Titel und Anreden

Kennen Sie sich aus? Wissen Sie was der Unterschied zwischen einem Baron, einem Herzog oder einem Fürsten ist?
Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Priester und einem Pastor? Wissen Sie um die Aufgaben eines Diakons, oder wie man einen Bischof richtig anspricht?

Nachstehend finden Sie Erläuterungen zu den jeweiligen Titeln, die in der Historie immer wieder auftauchen und sicherlich der ein oder anderen Erklärung bedürfen.


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Weltliches

Baron  |  Freiherr  |  Herzog  |   Graf  |  Fürst  |  Ritter  |   Lehnsherr  |  Vogt  |  Kirchenvogt  |   Landvogt  |  Kolone

Kirchliches

Priester  |  Pfarrer  |  Parochus  |  Pastor  |  Diakon  |  Kaplan  |   Küster  |  Vikar  |  Vicarius  |  Benefiziat  |   Franziskaner  |  Dekan  |   Bischof  | Kardinal


Baron

Baron (von liber baro "freier Mann") ist ein Adelstitel, der im Reich und seinen Nachfolgeterritorien bis 1918 nicht vergeben wurde. Dem Baron entspricht im deutschen Sprachraum der Freiherr. Familien, die den ehemaligen Titel Baron als Bestandteil ihres Nachnamens führen, wurde dieser Titel daher regelmäßig außerhalb Deutschlands verliehen. Sprachgeschichtlich ist das Wort fränkischen Ursprungs.


Titelträger sind zumeist Angehörige deutschstämmiger Adelsgeschlechter aus dem Baltikum, denen die Berechtigung zur Führung des Barontitels durch Senats-Ukasse der russischen Regierung gewährt wurde, zu dem seit Ende des 18. Jahrhunderts u.a. auch die baltischen Länder Kurland, Livland, Estland und ösel gehörten. Meist führten die betreffenden Geschlechter aber bereits den Freiherrentitel deutschen Ursprungs.


Im deutschen Sprachraum bezeichnete die Anrede "Baron" keinen verliehenen Titel, sondern eine in vergangenen Jahrhunderten als eleganter empfundene, latinisierte Anrede für einen Freiherrn. Der Brauch, einen Freiherrn mit Baron anzusprechen, begann im 16. Jahrhundert und wurde im 18. und 19. Jahrhundert zur festen Etikette an deutschen Höfen, als Französisch noch Hof- und Diplomatensprache war. Dieser Brauch hat sich innerhalb der rein privatrechtlich organisierten Nachfolgeverbände des ehemaligen deutschen Adels bis heute erhalten.


Auch nach Abschaffung des Adels durch die Weimarer Verfassung im Jahre 1919 wird im deutschen Sprachgebrauch heute noch manchmal die Anrede Baron als höfliche Bezeichnung für Freiherren, also Angehörige des ehemaligen Adels mit diesem Nachnamensbestandteil, verwendet.[nach oben]

Freiherr

Der Freiherr (bisweilen mit der Höflichkeitsanrede "Baron" angesprochen) gehörte zum titulierten Adel im Heiligen Römischen Reich. In österreich und dem Deutschen Reich bestand dieser Titel bis 1919. In Deutschland wird "Freiherr" und "Freifrau" seitdem als Bestandteil des Namens gebraucht. Im Gegensatz zum untitulierten Adel, der lediglich das Adelsprädikat "von" im Namen trug, gehörten zum betitelten Adel die Titel Freiherr, Graf, Fürst und Herzog, wobei man zwischen dem Ritterstand und dem Herrenstand unterschied; der Herrenstand begann beim Freiherren.


Angehörigen freiherrlicher Familien stand im 17. und 18. Jahrhundert die Anrede Wohlgeboren, später Hochwohlgeboren oder Hoch- und Wohlgeboren zu. In Deutschland war es üblich, den Adelstitel dem Vornamen voranzustellen.


Seit der Abschaffung des Adels in Deutschland 1919 sind ehemalige Adelstitel namensrechtlich Bestandteile des Familiennamens. In österreich war es bereits während der Monarchie üblich, den Adelstitel zwischen dem Vor- und dem Familiennamen einzufügen (z. B. Rudolf Freiherr von Slatin). Dies wurde nicht nur im amtlichen Schriftverkehr, sondern auch bei Hof so gehandhabt. Seit der Aufhebung des Adelsstandes in österreich im Jahr 1919 sind sämtliche Adelstitel namensrechtlich vollständig abgeschafft.[nach oben]

Graf

Im Merowinger- und Frankenreich war ein Graf königlicher Amtsträger, der in einer Verwaltungseinheit (Grafschaft, Gau) die königlichen Hoheitsrechte ausübte und in bestimmten Bereichen (Mark, Königsburg, Pfalz, Königsgut) Stellvertreter des Königs/Kaisers war. Er stammte aus dem fränkischen Reichsadel und war in seiner Grafschaft oft auch mit eigenem Besitz vertreten.


