereich der Autogase.




Tankstelle Lietmeyer, Ortsteil Borgloh


Einzige noch vorhandene Tankstelle. Diese Tankstelle war auch in der vergangenen Zeit relativ komfortabel, da sie eine elektrische Pumpe besaß.

1968 Heinrich Lietmeyer, Landmaschinen-Fachbetrieb Kundendienst und Reparaturwerkstatt


Lieferant 1979: Texaco

Texaco war ein US-amerikanisches Ölunternehmen, das 2001 mit der Chevron Corporation zu ChevronTexaco fusionierte.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1901 in Beaumont (Texas) als Texas Fuel Company. Mehrere Jahre lang war Texaco die einzige Firma, die Benzin in allen 50 US-Bundesstaaten verkaufte. Texaco erwarb 1966 die Aktienmehrheit an der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft (DEA). Aus der DEA wurde die Deutsche Texaco AG, die in der Bundesrepublik ein großes Tankstellennetz betrieb.

Der Texaco-Vertragshändler Präg eröffnete 1972 in Lagerlechfeld bei Augsburg die erste Selbstbedienungs-Tankstelle Europas. Als die RWE AG im Jahre 1988 die Deutsche Texaco AG übernahm, begann die allmähliche Umbenennung der Texaco-Tankstellen in DEA. Heute vertreibt ChevronTexaco in Deutschland unter der Marke Texaco nur noch Motorenöle.


Inhaber 2012: Andreas Lietmeyer


Lieferant 2012: bft

Der Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler e. V. (abgekürzt bft) ist ein eingetragener Verein von Betreibern freier Tankstellen, um miteinem einheitlichen Marketingkonzept gegen die etablierten Mineralölkonzerne bestehen zu können. Der Bundesverband hat 514 Mitglieder mit insgesamt 2.173 bft-Tankstellen




Tankstelle Liedmeyer 2012


Tankstelle Overschmidt, Ortsteil Borgloh


Mit einer Schmiede, einem Wagenräderbau und dem Handel mit Fahrädern und Nähmaschinen begann Josef Kellermann 1927 in Borgloh. Das Geschäft befand sich an der heutigen Eichholzstraße.

Ab 1949 erfolgte dann die Erweiterung zu einer Kfz.-Reparaturwerkstatt und einer Tankstelle. Entsprechend der Zeit wurde nun auch mit Motorrädern und Rollern gehandelt.


1962 wurde an der Straße am Hollenberg ein neues Gebäude errichtet. Das Geschäft wurde unter dem Namen Kellermann-Overschmidt geführt. Die Inhaber waren Josef Kellermann und Josef Overschmidt.


Seit 1972 befindet sich das Autohaus in den Händen der Familie Overschmidt.

Die Tankstelle wurde auch am Hollenberg weiterhin betrieben, und zwar von 1962 bis ca. 1985.


Sorte: Benzin, Gemisch




Tankstelle Overschmidt Kellermann an der heutigen Eichholzstraße, links Josef Overschmidt, rechts Josef Kellermann



Das Equipment aus heutiger Sicht eher bescheiden

Der Neubau am Hollenberg, auch hier gab es noch bis 1985 eine Tankstelle.

Lieferant: AVIA

Als Alternative zu den internationalen Mineralölkonzernen schlossen sich 1927 unter dem Namen AVIA mehrere unabhängige Mineralölimporteure in der Schweiz zusammen. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stärker.


Von den Vorteilen einer internationalen Gruppe profitieren und gleichzeitig selbständig bleiben - ein überzeugendes Konzept! Das sprach sich schnell herum. Und zahlreiche Unternehmen machten den AVIA Gedanken zu ihrer Philosophie. In den fünfziger Jahren schlossen sich französische Kollegen an, weitere in Deutschland, Belgien, Italien, Holland... So entstand 1960 AVIA INTERNATIONAL.


Heute bilden rund 80 mittelständische Unternehmen in 14 europäischen Ländern mit 2.900 Tankstellen gemeinsam AVIA INTERNATIONAL, hiervon 28 Gesellschafter die Deutsche AVIA Mineralöl-GmbH.




