Das Münzwesen im Norddeutschen Raum

Taler, Pfennig, Mark, Schilling, Groschen, Mariengroschen, Gulden, Wechselkurse, Kurantmünze, Münznominal, Münzfuß, Scheidemünzen, Kaufkraft Heute, Verdienst, Lebenshaltungskosten


Taler

Der Ursprung des Talers ist in Tirol. Hier wurde um 1485 eine Münze geprägt die (Guldengroschen) Klappmünztaler genannt wurde. Nach der Entdeckung von bedeutenden Silbervorkommen in Joachimsthal wurden hier von 1519 - 1528 auch die Guldengroschen geprägt. Da sie in recht großer Zahl vorhanden waren wurden diese Münzen Joachimsthaler und später einfach Thaler (Taler) genannt.

Später, und zwar von 1566 bis 1750 wurde der Reichstaler mit einem Silbergehalt von 25,984 g die amtliche Rechnungsmünze des Heiligen Römischen Reiches. Ab 1750 kam der Preußische Reichthaler als Währungseinheit. Ab 1800 wurde der Reichsthaler zum Thaler. Unterteilt wurde der Taler in 24 Groschen (ab 1821 in 30 Silbergroschen zu je 12 Kupferpfennigen).

1873 wurde in allen Deutschen Ländern der Taler durch die Mark (1/3 Taler) zu je 100 Pfennig abgelöst.

Der Taler lief nach Einführung der Mark noch bis 1907 im Wert von 3 Mark um und wurde erst im Jahre 1908 durch das geprägte Dreimarkstück ersetzt.



Pfennig

Der Name Pfennig war ursprünglich der allgemeine Name für jede Münze in Deutschland. In einigen altdeutschen Ländern auch als Pfenning bezeichnet, z.B. in Preußen bis 1873, und zwar als Abgrenzung zum Taler von vor 1821, als dieser noch 24 (Gute) Groschen = 288 Pfenning galt und nicht wie ab 1821 30 Silgbergroschen =360 Pfennige.

Vom 8 bis zum 13. Jahrhundert bestand der Pfennig aus hochwertigem Silber und besaß eine hohe Kaufkraft. Der Pfennig war um 1200 das einzige deutsche Silber-Kurantünzen-Nominal. Etwa mit Ausgang des 17. Jahrhunderts sank der Pfennig zur Kupferscheidemünze herab.



Mark

Die Mark als Münze geht auf die Gewichtseinheit Mark zurück (Kölner Mark=233,856 g). In Lübeck wurde 1502 die Mark zum Münznominal, d.h. es wurden dort Silbermünzen geprägt. Ab 1873 setzte sich die Mark als Kompromiss zwischen dem Taler und dem Gulden als Einheitswährung durch.



Schilling

Die deutschen silbernen Schillinge dee Neuzeit waren mit dem Groschen vergleichbar und galten meist 12 Pfennig. Der halbe Schilling (sechsling) 6 Pfennige und der Viertel Schilling (Dreiling) 3 Pfennige.



Groschen

Der Groschen galt im deutschen Sprachraum meist 12 Pfennige. Die ersten deutschen Groschen wurden 1271 vom Grafen Meinhard II von Tirol in Meran geprägt. Der Groschen war ursprünglich eine massive Münze aus reinem Silber. Der Groschen stellte ein Mehrfaches des sich im Laufe der Jahrhunderte im Silbergehalt verminderten Pfennigs dar.



Mariengroschen

Mariengroschen sind im niedersächsischen Raum geprägte Groschen, die auf einer Seite die Darstellung einer stehenden Muttergottes zeigen, was ihnen auch den Namen gab. Sie wurden zuerst 1503 in Goslar geprägt und verbreiteten sich dann weiter. Der Silbergehalt variierte stark und der Wert der Münze wurde immer weiter herabgesetzt. Die Mariengroschen galten mit 36 Groschen auf einen Taler als Scheidemünze. Mariengroschen wurden im Raum Hannover bis 1870 geprägt.



