Die Windmühle auf dem Gersberg


Vor langer Zeit gab es in Borgloh eine Windmühle.

An der Stelle, wo sich seit vielen Jahren der Wasserturm an der höchsten Stelle erhebt (191m ü.N.N.) soll sie gestanden haben. Soweit die Akten Auskunft geben, hat der Freiherr von Hammerstein aus Gesmold 1725 den Bau einer Windmühle vorgeschlagen, da die Borgloher Bergwerke durch Entzug von Wasser die Funktion seiner Wassermühle in Klein-Dratum stark einschränkten.




So soll sie einmal ausgesehen haben, die Windmühle auf dem Gersberg

Eine Untersuchung ergab, dass im Kirchspiel Borgloh bereits 10 Wassermühlen vorhanden waren und diese durchaus in der Lage waren den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Es gab also keine zwingenden Gründe zur Errichtung einer neuen Mühle, gebaut wurde sie trotzdem.


Am 21. November 1729 wurde sie erstmals meistbietend verpachtet. Rudolf Torbecke wird als erster Windmüller genannt. Er übernahm als erster 1730 die Mühle auf 4 Jahre für jährlich 40 Taler. Sein Nachfolger, zu den gleichen Bedingungen, wurde am 29. März 1734 Johann Hermann Westerfeld. Er verschwand jedoch schon nach wenigen Tagen, nachdem er zuvor allerhand Inventar entwendet hatte. Neuer Pächter wurde Johann Baumgarten. Er trat die Pacht am 20. Mai 1734 an, zahlte aber jährlich nur 30 Taler. Der Vertrag lief nach 4 Jahren ab. Er ließ ihn zunächst um ein 1 Jahr verlängern und zahlte 20 Taler. Da dringende Reparaturen notwendig waren, stand in diesem Jahre 1739 die Mühle etwa 10 Wochen still. Dem Pächter wurde diese Zeit, da er nicht arbeiten konnte, vergütet. Baumgarten behielt die Pacht, für jährlich 20 Taler, bis 1756, insgesamt also 22 Jahre.


Dann wurde am 20.Mai 1756 ein Vertrag mit dem Windmüller Gerd Friederich Zinselmeier geschlossen. Er zahlte die Pacht in gleicher Höhe wie sein Vorgänger. Am 26. Mai 1765 wird berichtet, dass die Mühle verfallen sei und an Reparaturkosten jährlich etwa 35 Taler aufgewendet werden müssten. Sie bringe dagegen nur eine jährliche Pachtsumme von 20 Talern und für das kleine Wohnhaus, das Mühlenhaus, zahle der Müller jährlich 5 Taler Miete. Die Kosten wären also bedeutend höher als die Einnahmen. Unter anderem habe die Mühle von Michaeli 1764 bis März 1765 nur mit zwei Flügeln gestanden, habe also nicht arbeiten können.


Es wurde empfohlen die Mühle abzubrechen und an einem anderen Ort des Amtes Iburg, wo sie eventuell mehr Nutzen bringe, wiederaufzubauen. Glandorf wurde dabei in die engere Wahl gezogen. Eine Umfrage bei allen Vögten des Amtes ergab jedoch, dass nirgendwo eine Mühle benötigt wurde.

Ein Jahr später war die Entscheidung gefallen. Die Bauern aus vier Osnabrücker Stadtkirchspielen, aus Oesede und Bissendorf mussten im November 1766 Gespanne zum Transport der abgebrochenen Mühle nach Neuenkirchen im Hülse (bei Bramsche) im Amt Fürstenau stellen. Dort wurde sie wieder aufgebaut.


Tragisch war das Schicksal des letzten Borgloher Windmüllers Gerd Friederich Zinselmeier. Bernd Hardemente, ein berüchtigter Gewaltverbrecher hatte ihn auf der Folter als Komplizen benannt. Zinselmeier wurde daraufhin im April 1765 verhaftet und in den festen Turm der Iburg eingesperrt. 1767 wurde Hardemente auf dem Stalbrink bei Oesede hingerichtet. Auf dem Richtplatz nahm er seine falsche Anschuldigung zurück und erklärte, dass Zinselmeier mit seinen Untaten nichts zu tun gehabt habe. Trotzdem behielt man Zinselmeier weiterhin in Haft. Erst nach 8 Jahren, nachdem seine Schuldlosigkeit einwandfrei erwiesen war, ließ man ihn frei.


Als Entschädigung für seine Haft gestattete man ihm, mit seiner Frau eine Stube des kleinen Mühlenhauses unentgeltlich zu bewohnen. Anscheinend machte er von diesem "großzügigen" Angebot keinen Gebrauch, denn ab Michaeli 1772 wurde das Häuschen an den Bergmeister Terheyden verpachtet. Es hatte nur eine kleine Stube, eine Kammer, eine kleine Küche und Platz für eine Kuh.


Die weitere Geschichte der Borgloher Windmühle


1766

Die Borgloher Mühle wurde vom Fürstbischof Osnabrück gekauft und auf der Lünorter Anhöhe in Neuenkirchen wieder aufgebaut. Seitdem besitzt die Mühle ein fürstbischöfliches Wappen. Die Mühle wurde an drei Erbkötter verpachtet.

1803

Aufgrund der Neuordnung Deutschlands, bei der das linksrheinische Gebiet in den Besitz des napoleonischen Frankreich überging, fiel das Fürstbistum Osnabrück. Daraufhin ist der Besitz der Mühle in die Hände des Königs von England gefallen.

1888

Kauf der Mühle durch Colon Abing (Limbergen). Dessen Söhne sollten auf Wunsch des Vaters Müller werden, zeigten daran allerdings kein Interesse, weil die Mühle nur bei Wind mahlen konnte.

1890

Verkauf der Mühle an Urahn der heutigen Besitzer, Berhard Brockamp

1895

Abbruch der Mühle auf der Lünorter Anhöhe und Wiederaufbau im Kleinen Sundern in Neuenkirchen. Die Mühle stellte Feinmehle her, d. h. es wurde Weizen und Roggen zu Backschrot vermahlen. Als zusätzlicher Geschäftszweig wurde ein Sägewerk mit angebaut, da es in dieser Gegend sehr viele Holz-Ressourcen gab.

1960

Modernisierung der Mühle: Die Mühle wurde von Hand- auf Elektrobetrieb umgestellt und wird bis heute als Kraftfutterwerk genutzt.

2010

Übergabe der Mühle an die Geschwister Verena und Andreas Brockamp.