Geschäfte, Früher und Heute

Sie wollen in der Samtgemeinde einkaufen?

Gut, Lebensmittel sind noch im Dorf erhältlich, aber alles andere was den täglichen Bedarf ebenfalls deckt, ist aus dem Dorf verschwunden.
Sie wollen Kleidung kaufen? Fehlanzeige!
Sie benötigen ein paar neue Schuhe? Nicht in Borgloh!
Sie benötigen Schreibwaren? Auch hier Fehlanzeige!


Wie anders sah es noch vor Jahren aus. Eine Vielzahl von Geschäften belebte das Dorfbild und verschaffte dem Bürger die Möglichkeit sich mit entsprechenden Produkten einzudecken.
Im Laufe der Jahre gab es eine Vielzahl von kleinen Läden, in denen man Lebensmittel erhalten konnte.
Oder denken wir zum Beispiel an den Raumausstatter Hubert Brockmeyer, der einen unvergleichlichen Service bot, indem er seine Kundschaft direkt zu den Erzeugern oder zu den Großhändlern der von Ihm verkauften Produkte fuhr, um hier mit seiner Kundschaft eine Auswahl zu treffen. Da konnte man noch von Service-Oase und nicht von Service-Wüste sprechen.


Ohne Auto oder einer Fahrt mit dem Bus geht heute nichts mehr. In den anderen Ortsteilen der ehemaligen Samtgemeinde bietet sich ein ähnliches Bild. Auch hier mussten viele Geschäfte dem Wandel der Zeit Tribut zollen und aufgeben.

Wer erinnert sich nicht gern an die Zeit, wo man bei Beckmann quasi "Alles" bekommen konnte.

Nachfolgend finden Sie eine Aufstellung der Geschäfte, die ehemals in der Samtgemeinde Borgloh ihr Auskommen hatten.


Name Branche Adresse Ortsteil
Beckmann Johannes Lebensmittel, Spirituosen, Sämereien, Eisenwaren Hauptstraße Borgloh
Bergstermann Mathias Schuh-und Lederwaren Borgloh
Brinkhege Theodor Bäckerei, Lebensmittel Osnabrücker Str.1 Borgloh
Brockmeyer Hubert Textilgeschäft Am Thie 6 Borgloh
Brörmann Johannes Bäckerei, Lebensmittel Zur Spitze 1 Borgloh
Bünger Agathe Textilien Hauptstraße Borgloh
Geisler Marianne Lebensmittel Hauptstraße 9 Borgloh
Greive Fritz Bierverlag Hauptstraße Borgloh
Greive Georg Tabakwaren Hauptstraße Borgloh
Jour Matthias Lebensmittel Borgloh
Kinker Theo Textilien Ebbendorfer Straße Borgloh
Liesing Heinrich Baugeschäft Baumaterialien Hauptstraße 28 Borgloh
Mählmeyer Hermann Bäckerei und Lebensmittel Borgloh
Meinert Agnes Lebensmittel Borgloh
Mergelmeyer Bernhard Fleischerei Hauptstraße 10 Borgloh
Mergelmeyer Gerhard Lebensmittel Iburger Straße Borgloh
Meyer Ewald Centra Markt, Lebensmitel und Eisenwaren Kirchstraße 9 Borgloh
Nülle Johannes Kolonialwaren Strubberg Borgloh
Redecker Anton Lebensmittel Alte Straße Borgloh
Schlecker Markt Lebensmittel Am Thie Borgloh
Schmedt Heinz Papier- und Schreibwaren Schulstraße 2 Borgloh
Schriever Josef Drogerie Hauptstraße 13 Borgloh
Schwöppe Elisabeth Hutfachgeschäft Zur Windmühle Borgloh
Stertenbrink Josef Drogerie Hauptstraße 11 Borgloh
Stolle Josef u. Sohn Lebensmittel, Landhandel Borgloh
Stolle Johannes, Stolle Georg Schuhmacher Schulstraße 3 Borgloh
Honerkamp Franz Kolonialwaren Ebbendorf
Kuhlmann Josef Lebensmittel Ebbendorf
Meinert Anni Lebensmittel Ebbendorf 16 Ebbendorf
Overschmidt Mathias Kolonialwaren Ebbendorf 52 Ebbendorf
Schimöller Schwarzer Weg Ebbendorf
Schriever Franz Kolonialwaren Ebbendorf 56 Ebbendorf
Willmann August Lebensmittel Glückaufstraße Ebbendorf
Haake Wilhelm Lebensmittel Eppendorf 30 Eppendorf
Habighorst August Lebensmittel Eppendorf
Nülle Georg Lebensmittel Eppendorf
Mergelmeyer Willi Lebensmittel Uphöfen
Apel Ludwig Fleisch und Wurstwaren Ellerbruch Wellendorf
Falke Hermann Fenster, Möbel, Teppiche Bahnhofstraße 7 Wellendorf
Hüggelmeyer Osnabrücker Straße Wellendorf
Huning Heinrich VE GE Lebensmittel Im Ellerbruch 2 Wellendorf
Peistrup Georg Textil- und Modewaren Wellendorf
Rahenbrock Franz Schuh-und Lederwaren Wellendorf
Schriever Wilhelm Lebensmittel Wellendorf
Stönner Maria Lebensmittel Iburger Straße 38 Wellendorf
Stönner Matthias Borgloher Straße Wellendorf
Wessendarp Lebensmittel Osnabrücker Straße Wellendorf
Westerheide August Einzelhandelsgeschäft Wellendorf