Gulden

15 Jahrhundert kennt den Gulden (aus Gold), 1 Goldgulden entspricht 7 - 8 Schillig. Ab 1538 ist ein Goldgulden 28 Schilling, da der Silbergehalt des Schillings und andere Rohstoffe geringer geworden ist.



Verbreitung in unserm Raum

Ab 1554 gilt bei uns der Taler in Silber.

In Osnabrück wurden nach dem Kriege 1648 neben dem Schilling auch gute Groschen ggr und Mariengroschen mgr geprägt. Ab 1825 wurde im ganzen Königreich Hannover die Rechnung mit Talern. mgr und ggr eingeführt. Dies blieb bestehen bis 1858. Dann wurde der Taler im Königreich Hannover in 30 Neugroschen ngr geteilt und der Groschen in 10 Pfennig.

Aufgrund des Münzgesetzes von 1873 wurden im ganzen Reich die neuen Münzen Mark und Pfennig eingeführt. Die bisherigen Landesmünzen verschwanden.



Wechselkurse

1 preußischer Taler (ab 1821) 30 Silbergroschen = 360 Pfennig
1 sächsischer Taler (ab 1841) 30 Neu-Groschen = 300 Neu-Pfennig
1 preu&ßischer Reichstaler 24 Groschen = 288 Pfennig
1 (Vereins) Gulden (a 20 Groschen = 60 Kreuzer = 240 Pfennig
1 Nürnberger Pfund (477g) Silber um1350 = 240 Pfenning
1 Nürnberger Mark, 238,6g Silber um 1300 = 120 Pfennig
1 Taler = 21 Schilling
1 Schilling = 12 Pfennig
1 Neu-Groschen = 10 Pfennig
1 Mariengroschen = 8 Pfennig
1 Kreuzer = 4 Pfennig
1 Heller = 2 Pfennig
4 Kreuzer = 1 Batzen
2 Taler = 3½Gulden = 6 Mark
1 Gulden = 1,71 Mark



Kurantmünze

Eine Kurantmünze, alt: Courantmün(t)ze, ist eine "vollwertige, umlaufende, gangbare, kursierende" Münze, deren Wert durch das Metall, aus dem sie besteht, gedeckt ist. Der Kurswert entspricht damit nahezu ihrem Metallwert, abgesehen von dem als Schlagschatz bezeichneten Gewinn des Münzherrn sowie den Prägekosten, die aber stets durch die Scheidemünzen- und Banknoten-Emission eines Landes in der Ausmünzungsbilanz überkompensiert wurden.

Die wertbestimmenden Metalle, aus denen die Kurantmünzen bestanden, waren Silber und Gold, ausnahmsweise auch Platinmetalle oder für kurze Zeit sogar Kupfer. In der römischen Antike gab es noch das frühe Bronze-As als Kurantgeld. Alle Kurantmünzen sind Warengeld, im Gegensatz zu den Scheidemünzen, dem Papier- und Buchgeld, die alle Kreditgeld sind. Der übliche Bargeldbegriff bezog sich vor 1915 in Deutschland immer nur auf die Kurantmünzen.



Scheidemünzen

Scheidemünzen wurden Münzen zur Zeit des Kurantgeldes - in Deutschland und Österreich bis Anfang August 1914, dem Beginn des 1. Weltkrieges - genannt, deren innerer Münz-Metallwert geringer als ihr gesetzlich aufgeprägter Währungsnominalwert war. Sie stellen, wie Notgeld, Kreditgeld dar.

Der Begriff "Scheidemünze" bedeutete das "Scheiden von Käufer und Verkäufer auf Heller und Pfennig beim Kaufvorgang". Er bezeichnet somit das geringwertige bis mittlere Wechselgeld. Seit 1915 sind in Deutschland alle geprägten Kursmünzen einschließlich der heutigen Euromünzen "Scheidemünzen".