Tankstelle Uhlen, Ortsteil Allendorf


Lieferant: Freie Tankstelle




SB-Tankstelle RWG, Ortsteil Ebbendorf


Lieferant: Raiffeisen




Geschichte der Tankstellen


Entwicklung

Als die ersten Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, gab es Benzin und andere Treibstoffe, wie Petroleum, nur in Apotheken. Als erste "Tankstelle" der Welt wird deshalb die Stadt-Apotheke in Wiesloch genannt, wo Bertha Benz bei ihrer Automobil-Überlandfahrt Anfang August 1888 von Mannheim nach Pforzheim, das Leichtbenzin Ligroin einkaufte.


Etwa ab 1900 entstanden auch andere Verkaufsstellen für Treibstoffe. Das erste Tankstellenverzeichnis in Deutschland stammt aus dem Jahr 1909. Das zur damaligen Zeit verkaufte Benzin wurde in beliebige Behälter abgefüllt, die den heutigen Sicherheitsvorschriften in keiner Weise entsprachen. Häufig dienten nicht mehr benötigte Milchkannen oder Flaschen diesem Zweck. Mit verstärktem motorisierten Verkehr entstanden dann die ersten Zapfstellen, oft im Zusammenhang mit Autowerkstätten, die sich oft aus einer Schmiede oder Schlosserei entwickelten. Dabei handelte es sich in den ersten Jahrzehnten oft um Fasspumpen, Später kamen Handpumpen-Säulen mit unter der Straßen-oder Bürgersteigdecke eingelassenen Benzintanks.


Die Standard Oil of Indiana stellte 1917 den Einheitstyp der Tankstelle vor, der unter Abwandlungen bis heute besteht, damals "Großtankstelle" genannt. Die Zapfsäulen und die tankenden Kunden werden von einem frei stehendem Dach, unter das mit dem Kraftfahrzeug gefahren werden kann, gegen Regen geschützt. Das zu den Zapfsäulen hin voll verglaste Kassenhäuschen befindet sich einige Meter abseits und ein Preismast bewirbt die Preise an der Straße. Tankstellen in dieser Bauart entstanden seit den 1920er Jahren. Die erste Tankstelle im Deutschen Reich wurde Ende 1922 von der Mineralölfirma OLEX am Raschplatz in Hannover eröffnet.


Am 11. August 1927 konnten die Autofahrer nach dem US-amerikanischen Vorbild (wo dies bereits seit 1907 möglich war) erstmals in Hamburg an einer Zapfsäule tanken. Jetzt betankte man die Autos direkt durch den Füllrüssel, so dass der Tankwart nicht mehr umständlich mit den Kanistern zu hantieren brauchte.

Das Sortiment der ersten Tankstellen beinhaltete - neben dem Treibstoff - Schmieröle, Reifen, Zündkerzen und Zubehör, bei manchen war auch eine Werkstatt angegliedert. Später kamen noch Autoradios dazu.


1969 gab es auf dem Gebiet der Bundesrepublik den absoluten Höchststand mit 46.684 Tankstellen. Ab da begann ein Tankstellensterben, so dass es im Januar 2012 nur noch 14.723 Tankstellen in Deutschland gab.
Tankstellen entwickeln sich mehr und mehr zu modernen Drive-in-Dienstleistungszentren mit angeschlossenem Supermarkt, teilweise auch mit einem Bistro. Waren früher Tankwarte üblich, die den Kunden nicht nur den Tank auffüllten, sondern auch die Windschutzscheibe putzten, Öl kontrollierten, etc., so sind die Tankstellen heute meist reine Selbstbedienungstankstellen, an denen nur die Kasse noch mit Personal besetzt ist. Die erste Selbstbedienungs-Tankstelle Europas wurde 1972 vom Mineralöl-Handelsunternehmen Präg in Lagerlechfeld bei Augsburg unter der Marke Texaco eröffnet. Allerdings ist vor allem bei Markentankstellen in der letzten Zeit wieder ein Trend hin zu einer wahlweisen Bedienung zu erkennen (in Deutschland vor allem Shell).


