Die Siedlungsgeschichte in Norddeutschland

Vollerben, Halberben

Von alters her gab es nach dem Umfange und nach der Berechtigung in der Mark verschiedene Klassen von Bauernhöfen. Es gab "gehele" (ganze) Erben, halbe Erben, Kotten. Schon Tacitus berichtet, dass man die Äcker unterschiedlich nach der Geltung in der Gesellschaft geteilt habe. Sicher waren schon zur Zeit Karls des Grossen geteilte Bauernstellen vorhanden, halbe Erben und Kotten. Im spaeteren Mittelalter sind viele Stellen geteilt worden.

Teilungen fanden auch noch in der Neuzeit statt trotz des Verbotes der Behörden. Man würde aber zu weit gehen, wenn man bei der Bezeichnung "halbe Erbe" immer an eine Teilung denken wollte. Es gibt sehr viele halberbige Einzelgehöfte, an denen nie eine Teilung vollzogen sein kann. Ebenso verfehlt wäre es, bei Halberben einen Umfang anzunehmen, der nur der Hälfte des Umfanges der Ganzerben entspräche. Der Unterschied ist vielfach nur ein sehr geringer. Wahrscheinlich sind die Halberben jüngeren Ursprungs als die Ganzerben, und aus diesem Umstande ist auch wohl die geringere Berechtigung in der "Mark" herzuleiten.


Noch im Jahre 1746 wurden zum Beispiel im Kirchspiel Garrel, wo sich die alten Verhältnisse noch am längsten erhalten haben, 2 "Halbkötter" zu "Halberben", 6 "Brinksitzer" zu 1/3 Erben, 18 Anbauer zu 1/6 Erben angesetzt und dabei bestimmt, wie viel Vieh ein jeder in die Mark zu treiben berechtigt war, und in welchem Maße er zu den Dorflasten herangezogen werden konnte.


Mit der Zeit bildeten sich folgende Abstufungen in der Erbesqualität im münsterschen Amte Vechta aus: Ganze einpflügige ("worauf ein Pflug geht") Erbe, halbe einpflügige Erbe, Erbkötter oder Pferdekötter, Gemeine Kötter, Brinksitzer, Häusler oder Gartner (im Amte Cloppenburg Brinkligger).

Im Osnabrückschen unterschied man Vollerben, Halberben, Erbkötter und Markkötter, im Diepholzschen Vollmeier, Halbmeier, Kötter und Feuersteller. Häusler und Feuersteller hatten keine Berechtigung in der Mark.

Beim Beginn der oldenburgischen Zeit begann man die Erbesqualität lediglich mit Rücksicht auf die Markenberechtigung von neuem festzustellen. Manche Halberben münsterscher Zeit rückten in die Klasse der Vollerben, erhielten damit gleichen Anteil an der Mark, verpflichteten sich aber auch zu größeren Spanndienstleistungen. Es kam aber auch vor, dass Bauern, die sich in eine höhere Erbesqualität hatten aufnehmen lassen, wegen der vermehrten Spanndienstpflichten in die niedrige Klasse zurücktraten.

Nach Teilung der Marken und Aufhebung der Geschlossenheit der Höfe hat die Erbesqualität jegliche Bedeutung verloren.


Anmerkung zur Bauerschaft Wellendorf:


Das Kirchdorf Borgloh liegt inmitten und auf dem Boden der Bauerschaft Wellendorf, man kann es auch als Alt-Wellendorf bezeichnen. Neu-Wellendorf entspricht dem Kern der neuen Kirchengemeinde Wellendorf.

Die Angaben zur Bauerschaft Wellendorf beziehen sich aus heutiger Sicht also immer auf Wellendorf und Borgloh.