Der Graf war zunächst mit Wehrhoheit und Gerichtsbarkeit, später auch mit Finanz- und Verwaltungshoheit ausgestattet. Schon von Beginn an bestand durch die häufige Wahl der Grafen aus dem lokalen Adel die Tendenz zur Erblichkeit.


Später wandelte sich die Bedeutung des Grafentitels durch seine zunehmende Erblichkeit und die Einbindung ins Lehnssystem vom ursprünglichen Amt zum Begriff für die zusammengefassten Rechte eines Adligen in einem bestimmten Bereich. Die Grafenrechte wurden durch Tausch, Verkauf und Erbteilungen immer mehr privatrechtlich behandelt. Als äußeres Zeichen dieser Entwicklung setzte sich vermehrt die Bezeichnung der Grafschaft nach dem Herrschaftsmittelpunkt des Grafen anstatt nach der Lage in einem Gau für die Grafschaft durch.


Der deutsche Adel unterteilte sich in den Hoch- und Niederadel. Grafen hatten innerhalb des Hochadels den niedrigsten Rang. Die Ehefrau eines Grafen war "Gräfin", die Nachfahren von Grafen in der Regel ebenfalls Grafen. Die unverheiratete Tochter eines Grafen war Gräfin, wurde jedoch seit dem 17. Jahrhundert "Comtesse" (frz.:Gräfin = comtesse, deutsch: Komtesse, auch Komtess) angesprochen, was im 19. Jahrhundert wieder außer Gebrauch gekommen ist.


Grafen standen die Anrede Hochgeboren, regierenden und ehemals regierenden, standesherrlichen Grafen die Anrede Erlaucht zu. In Deutschland erfolgt seit 1919 die richtige Anrede nach dem Muster Vorname und danach der frühere Adelstitel als Teil des Nachnamens. Demgegenüber stand hier vor 1919 der Adelstitel noch vor dem Vornamen (in österreich hingegen war es bis 1919 üblich, den Adelstitel zwischen dem Vor- und dem Nachnamen einzufügen). Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch lautet die Anrede Graf/Gräfin Soundso (unter Weglassung des "von" sowie Herr/Frau).


Abgeleitete Titel

Landgraf Anfangs Amtstitel eines Lehensträgers unmittelbar vom König. Später gehörten die Landgrafen von Thüringen und Hessen dem Reichsfürstenstand an und waren annähernd einem Herzog gleichgestellt

MarkgrafAnfangs Amtsträger in einer Grenzmark, später im Reichsfürstenstand, einem Fürsten gleichgestellt, als alter Ritteradel aber mit höherem Ansehen verbunden.

Gaugraf der ursprüngliche Graf, Lehensmann eines Gaus, Führer eines Heerbanns, später abgekommen

Pfalzgraf und Hofpfalzgraf als unmittelbarer Vertreter des Königs (bzw. des Kaisers), später im Reichsfürstenstand, einem Fürsten gleichgestellt, aber mit höherem Ansehen verbunden.

Reichsgrafursprünglich der Graf einer anfangs königs-, dann reichsunmittelbaren Grafschaft, standesherrlich mit Sitz und Stimme im Reichstag. Seit dem 17. Jahrhundert zunehmend als Bezeichnung für den reinen Adelstitel Graf, sofern er als Briefadel durch den römisch-deutschen Kaiser verliehen war.

Burggraf Dem jew. Landesherren direkt unterstellter Herr, teils auch reichsunmittelbare Stellungen.[nach oben]

Fürst

Fürst ist in der hierarchischen Ordnung des Adelssystems im alten Reich der höchste Titel, unter dem auch Herzöge, Land-, Mark- und Pfalzgrafen inbegriffen waren. Sein Herrschaftsgebiet wird als Fürstentum bezeichnet.


Im weiteren Sinne und als Sammelbegriff bezeichnet das Wort "Fürst" einen hohen aristokratischen Würdenträger und schließt Monarchen ein. Im engeren Sinne und nach heutigem Sprachgebrauch handelt es sich um einen Adelstitel, der rangmäßig über dem Grafen und dem (nichtköniglichen) Prinzen steht, aber unter dem Herzog.


In den fränkischen Königreichen und später im Heiligen Römischen Reich waren Fürsten die Landesherren nach dem König bzw. Kaiser, das heißt königliche Amtsträger mit teils erblicher Hoheit über einen weltlichen und ggf. auch kirchlichen Herrschaftsbereich. Zum Fürstenstand (Reichsfürst) zählten im Spätmittelalter Herzöge, Land-, Mark- und Pfalzgrafen. Als geistliche Fürsten wurden Erzbischöfe, Bischöfe sowie manche äbte und Pröpste bezeichnet. Im Hochmittelalter wählten die Fürsten den König, später war dieses Recht den sieben Kurfürsten vorbehalten.


Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 wurden einige deutsche Fürsten souveräne Herrscher ihres Landes. Die meisten anderen, deren Territorium unter die Herrschaft eines anderen Staates kam, behielten oder erhielten den Fürstentitel als Ehrenprädikat, wie etwa Sayn-Wittgenstein; hinzu kamen einige im 19. Jahrhundert gefürstete Familien, die niemals souverän gewesen waren, wie etwa Blücher (als "Fürst von Wahlstatt"), Bismarck oder Bülow. Damit waren die weitaus meisten Fürsten des zweiten Kaiserreichs keine Monarchen. Souveräne deutsche Fürsten führten deshalb bis 1918 den Titel "Regierender Fürst".


Eine deutsche Besonderheit ist die Bezeichnung Prinz oder Prinzessin für die Kinder eines Fürsten. Allerdings führten die Nachgeborenen einiger nichtsouveräner fürstlicher Häuser den Titel Graf. In beiden Fällen führte lediglich das jeweilige Oberhaupt des Hauses den Fürstentitel.[nach oben]

Herzog

Herzog (althochdeutsch herizogo "der vor dem Heer zieht") ist ein Adelstitel.


Ursprünglich waren Herzöge germanische Heerführer, die für die Dauer eines Kriegszuges von den freien Männern eines Stammes durch Wahl während eines Things bestimmt wurden. üblicherweise wurden Krieger gewählt, die große Erfahrung und hohes Ansehen im Gemeinwesen vorweisen konnten, meist spielte auch die Größe und die Kampfkraft der Gefolgschaft eine wichtige Rolle. Bekannte germanische Herzöge waren Ariovist, Arminius, Marbod und Widukind.


In der Merowingerzeit waren Herzöge königliche Amtsträger mit vorwiegend militärischen Aufgaben in den von den Franken eroberten germanischen und romanischen Stammesgebieten, die von den merowingischen Königen nicht ohne Anerkennung einer einheimischen Zwischenmacht ihrer direkten königlichen Herrschaft unterworfen werden konnten.


Im Frühmittelalter entstanden im Raum des fränkischen Reiches erbliche Stammesherzogtümer, die von den Karolingern aufgehoben wurden, mit dem Niedergang der königlichen Zentralgewalt Ende des 9. Jahrhunderts aber wieder auflebten.


Im 12. und 13. Jahrhundert verwandelten sich die Stammesherzogtümer des Heiligen Römischen Reichs durch Aufspaltung zunehmend in Territorial- und Titular-Herzogtümer. Ein Herzog war danach Herrscher über bestimmte, räumlich oft zerrissene Territorien oder Träger des vom König verliehenen Adelstitels. Die Herzogswürde wurde vom König als Lehen vergeben und konnte auch wieder entzogen werden.


Im Spätmittelalter traten durch Rangerhebungen verschiedener Fürsten neue dynastisch-territorial definierte Herzogtümer hinzu: Den Anfang machten die 1180 der von ihnen früher besetzten Stammesherzogtümer Sachsen und Bayern verlustig gegangenen Welfen, die 1235 für ihre Erbbesitzungen in Norddeutschland den Titel eines Herzogs von Braunschweig-Lüneburg erhielten. Im 14. Jahrhundert wurden auch die slawischen Fürsten von Mecklenburg, 1495 der Graf von Württemberg vom Kaiser zu Herzögen erhoben.


In der Frühen Neuzeit ebbte diese Form der Rangerhöhung ab; statt dessen versuchten seither einige Herzöge, den höherwertigen Kurfürsten-Titel (mit dem Recht der Teilnahme an der Kaiserwahl) zu erlangen, was dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg 1692 gelang, dem konkurrierenden Herzog von Württemberg erst 1803.


Mit der Zerschlagung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zwischen 1801 und 1806 und der Herrschaft Napoleons I. über Deutschland erfolgte eine weitere Folge von Rangerhöhungen für anpassungsbereite deutsche Fürsten: Bisherige Herzöge wurden - wie der von Württemberg - erst zu Kurfürsten, dann zu Königen befördert, bisherige Fürsten - wie die diversen Linien von Anhalt - stiegen zu Herzögen auf.[nach oben]

Ritter

Die Bezeichnung "Ritter", abgeleitet von germ. ridare (= reiten), verweist auf den Ursprung des Rittertums aus der in Spätantike und Frühmittelalter entstandenen Panzerreiterei.


Von Deutschland aus breitete sich die Ritterkultur bis weit nach Osteuropa aus, besonders Böhmen entwickelte eine späte, aber umso eindrucksvollere Ausprägung. Noch heute ist Böhmen das Gebiet mit der höchsten Burgendichte Europas.


Ab dem 11. Jahrhundert etablierten sich neben adligen Grundherren auch unfreie Hofbeamte (Ministerialen) als Ritter. Sie gingen im 13. und 14. Jahrhundert im niederen Adel auf und wurden zum Kern des Ritterstandes. Im Hochmittelalter schufen sich daneben auch die ministerialen Geschlechter selbst oder sogar Klöster eigene Gefolgschaften, die sich als Ritter bezeichneten. Die meisten dieser Untervasallen (sog. niedere Ministerialen) konnten sich jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf Dauer im Adelstand etablieren. Zahlreiche Burgställe im Umkreis von Burgen oder Ruinen zeugen bis heute von ihrer Existenz.