Die Supermärkte erobern die Welt


In den USA haben die so genannten SB-Märkte schon vor dem 2. Weltkrieg große Teile der Lebensmittelbranche erobert. In Deutschland war diese Art der Geschäfte eher die Ausnahme. SB Läden sind erst seit Ende der 50er Anfang der 60er Jahre in Deutschland bekannt. Ende der siebziger Jahren waren es dann schon über 85.000 SB-Märkte.

Noch bis in die 50er Jahre hinein arbeitete ein Einzelhändler in Deutschland nicht viel anders als der Krämer des 14. oder 15. Jahrhunderts. Der typische Einzelhändler beschäftigte außer seiner Ehefrau lange Zeit höchstens ein bis zwei "Verkaufsknechte". Der Wettbewerb war gering und die Verdienstspanne beträchtlich. Bis in die siebziger Jahre hat sich in deutschen Landen der Spruch erhalten: "Und ist der Handel noch so klein, er bringt doch mehr als der Hände Arbeit ein."

Mit dem technologischen Fortschritt wurde der Einzelhändler aber immer mehr in die Position eines Verteiler-Gehilfen der Markenartikelfabrikanten gedrängt. Hohe Gewinnspannen versüßten den Einzelhändlern ihre Abhängigkeit von den Produzenten. Beim Lebensmittelhandel zum Beispiel lag die Spanne des Großhandels jahrzehntelang zwischen 10 und 15 Prozent, beim Einzelhandel zwischen 30 und 40 Prozent.


Zu ersten Konzentrationsbewegungen kam es schon während der Kaiserzeit. 1880 wurde beispielsweise die Filialkette "Kaiser's Kaffee" gegründet, 1893 folgten die Tengelmann-Kaffee-Geschäfte.

Als Hitler 1933 die Macht übernahm, begannen für Filialisten und Kaufhäuser schlechte Zeiten. Hofiert wurden fortan nur die 840 000 Einzelhändler, die das braune Regime unter eine Art Naturschutz stellte. Kaufhäuser hingegen galten als jüdische Erfindung, weil die Hertie- und Kaufhof-Gründer Tietz keinen arischen Stammbaum hatten.

Nach den Notjahren der Kriegs- und Nachkriegszeit, in denen der Handel nur die Rolle eines staatlichen Verteilers spielte, setzte sich beim Krämervolk die Einsicht durch, dass sich die Zunft von der lästigen Bevormundung der Produzenten befreien müsse.

Immer mehr Einzelhändler schlossen sich zum Beispiel der "Einkaufszentrale der Kolonialwarenhändler" ("Edeka") an, einer bereits 1907 gegründeten Selbsthilfeorganisation des Einzelhandels. Der auf genossenschaftlicher Basis organisierte Verband sollte ursprünglich nur Großhandelsaufgaben übernehmen. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, betätigten sich die Genossen in den Anfangsjahren ehrenamtlich als Lagerhelfer, Buchhalter oder Geschäftsführer. Als immer mehr Ladenprinzipale zu den Einkaufsgenossenschaften überliefen und ihre angestammten Großhändler im Stich ließen, wachten auch die westdeutschen Grossisten auf. So entstanden nach niederländischem Vorbild in Deutschland Großhandelsketten wie Spar, Vivo, Ifa, Union, Tip, Centra, VeGe, A & 0 und Fachring. Einzelhändler, die Mitglieder dieser Ketten wurden, behielten ihre rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit, mussten ihr Geschäft aber nach den Richtlinien der Ketten-Manager führen. Obwohl für die Mitglieder kein Kaufzwang beim Ketten-Grossisten bestand, hatten sie zum Beispiel Vorschriften über einheitliche Ladengestaltung einzuhalten. Gegenüber den straff geführten Kaufhäusern und Lebensmittel-Filialbetrieben gerieten die Genossenschaften und Ketten in den 60er Jahren jedoch ins Hintertreffen.