Vollerben im Kirchspiel Borgloh um 1785


Bauerschaft Name Name Eigen an Freikauf
Allendorf Meyer zu Allendorf an Domkapitel 1840
Allendorf Johannsmann an Drosten von Spiegel. Zehnt nach Barenau. <1844
Allendorf Ostendarp an Domkapitel. Zehnt an Landdrosten von Astrup 1833
Allendorf Middelmann an Königsbrück 1825
Allendorf Marquardt an Grafen von Platen. Leiste Gografendienste 1844
Allendorf Holtgreife Holtgreffe an haus Bruche(Broke). 1815
Allendorf Maune Mane an Droste von Spiegel 1837
Allendorf Dauwe an Korff, Sutthausen. Gografendienste, Zehnt ans Domkapitel 1843
Allendorf Kendeler Kerze an Thumkapitel 1717. Zehntfahren jedes zweite Jahr nach Osnabrück. 1823
Allendorf Heyelmann aufr Brügge
Allendorf an St. Johann, Osnabrück, an Vikar von St. Johann 1859
Allendorf Spreckelmeyer an Böselager zu Eggermühlen, Zehnt nach Barenau 1834
Allendorf Lauxtermann an Domkapitel. Abgabe an Kirche zu Holte an Habern 14 Scheffel. 1836
Allendorf Böckmann an Stäel, Sutthausen. 1863
Allendorf Broxtermann an Haus Wehrburg. 1833
Ebbendorf Uthoff an Stæel Sutthausen 1855
Ebbendorf Eickhorst an Barenau, Zehntsammler nach Barenau 1857
Ebbendorf Erdmann an Königsbrück. Zehnt an das Domkapitel 1841
Ebbendorf Meyer zum Alten Borgloh an Gesmold. Zehnt an Barenau 1823
Ebbendorf Horstmann Knosthorsthus an Domkapitel 1858
Ebbendorf Wahmhof an Pastorat zum Borgloh, Handesherrn 1823-1840
Ebbendorf Vinckemann Haus Borgloh
Ebbendorf Holtgreve Haus Borgloh
Eppendorf Cordt Menke an das Domkapitel, Zehnt an von Stäel zu Sutthausen 1816
Eppendorf Schlie Caspar Sleden, Schlye frei = 1580, Petersfrei, Freiengeld von jeder Person 1 Schilling. An St. Johann jährlich 1 Schilling Grundgeld.
Eppendorf Meyer zu Eppendorf an Landesherrn. Petersfrei. Abgaben an Küsterim Dom 32 Pfund Butter, an Pastor in Holte, an Kirche in Borgloh 6 Schilling.
Eppendorf Bextermann an Droste von Spiegel. Gografendienste, Sendhabern 1848
Eppendorf Bertelsmann an Stäel , Sutthausen. 1846
Eppendorf Schürmann an Haus Stockum
Eppendorf Brunsmann Knostes an Drostin von Spiegel
Eppendorf Aumüller Abgabe an Kloster Iburg seit 1669, Eigen 1717 an Haus Sundermühlen. Abgaben an Kirche zu Borgloh 1816
Eppendorf Bischof an Domkapitel, Zehnt an Stäel zu Sutthausen. 1824
Eppendorf Heinrich Greven Greive 1717
Eppendorf Benne Baltz Benne an Domkapitel. 1580 Petersfrei. Zehnt an Stäel zu Sutthausen 1816
Eppendorf Mehrfelder Medeweller an Kirche, Landesherrn, frei aufm Sehlkamp. an der Wortstraße, Zehnt an Korff zu Sutthausen. 1862
Uphöfen Eustermeyer an Haus Königsbrück. Abgabe an Herrn zu Lehenburg-Holte
Uphöfen Westermeyer an Dr. Hartmann, Hilter. Drostenabgabe anLandesherrn
Uphöfen Biesenkamp an Haus Sondermühlen 1816
Uphöfen Hartmann An Droste von Spiegel
Uphöfen Brüggemann an Graf von Platen (zu Hannover), Abgaben an Vikarie St. Johann, Osnabrück
Uphöfen Grothaus an Kommissarius Schröder (1785), Zehnten an Drosten von Bar (Barenau) 1836
Wellendorf Peistrup Johann Pewesstrup, Pedestorp an Haus Bruche bei Melle. Zehntleistung nach Gut Barenaue 1717, gehört laut Urkunde von 1240 den Ravensbergern. 1284 durch Tausch an den Bischof als Lehen. 1417, mit Zustimmung des Bischofs, von Requinius v. Kersenbroik zu dessen Burg gezogen. Freikauf für 2500 Taler. 1794-1799
Wellendorf Rehme Hille de Remesche, Gerke Reme, Grete de Reme an den Landesherrn. Zehntleistung nach Gut Barenaue. 1240 Ravensberger Freier, 1580 Petersfrei. 1844
Wellendorf Wellendorf Thidericus de Wellingtorpe an Domkapitel, Zehnt an St. Johann, Gografendienste 1812
Wellendorf Boymann Boynemann an Droste von Spiegel 1826
Wellendorf Gersmann an Kapitel St. Johann 1827
Wellendorf Ahesmann-Vincke Meyer zu Ahe an Sondermühlen, Zehntkorn nach Sondermühlen. 1817
Wellendorf Berstermann Bergstermann, de Bersten(1512) an Domkapitel 1824
Wellendorf Meyer zu Bergsten de meyer to Begesten an Grafen von Plate zu Hannover.1350 an Bischof von Osnabrück, dann Familien von Haren, 1513 Johann auf dem Brinke, dann zu Gut Dratum, Zufluchtsort der Sackfamilie 1801
Wellendorf Wentrup an Stael auf Sutthausen, vorher eigen nach Kloster Iburg 1846
Wellendorf Rottmann an Eggermühlen, 1418 an Dirk Brümsel. 1859



Halberben im Kirchspiel Borgloh um 1785


Bauerschaft Name Name Eigen an Freikauf
Ebbendorf Rölker an Stäel Stuuhausen, an Küster, Schule 1779
Eppendorf Müler zu Bexten Bextermöller an Droste von Spiegel 1849
Eppendorf Schütte an Droste von Spiegel
Eppendorf Westerheide an Frau Drostin von Spiegel, canon an Kirche zu Borgloh
Eppendorf Haspecker an Landesherrn, canon an Kirche zu Borgloh, an Bauerschaft 1846
Eppendorf Niendiek niedere Beke. 1359-Nyendiekes hus, 1426-domus Nedermanns an Haus von der Horst, Westerkappeln 1863
Wellendorf Twellmeyer Twellmaeyer an Domkapitel. Abgaben an Pastor und Schule. 1828
Wellendorf Haslöwer 1412-casa Haslöver an Vogt Rente. 1856