Die meisten Adligen des Mittelalters waren keine Ritter. Aus finanziellen und familiären Gründen zogen es viele vor, zeit ihres Lebens Edelknechte (lat. Armigeri, "Schildträger"), und damit ritterbürtige und waffentragende Krieger zu bleiben. Auch bei Hochadligen war die Ritterwürde keineswegs selbstverständlich. Manchmal wurde sie gegen Zahlung einer erheblichen Summe erkauft.
Besonders bei Turnieren wurde streng zwischen Rittern und Edelknechten unterschieden. So durften Ritter beispielsweise mit drei Pferden auf dem Turnierplatz erscheinen, Knechten wurden nur zwei zugestanden.


Vor großen Schlachten versuchten viele Feudalherren die Kampfmoral Ihrer Truppen zu stärken, indem man diese Edelknechte in großer Anzahl in den Ritterstand aufnahm. Gelegentlich wurden sogar tapfere nichtadlige Kriegsknechte zu Rittern geschlagen oder mit dem Schwert umgürtet. Diese Standeserhöhungen waren aber meist nur symbolischer Natur, vergleichbar mit heutigen Ordensverleihungen, denn den so ausgezeichneten Knechten fehlten meist die nötigen finanziellen Mittel, um die Ritterwürde dauerhaft anzunehmen. Einige besonders tapfere Kämpfer wurden sogar mehrere Male zum Ritter geschlagen, blieben aber weiterhin Edelknechte.[nach oben]

Lehnsherr

Oberster Lehnsherr war der jeweilige oberste Landesherr, König oder Herzog, der Lehen an seine Fürsten vergab. Diese konnten wiederum Lehen an andere Adelige vergeben, die sich von ihnen belehnen lassen wollten und oft in der Adelshierarchie unter dem Lehnsgeber standen.


Unter Lehen verstand man eine Sache (Grundstück, Gut), die dessen Eigentümer (Lehnsherr) unter der Bedingung gegenseitiger Treue in den erblichen Besitz des Berechtigten unter dem Vorbehalt des Anheimfalls an sich selbst übergeben hatte. Das Lehen beinhaltete ein ausgedehntes erbliches Nutzungsrecht an der fremden Sache, die zugleich zwischen diesem und dem Berechtigten ein Verhältnis wechselseitiger Treue begründen und erhalten sollte.


Der betreffende Eigentümer war der sogenannte Lehnsherr, meist der Landesherr bzw. der oberste Monarch. Der Berechtigte war dessen Vasall. Beide schworen sich einen Lehnseid. Die dem Vasallen zustehende Berechtigung näherte sich dem tatsächlichen Eigentum so sehr an, dass man diese als nutzbares Eigentum und das Recht des eigentlichen Eigentümers als Obereigentum bezeichnete. Das Lehen (Lehnsgut) bestand zumeist aus einem Grundstück oder einem Komplex von Grundstücken, aber auch aus bestimmten Nutzungs- und Abgabenrechten. Sprachlich hängt der Ausdruck "Lehen" mit "leihen" zusammen, bedeutet also so viel wie "geliehenes Gut".[nach oben]

Vogt

Der althochdeutsche Begriff Vogt - auch Voigt oder Fauth - ist abgeleitet vom lateinischen Wort advocatus "der Hinzu-/Herbeigerufene". Er bezeichnet allgemein einen herrschaftlichen, meist adeligen Beamten des Mittelalters und der frühen Neuzeit.


Der Vogt regiert und richtet als Vertreter eines Feudalherrschers in einem bestimmten Gebiet im Namen des Landesherrn. Er hat den Vorsitz im Landgericht und muss die Landesverteidigung organisieren. Im Krieg führte er das Lehensaufgebot des Landes. Der Machtbereich eines Vogts und sein Amtssitz (meist eine landesherrliche Burg) werden als Vogtei bezeichnet.


Speziell seit den Karolingern war der Vogt ein staatlicher Beamter, der als Stellvertreter von kirchlichen Würdenträgern (z. B. Bischöfe oder äbte) oder Institutionen diese in weltlichen Angelegenheiten, insbesondere bei weltlichen Gerichten vertrat. Der Kirche waren seit der Spätantike solche Vertreter vorgeschrieben, da sie keine weltlichen Geschäfte ausüben sollte. Der Vogt stellte daher eine Art Schutzherr dar und führte meist auch dessen Heeraufgebot (Schirmvogtei). Außerdem übte er die hohe Gerichtsbarkeit im Vogteibereich aus (Vogteigericht). Bei Eigenklöstern besetzte häufig der Eigenklosterherr selbst das Vogtamt.


Die Schirmvogtei wurde bald auf die ganze Kirche übertragen und führte mehrfach zu einem helfenden Eingreifen (wie unter Heinrich III.), andererseits aber zu dem das gesamte Mittelalter durchziehenden Streit um die Vorherrschaft zwischen Staat und Kirche. Karl der Große ließ ab 802 in den Grafschaften Vögte in klösterlichen und bischöflichen Immunitäten einsetzen. Im 11./12. Jahrhundert entwickelte sich dieses Amt zu einem erblichen Lehen des Hochadels und wurde von diesem als eine Form der Macht- und territorialen Expansion genutzt. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verloren auch die Vogteien ihre Bedeutung.