Während bei den Mitgliedern von Edeka, Rewe, Spar und anderen Handelsgruppen moderne betriebswirtschaftliche Erkenntnisse nur schwer durchzusetzen waren, nutzten Inhaber von Filialunternehmen und Warenhausmanager jede Rationalisierungsmöglichkeit. Zu kleine Läden, die sich als unrentabel erwiesen, wurden beispielsweise rücksichtslos geschlossen und durch profitable Supermärkte ersetzt.

Nachdem der Expansionsdruck der Filialisten und Warenhäuser immer stärker geworden war, kamen Genossenschaften und Ketten nicht umhin, Ballast abzuwerfen. Opfer der Rationalisierung wurden vor allem Händler mit Mini-Geschäften. Denn selbst ein ländlicher Supermarkt hat heute nur eine überlebenschance, wenn er über eine bestimmte Verkaufsfläche verfügt.


Forciert wurde der Konzentrationsprozess in den siebziger Jahren durch die mit amerikanischem Tempo erbauten Verbrauchermärkte und SB-Warenhäuser. Vorausschauende Manager hatten erkannt, dass sich mit Lebensmitteln allein auf die Dauer keine auskömmlichen Renditen erwirtschaften lassen. Deshalb bauten sie ihre neuen Läden gleich so groß, dass sie neben dem traditionellen Lebensmittel- und Haushaltssortiment auch Schuhe, Textilien, Radio- und Fernsehgeräte und selbst Bücher, Spielzeug, Kosmetik und Kleinmöbel feilbieten konnten. Noch 1965 gab es in der Bundesrepublik keinen einzigen Laden dieses Typs. Ende 1970 waren es bereits 650 mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 2,5 Millionen Quadratmeter. Diese Fläche entspricht dem Areal eines mittleren Rittergutes. Mit SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten hatte die Gigantomanie im Einzelhandel freilich noch nicht die letzte Stufe erreicht. Handelsstrategen hatten herausgefunden, dass die Kaufleidenschaft der Bundesbürger sich dort am besten entfaltet, wo eine Vielzahl von Geschäften konzentriert ist. So entstanden in westdeutschen Ballungsräumen so genannte Einkaufs- oder Shopping-Center (Centro-Park, Werre-Park usw.).

Mit den wachsenden Betriebsgrößen stieg auch das Selbstbewusstsein der westdeutschen Krämerschaft. Ausgebuffte Einkäufer von Warenhäusern und Handelsorganisationen trotzten den Lieferanten immer günstigere Konditionen ab. Da die meisten Hersteller feste Verkaufspreise haben und darauf in der Regel nur Skonti, Mengen- und Umsatzrabatte geben, ersinnen die Einkäufer mit einer schier unerschöpflichen Phantasie immer neue Sonderrabatte. Eine renommierte Süßwarenfabrik zum Beispiel musste sich seinerzeit über zwölf verschiedene Rabatte abknöpfen lassen.

Am teuersten kam den Lieferanten der seinerzeit Zeit branchenübliche Erstausstattungs-Rabatt zu stehen. Er wird immer dann fällig, wenn ein Produkt zum ersten mal im Laden aufgenommen werden soll. In diesem Fall muss der Produzent seinen Preis bis zu 30 Prozent ermäßigen. Einige Filialisten in Deutschland fühlen sich gar so mächtig, dass sie von Fabrikanten bei neu eingeführten Produkten einen Monat lang Gratiswaren verlangen. Um wenigstens einen Schein kaufmännischen Anstands zu wahren, werden solche Praktiken als "Produkttests" kaschiert.