Münznominal

Das Münznominal ist ein vom lateinischen Nomen (Name) abgeleiteter Ausdruck, der die Münze nach ihrem Namen bezeichnet, wie Euro, Dollar, Pfund, Franken oder auch Groschen, Pfennig und Cent. Die Einfachstücke, also zum Beispiel das 1-Euro-Stück oder das 1-Dollar-Stück, werden als Münznominale bezeichnet. Viele Nominale sind in Mehrfach- oder Teilwerten (Nominalwert) ausgeprägt, "10 Cent" oder "Half Dollar" sind beispielsweise entsprechende Nennwerte (engl: denomination, face value).



Münzfuß

Der Münzfuß legt fest, welche Menge eines Edelmetalls in welcher Menge von Münzen eines bestimmten Nennwerts enthalten sein soll. Dabei muss die Münze nicht ausschließlich aus dem dem Münzfuß zugrunde gelegten Edelmetall bestehen. Meist war Kupfer zur Münzhärtung beilegiert, was im Münzfuß jedoch nicht mitzählte.

Im Karolingischen Münzsystem war das Pfund die grundlegende Massenseinheit und es war festgelegt, dass aus einem Pfund Silber 240 Pfennige gemünzt werden sollen. Später löste die Mark im Römisch-Deutschen Reich das Pfund als Gewichtseinheit ab.

1750 wurde in Österreich der Konventionstaler eingeführt, von welchem aus einer feinen Mark zehn Stück geprägt wurden, was einem Feingewicht von 23,386 g entspricht. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der relative Anteil an Edelmetall häufig als römische Ziffer im unteren Teil der Münze angegeben. So bedeutet z. B. ein "X" (römische Ziffer 10), dass zehn Münzen dieser Sorte einer Mark reinem Silber entsprechen.

Die (vor)letzten preußischen Kuranttaler im von Johann Philipp Graumann 1750 entwickelten 14-Talerfuß trugen die Inschrift: 1 Thaler 14 (Stück) eine feine Mark, d.h. dass 14 Talermünzen eine Gewichtsmark Silber enthielten, was umgerechnet 233,8555 g Feinsilber entsprach.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Silber als Basis der Währung in vielen Staaten durch den Goldstandard ersetzt und der Münzfuß bezog sich nun auf das wertvollere und haltbarere Gold.



Verdienst

Ein einfacher Fußsoldat erhielt nach Abzug von Brot- und Kleidungskosten einen Taler und acht Groschen im Monat (zum Vergleich: eine Mahlzeit mit Getränk kostete um 1750 etwa 2 Groschen, ein Taler bestand aus 24 - 30 Groschen).


Um 1850 war der Wochenlohn eines Baumwoll- und Leinenwebers: 2 Taler, 3 Silbergroschen
Um 1850 Tageslohn einer Strickerin oder Weißnäherin in Berlin: 4 Silbergroschen



Lebenshaltungskosten

Um 1850 hatte man in etwa folgende Kosten zu begleichen:


• mittlere Miete: 20 Groschen, 20 Pfennig
• 3 ½ Pfund Fleisch: 12 Groschen, 3 Pfennig
• 3 Schwarzbrote: 10 Groschen, 6 Pfennig
• 6 Becher Kartoffeln: 11 Groschen
• 1 ½ Pfund Butter: 9 Groschen
• 3/4 Pfund Kaffee: 5 Groschen
• Drei Pfund Mehl: 3 Groschen 6 Pfennig
• Fett: 3 Groschen
• Milch: 2 Groschen, 6 Pfennig
• Bier: 1 Groschen, 6 Pfennig


Ein Haushalt mit fünf Personen verbrauchte pro Woche durchschnittlich 3½ Taler.


Was für eine Kaufkraft hätten die alten Münzen heute?

Wenn man die Kaufkraft des damaligen Geldes in die heutige Zeit übernehmen würde, kann man erst ermessen, welchen Wert z.B. ein Taler darstellte.

Ein Taler aus dem Jahr 1870 hätte zum Beispiel 2007 folgenden Kaufkraftwert:

1 Taler = 3 Mark
1 Mark = 16 Schilling

3 x 16,4 /(0,93 x 1,95583) = 28,28 €

1 Taler = 28,28 €
1 Schilling = 0,59 €