Im modernen Staat ist der Gedanke der Schirmvogtei im staatsrechtlichen Prinzip der Aufsicht der Kirchen und Religionsgesellschaften aufgegangen.[nach oben]

Kirchenvogt

Besondere Bedeutung erhielt die Funktion des Vogtes im kirchlichen Bereich. Im Mittelalter waren diejenigen Stände auf einen gegebenenfalls bewaffneten Schutz angewiesen, die selbst gar nicht oder nur beschränkt wehr- und fehdefähig waren. Das waren neben den Bauern die Geistlichen. Den Geistlichen war aus kirchlich-theologischen Gründen die Gewaltausübung - und damit Kriegsführung und die Mitwirkung an Leib- und Todesstrafen - untersagt. Die Aufgabe, notfalls auch gewaltsamen Schutz zu gewähren, fiel daher dem Adel zu, dem Stand der "Krieger".


Während des Früh- und Hochmittelalters wurden daher von vielen Geistlichen, Kirchen, Klöstern oder Stiften adelige Laien als Vögte eingesetzt, die sie in weltlichen Angelegenheiten vertraten (zum Beispiel vor Gericht), das Kirchengut verwalteten und ihnen Schutz und Schirm gewährten. Schon seit dem 9. Jahrhundert hatte den Geistlichen eine kurzfristige Beauftragung von Vögten oft nicht mehr genügt, da sie vermehrt zu Diensten für weltliche Herrscher herangezogen wurden und strikteren geistlichen Anforderungen unterworfen wurden. Es wurde daher eine dauerhafte Bindung an einen Vogt notwendig, der die zahlreichen nunmehr anfallenden Aufgaben wahrzunehmen hatte.


Seit der Mitte des 9. Jahrhunderts wurden die Vogteien auch vielfach erblich, wodurch die adeligen Vögte oftmals eine starke Machtstellung erlangten. Später versuchten aber viele geistliche Herren, sich von der oftmals bedrückenden Machtposition der Vögte zu lösen und die Vogteirechte zurückzuerwerben, was seit dem 13. Jahrhundert vor allem den großen geistlichen Herren wie den Bischöfen gelang.[nach oben]

Landvogt

Der Begriff der Vogtei wurde in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert zunehmend mit einer ämterorganisation verbunden. Vögte übernahmen im Auftrag weltlicher Herrscher Verwaltungsaufgaben. Sie legten Steuern fest und zogen diese ein, sie hielten Gericht und ahndeten Vergehen. Rudolf von Habsburg, deutscher König 1273-1291, richtete Reichslandvogteien ein, um das unmittelbar der königlichen Herrschaft unterstehende Reichsgebiet, vor allem das ehemals staufische Hausgut, verwalten zu lassen. Er setzte Landvögte ein, die unberechtigt angeeignete Reichsgüter finden sollten und als Vertreter des Königs agierten. Diese Landvogteien waren ein wichtiges Instrument zur Revindikation (Rückforderung, Geltendmachung eines Herausgabeanspruchs) des Reichsguts. Rudolf ließ das gesamte Reichsgut in solche Verwaltungseinheiten aufteilen und gab den Vögten weitreichende Befugnisse.[nach oben]

Kolone

Zunächst bedeutete colonus im Lateinischen ganz allgemein den Ackerbauern im Unterschied zum Hirten (pastor). Die Kolonenwirtschaft bezeichnete im römischen Kaiserreich ursprünglich den Stand der bäuerlichen Kleinpächter auf Großgrundbesitz, insbesondere jenen auf kaiserlichen Domänen, sowie das adäquate agrarwirtschaftliche System.


Zum Pächter wurde ein freier römischer Bürger, wenn er mit einem Grundeigentümer einen kündbaren Pachtvertrag abgeschlossen hatte. Die Pflicht des Kolonen war es, den Boden zu bebauen und den Pachtzins zu erbringen. Aus diesem Grund musste der Kolone eine Strafe zahlen, sollte er den Boden innerhalb der Pachtzeit verlassen. Grundsätzlich galt dies bis zu der Zeit der severischen Kaiser im 2./3. Jh. für die meist auf fünf Jahre angelegte Zeit des Pachtvertrages. Nach dessen Ablauf konnte der Kolone das Land verlassen. Es war aber häufig im Interesse der Grundeigentümer eine stetige Bebauung des Bodens zu gewährleisten, um Einnahmeausfälle und damit Pachtrückstände sowie Steuerschulden zu vermeiden.


Dieser Umstand wirkte sich langfristig negativ auf die Rechtslage der Kolonen aus. Die genauen rechtlichen Bestimmungen und Bezeichnungen waren regional sehr verschieden: die erblichen Meiergüter in Niedersachsen und in Westfalen, die Schillingsgüter im Lüneburgischen und in der Grafschaft Hoya, die Erbpachtgüter in Sachsen usw..