Dass Deutschlands Hausfrauen immer mehr Geld in SB-Supermärkten lassen, ist den Verführungskünsten der Verkaufspsychologen zuzuschreiben. Obwohl die meisten Käufer davon überzeugt sind, im Selbstbedienungsladen unbeeinflusst vom Personal die richtigen Kaufentscheidungen zu treffen, werden sie auf Schritt und Tritt manipuliert. Die scheinbar systemlose Waren-Anordnung ist nämlich in Wirklichkeit raffiniertes Kalkül: Gänge und Regale sind zum Beispiel so angelegt, dass der Kunde mehr kauft, als er eigentlich kaufen wollte. Bei richtiger Programmierung der Einkaufswege kaufen 45 Prozent aller Frauen doppelt soviel wie geplant. Verkaufspsychologen haben zudem herausgefunden, dass 80 Prozent aller Kunden "wandbezogen" sind und sich am liebsten an der Peripherie des Ladens bewegen. Daher werden die besonders umsatzträchtigen Waren wie Frischfleisch, Obst und Gemüse, Milch und Tiefkühlkost in den äußeren Zonen angeboten. Moderne Ladengestalter berücksichtigen auch den "Rechtsdrall" deutscher Frauen.

Den meisten Käuferinnen scheint seltsamerweise gerade solche Ware besonders begehrenswert zu sein, die sich jeweils rechts von ihnen befindet. Messungen haben ergeben, dass Regale auf der rechten Seite vier- bis fünfmal so stark beachtet werden wie andere Stände. Die von vielen Ladenchefs gefürchteten "Rennstrecken", in denen der Kunde wenig kauft, weil er zu schnell hindurchgeht, werden von den Verkaufsstrategen mit attraktiven Sonderangeboten unterbrochen. Bei SB-Läden bis 400 Quadratmeter Verkaufsfläche empfehlen die Experten neun solcher "Ramschplätze", bei größeren Geschäftstypen bis zu 18. Beliebteste Preisschlager, die oft unter dem Einstandspreis verkauft werden, sind Frischfleisch, Wurst, Molkereiprodukte, Waschpulver, Tiefkühlkost, Spirituosen und Süßwaren.


Starke Kaufimpulse werden bei der Kundschaft auch durch Farb- und Lichteffekte ausgelöst. Eintönige Farben wirken nicht kauf stimulierend, statt dessen werden "kontrastierende Hintergrund-Farben" eingesetzt. Für besonders verkaufsfördernd halten Psychologen so genannte Warmtöne, die am besten durch die Lichtfarbe "Weiß de Luxe" erreicht werden. Für Fleisch- und Wurstwaren jedoch schwören die Experten auf die Leuchtfarbe "Natura", in der Metzgerware besonders appetitlich wirkt. Im Tante Emma Laden brauchte man solche Effekte nicht


Eine weitere Art den Kunden das Warensortiment schmackhaft zu machen, ist die Methode der Dauerberieselung durch Musik und Werbeansagen. Hier wird man mittlerweile jederzeit musikalisch zwangsberieselt. Gut, über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber wenn ich Musik hören will besuche ich eine Diskothek oder eine entsprechende musische Veranstaltung.

Hat man sich gerade mit dem angebotenen musikalischen Erzeugnis zwangsweise angefreundet, ertönt ein ohrenbetäubendes Signal. Die Musik wird unterbrochen und eine Stimme schreit einen an: "Besuchen Sie unsere Frischeabteilung, nur Heute bla, bla, bla…". Besonderes Pech hat, wer sich gerade unter einem Deckenlautsprecher befindet. Sobald die Ansage beendet ist, wird man nahtlos mit voller Lautstärke wieder "diskothiert".

Wenn diese Art der Werbung, also Musik mit Werbeansagen, die Kunden zum Kaufen animieren soll, so erzeugt es bei mir und vielen anderen Leidensgenossen das genaue Gegenteil. Ich versuche so einen Laden möglichst schnell zu verlassen um dem Krach zu entgehen. In dieser Aufbruchshektik wird dann schon mal das ein oder andere Teil nicht gekauft, nur um dem Radau schnellstens zu entfliehen.

In diesen Momenten sehnt man sich nach dem alten Tante Emma Laden zurück. Das Warensortiment war zwar überschaubarer (braucht man wirklich 25 verschiedene Sorten Tomatenketchup?), aber die Menschen haben sich unterhalten und haben die gleichen Informationen wie im Supermarkt auf weitaus angenehmere Art und Weise vermittelt bekommen.


Schön war die Zeit…

Was ist geblieben?

Name Branche Adresse Ortsteil
Brinkmann Georg Getränkemarkt Borgloh
Brörmann Bäckerei, Lebensmittel Zur Spitze 1 Borgloh
RWG Heggemann Lebensmittel, Landhandel Borgloh
Stäutermann Landhandel Borgloh
Stolle Josef u. Sohn Lebensmittel, Landhandel Borgloh
Jibi Markt Lebensmittel, Einzelhandel Wellendorf