Markentankstellen

Markentankstellen sind an bestimmte Ketten gebunden. Dies können die großen Ölkonzerne wie etwa Shell, Esso oder BP (unter der Marke Aral) sein, es kann sich aber auch um eine der vielenmittelständischen Ketten handeln, die zwischen einem Dutzend und einer dreistelligen Zahl von Tankstellen unterhalten.
Die Tankstellen können entweder Eigentum eines Einzelnen, von einer Mineralölgesellschaft gepachtet sein oder im Rahmen eines Dreiecksvertrages vom Grundstückseigentümer (der in diesem Fall Partner der Mineralölgesellschaft ist) an einen Tankstellenunternehmer verpachtet sein. Markentankstellen sind an die Preise gebunden, die von den Ölkonzernen vorgegeben werden.


Tankstellenketten sind unter anderem Agip, Allguth, Aral (BP), AVIA, Bavaria Petrol, BayWa,Boie, BP, Classic, Esso, Go, HEM, Hoyer, JET, Nordoel, OIL!, OMV AG, Orlen, Q1, Raiffeisen, Shell, Sprint, Star (Orlen), Total und Westfalen.


Freie Tankstellen

Als Freie Tankstellen, markenlose oder weiße Tankstellen, werden Tankstellen bezeichnet, die ihre Kraft- und Schmierstoffe im eigenen Namen und für eigene Rechnung verkaufen und die nicht in das Vertriebssystem einer Markenfirma eingegliedert sind. Kraftstoffe aller Marken stammen letztlich aus nur wenigen großen Raffinerien, die qualitativ alle den gleichen gesetzlichen Normen, insbesondere der DIN EN 228 entsprechen müssen. Rund 600 Freie Tankstellenbetreiber sind im deutschen Bundesverband freier Tankstellen zusammengeschlossen, der Mitglied im Dachverband MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland ist.


Die größten deutschen Tankstellenmarken im Vergleich 2012 zu 1935

Die heutige Verteilung der Tankstellen beziehungsweise Servicestationen derjenigen Marken mit der größten Marktdurchdringung wird der Verteilung der Zapfstellen 1935 gegenübergestellt (Viele Tankstellen bestanden damals aus nur einer einzigen Zapfsäule, gegenüber einer geringen Anzahl an Großtankstellen):


Marke Anzahl 2012 Firma/Marken Anzahl 1935 Marke heute
insgesamt 14.373 Tankstellen ca. 56.000 Zapfstellen
1. ARAL 2.391 (16,6%) DAPG, DAPOLIN, ESSO 18.327 (32,7%) ESSO (ExxonMobil)
2. SHELL 2.088 (14,5%) Rhenania-Ossag, Dynamin, SHELL 16.363 (29,2%) SHELL (Royal Dutch Shell)
3. ESSO 1.077 (7,5%) Benzol-Verband (ARAL) 7.740 (13,8%) ARAL (BP)
4. TOTAL 969 (6,7%) OLEX (BP) 6.098 (10,9%) ARAL (BP)
5. AVIA 787 (5,5%) Gasolin (Motalin, Leuna-Benzin) 3.315 (5,9%) ARAL (BP)
6. ConocoPhilips (JET) 753 (5,2%) Oelhag 953 (1,7%) ESSO 50%
SHELL 50%
7. Raiffeisen 623 (4,3%) NITAG 650 (1,2%) erst Gasolin, damit ARAL (BP)

Neben diesen Marken gibt es noch viele kleinere Tankstellenmarken in Deutschland.

Im Ergebnis haben die später zu den heutigen Marktteilnehmern ESSO, SHELL und ARAL fusionierten Gesellschaften mit zusammen 95,5% den Markt komplett abgedeckt (beherrscht), während diese drei Firmen heute, was die Marktabdeckung über die Verteilung der Tankstellen angeht, lediglich auf einen Gesamtanteil von 38,6% kommen.
Die in der Tabelle aufgeführten sieben größten Gesellschaften kommen heute zusammen auch nur auf einen Anteil von 60,3%. Diese Zahl sagt noch nichts über den relevanten Marktanteil bezüglich der verkauften Menge an Mineralölprodukten aus. Das heißt, betrachtet wird nur die Anzahl der Tankstellen, nicht aber die verkaufte Menge an Mineralölprodukten.


Quelle in Auszügen Wikipedia