Das Rechtsverhältnis zwischen Gutsherren und Kolonen bestimmte sich bei allen diesen Gütern im Einzelnen nach den bei der Verleihung etwa aufgenommenen Urkunden (Leihbrief, Meierbrief) sowie ab dem 18. Jahrhundert hierüber ergangenen Ordnungen (Meier-, Erbpachtsordnungen), außerdem nach lokalem und partikulärem Gewohnheitsrecht. Der Kolone hatte die auf dem Gut ruhenden Lasten zu tragen; Veräußerungen ohne Zustimmung des Gutsherrn waren nichtig; das Gut haftete nicht ohne weiteres für die Schulden des Kolonen. Die moderne Gesetzgebung hat jedoch mit der ehemaligen Rechtsanschauung vom sogen. geteilten Eigentum gebrochen und an die Stelle der bäuerlichen Nutzungsrechte das volle Eigentumsrecht des Besitzers gesetzt.[nach oben]

Priester

Der Priester ist im Christentum, ähnlich wie in vielen anderen Religionen, eine Amtsperson der Religionsausübung. Das genaue Verständnis der dem Priester innewohnenden religiösen Kraft bzw. seiner Mittlerrolle unterscheidet sich zwischen den christlichen Bekenntnissen.

Das deutsche Wort Priester stammt vom griechischen presbyteros, und bedeutet soviel wie "Ältester". Das Wort Presbyter ist in den meisten europäischen Sprachen davon abgeleitet. Im zweiten Jahrhundert bildete sich die bis heute verbreitete dreigliedrige Struktur heraus: Bischof, Presbyter (Priester) und Diakon.

Durch die Priesterweihe, die ein Sakrament ist, sind die Priester von Gott für immer innerhalb des Volkes Gottes zu einem besonderen Dienst bevollmächtigt. Die Priesterweihe ist in den römisch-katholischen, orthodoxen, altkatholischen und anglikanischen Kirchen die zweite Stufe des dreistufigen Weihesakraments.
In der Nachfolge der Apostel ist die Aufgabe des Priesters die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente, insbesondere die Leitung der Eucharistiefeier. Der Priester handelt dabei "in persona Christi". Die römisch-katholische Tradition verbindet mit dieser Sicht seit dem 11. Jahrhundert den Zölibat, der in den orthodoxen Kirchen nur für Bischöfe gilt.

Ein Priester steht normalerweise einer Pfarrei als Pfarrer vor. Priester können jedoch auch mit anderen Aufgaben betraut sein, etwa in einem Orden, an kirchlichen Zentren (Wallfahrtsorte etc.), im Ordinariat, in Krankenhäusern, Heimen, Schulen, katholisch-theologischen Fakultäten, Akademien usw..
In Gottesdiensten trägt der Priester liturgische Gewänder wie Messgewand, Albe, Stola. Die Soutane war früher die übliche Alltagskleidung der katholischen Priester. Heute können Priester zivile Kleidung tragen, sollen dabei aber als Priester erkennbar sein.


In der lutherischen Theologie ist der Begriff Priester für lutherische Pfarrer zwar möglich, in den deutschsprachigen und anderen Ländern jedoch eher unüblich.
Eine Anwendung des Begriffs "Priester" für lutherische Geistliche findet sich in den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche: Diese gehen mit dem Begriff "Priester" für die eigenen lutherischen Geistlichen selbstverständlich um. Inhaltlich wird damit der priesterliche Dienst umschrieben, der aufgrund der Bekenntnisschriften mit der Rechtfertigungslehre, der Predigt des Evangeliums und der einseztungsgemäßen Spendung der Sakramente übereinstimmt.


Die evangelische Theologie lehnt ein besonderes Priestertum in der Kirche grundsätzlich ab. Ein evangelischer Pastor ist kein Priester. Alle Getauften haben gleichen Anteil am Priestertum Christi. Die Ordination der evangelischen Pfarrer bzw. Pastoren gilt als Beauftragung und Segenshandlung, nicht als Sakrament. In reformierten und presbyterianischen Kirchen steht das Wort (Presbyter), das wie (Priester) von presbyteros stammt, für das Mitglied des Gemeindevorstands, des Presbyteriums, und ist deshalb nicht mit einem Pfarrer, Pastor oder Priester zu verwechseln. Bei den evangelischen Christen gilt im Gegensatz zum katholischen Weihepriestertum das evangelische Allgemeine Priestertum. In der Begrifflichkeit ist zunächst ausgedrückt, dass alle Christen durch Glaube und Taufe einen unmittelbaren Zugang zu öffentlichen Heil haben, ohne auf priesterliche Vermittlung angewiesen zu sein. Daraus folgt auch die Wahrnehmung Priesterlicher Aufgaben wie Fürbitte und Tröstung, jedoch nicht die Aufgabe der öffentlichen Predigt.[nach oben]

Pfarrer

Pfarrer ist ein in christlichen Kirchen, aber auch in nichtchristlichen (z. B. freireligiösen) Gemeinden verwendeter Begriff für eine Person, die mit der Leitung von Gottesdiensten, der seelsorglichen Betreuung und in der Regel auch mit der Leitung einer Kirchengemeinde betraut ist.

In der katholischen Kirche kann nur ein Priester Pfarrer einer Gemeinde sein. Anstelle der Leitung einer Gemeinde kann ein Pfarrer jedoch auch einen anderen, speziellen Dienst übernehmen. Die beiden großen Kirchen in Deutschland sowie die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche regeln die Rechte und Pflichten der Pfarrer durch Kirchengesetz (Pfarrerdienstrecht), das sich weitgehend am staatlichen Beamtenrecht und an den Laufbahnen von Studienräten orientiert.


Ein Pfarrer bekleidet in der Regel ein Pfarramt. In Mittel- und Norddeutschland wird der Pfarrer auch Pastor genannt (nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung in Freikirchen). Der Begriff Stadtpfarrer ist ein heute seltener verwendeter Titel bzw. eine Anrede für den leitenden oder ranghöchsten Pfarrer innerhalb einer Stadt.


Die Stellung und Aufgaben eines Pfarrers sind in den christlichen Konfessionen unterschiedlich: In den evangelischen Kirchen und der Altkatholischen Kirche ist der Pfarrer aus dem Kreise der bei der jeweiligen Kirche verbeamteten Geistlichen entweder von der Gemeinde gewählt oder von der übergeordneten Kirchenleitung ernannt.

In den evangelischen Kirchen wird man durch die Ordination zum Pfarrer. Ein Bewerber wird dadurch mit der öffentlichen Verkündigung des Wortes Gottes und der Verwaltung der Sakramente (vor allem Taufe und Abendmahl) beauftragt. In der Ordination verspricht der Pfarrer seelsorgerliche Verschwiegenheit und die Wahrung des Beichtgeheimnisses. Ein Pfarrer kann dann eine Gemeinde leiten oder auch in einem anderen Bereich geistliche Aufgaben erfüllen. Die meisten evangelischen Kirchen ordinieren Frauen und Männer ausschließlich ins Gemeindepfarramt und setzen für Sonderpfarrämter eine Praxiszeit im Gemeindepfarramt voraus.


In der römisch-katholischen Kirche wird ein geweihter Priester vom Diözesanbischof zum Pfarrer ernannt.
Neben der Spendung der Sakramente und der Verkündigung des Wortes Gottes in Gottesdienst und Seelsorge gehört zum klassischen Gemeindepfarramt immer auch die Verwaltung einer Gemeinde, etwa das Pflegen der Kirchenbücher und die dienstrechtliche Aufsicht über die Mitarbeitenden.

Um Pfarrer werden zu können, muss ein Bewerber Theologie studiert und Examina nach den Kirchenordnungen abgelegt haben. In der Regel gibt es eine akademische und eine praktische Vorbereitungsphase für den Pfarrdienst. In der katholischen Kirche stehen vor der Priesterweihe die akademischen und nach einer Praxiszeit als Kaplan in einer Pfarrgemeinde die praktischen Prüfungen (Pfarrexamen).

Ein Pfarramt wird verliehen, nachdem sich ein Priester einige Jahre im geistlichen Dienst bewährt hat. Die Einführung eines Pfarrers in sein Amt bzw. in seine Gemeinde geschieht im Rahmen einer feierlich gestalteten Heiligen Messe. Dies soll bei der Gemeinde und beim Bewerber den Glauben stärken, dass Gott ihn in seinen Dienst beruft.[nach oben]

Parochus

Eine Parochie (aus dem griechischen parochos "darreichend", "gebend") ist der Amtsbezirk eines Pfarrers (Parochus), das heißt ein Pfarrbezirk oder Pfarrei. Sie ist der unterste, kirchliche Verwaltungs- und Seelsorgebezirk mit einem eigenen Pfarrer einer Kirche (Konfession), die nach dem Parochialprinzip organisiert ist.

Zur Parochie können auch Filialkirchen gehören.
In der Evangelische Kirche können mehrere Pfarrer in einer Parochie arbeiten, in der katholischen Kirche nur einer.

"Parochial" ist das, was zum Parochus gehört. Der Parochus ist derjenige, der die Sakramente im Auftrag des Bischofs darreicht, bzw. der, der das sakramentale Opfer, die Eucharistie, darbringt. Aus dem Griechischen ist der Begriff über das Lateinische parochia, paroecia als Bezeichnung für eine Gemeinde (Pfarrgemeinde, Kirchengemeinde, Kirchspiel( auf uns gekommen.


In der evangelische Kirche wird unter der Bezeichnung verschiedentlich auch ein ländlicher Bereich verstanden, dem mehrere selbständige Kirchgemeinden angehören, die alle von einem Geistlichen (Pfarrer) betreut werden. Ein(e) Geistliche(r) vertritt als juristische Person in solchen Fällen die einzelnen Kirchgemeinden immer nur zusammen mit der jeweiligen Kirchengemeindeleitung. Mehrere Parochien bilden entsprechend diesem Verständnis einen Kirchenkreis bzw. Kirchenbezirk (evangelisch Deutschland), oder ein Dekanat (römisch- katholisch).


Nach katholischem Kirchenrecht ist die (Territorial-)Pfarrei bzw. Parochie die kleinste Gebietseinteilung.[nach oben]

Pastor

Pastor (lat.: pastor = Hirte) ist die Bezeichnung für Geistliche im Dienst der Kirchengemeinde. In den meisten evangelischen Kirchen ist die Bezeichnung Pastor ein Titel für den Pfarrer.

Im engeren Sinne ist der Pastor der erste Prediger oder Seelsorger einer protestantischen Gemeinde. Pastor wird vor allem in Norddeutschland und weiten Teilen des mitteldeutschen Raums verwendet, während in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz Pfarrer vorherrschend ist. Die Bezeichnung Pastor wurde im 14. Jahrhundert aus dem kirchenlateinischen pastor ("Seelenhirte") als Titelbezeichnung für den Geistlichen einer Gemeinde eingeführt und wird seit der Reformation meist für evangelische Geistliche verwendet. Zum Teil werden auch katholische Pfarrer als Pastoren bezeichnet.


In evangelischen Kirchen gibt es keine eigene Priesterweihe, da alle Gläubigen als Priester gelten (d. h. Person mit direktem Zugang zu Gott und insbesondere der Vollmacht, Vergebung der Sünden zuzusprechen; "Priestertum aller Gläubigen"). Anders verhält es sich in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und anderen lutherischen Bekenntniskirchen weltweit, in denen durchaus zum Priesteramt geweiht wird.

Die Amtsbezeichnung, die ordinierte Theologen mit zwei kirchlichen Examina im kirchlichen Dienst tragen, heißt Pfarrer (so z. B. § 26 des Pfarrergesetzes der VELKD), jedoch steht es den Landeskirchen kirchenrechtlich frei, eine andere Amtsbezeichnung (d. h. die Amtsbezeichnung "Pastor(in)") festzulegen.

Auch die meisten evangelischen Freikirchen in Deutschland nennen ihre Geistlichen Pastor/Pastorin, soweit sie nicht Bischof oder Superintendent sind.


In der katholischen Kirche bezeichnet Pastor einen selbständigen, vom Bischof beauftragten Priester, der - im Gegensatz zum Pfarrer - nicht mit der Leitung einer Pfarrei beauftragt ist. Regional unterschiedlich (z. B. in Hamburg) werden auch Pfarrer als "Pastor" angesprochen, um den seelsorglichen Aspekt (Hirte) gegenüber dem administrativen (Pfarrverwalter) hervorzuheben. Innerhalb eines pastoralen Raumes (Großpfarrei) können mehrere Priester als Pastoren tätig sein, jedoch nur einer als Pfarrer.[nach oben]

Diakon

Der Diakon (altgr. diakonos, Diener, Helfer) bekleidet ein geistliches Amt innerhalb der Kirche, den Diakonat. Seine Aufgaben beschränken sich nicht auf die Diakonie, sondern umfassen wie die der anderen geistlichen Ämter auch Verkündigung (martyria, Zeugnis) und Gottesdienst (leiturgia, Liturgie).

Diakone waren ursprünglich Gehilfen der Apostel zur Verwaltung des gemeinsamen Vermögens und zur Leitung der gemeinsamen Mahlzeiten - und wohl damit verbunden auch der Eucharistie.


In der altkatholischen, der römisch-katholischen, den orthodoxen und den anglikanischen Kirchen ist die Weihe zum Diakon die erste Stufe des Weihesakraments (die zweite Stufe ist das Priester-, die dritte das Bischofsamt). Die Eingliederung in die Gemeinschaft der Geistlichen, den Klerus, geschieht durch die sakramentale Weihe, die durch das vom Bischof gesprochene Bittgebet um die Ausgießung des Heiligen Geistes und die im Amt benötigten Gnadengaben sowie die Handauflegung des Bischofs auf das Haupt des zu Weihenden vollzogen wird.


In der evangelischen - vor allem der reformierten - Tradition wird der Diakon entsprechend Calvins Genfer Kirchenordnung als eines der vier kirchlichen Ämter angesehen. Obliegt den Pastoren die Verkündigung, den Presbytern die Gemeindeleitung und Gemeindezucht sowie den Lehrern die Erziehung, so haben Diakone die Aufgabe, sich um die Armen, Bedürftigen und Kranken zu sorgen und sich um die Verwaltung zu kümmern. So gehörte etwa das Krankenabendmahl im Anschluss an die viermal jährlich stattfindenden Abendmahlsfeiern zu ihren Aufgaben.


Heute gibt es den Diakonat im überwiegenden Teil der Kirchen. Dazu gehören die römisch-katholische Kirche, orthodoxe, evangelische, anglikanische und altkatholische Kirchen.

Durch zunehmenden Priestermangel und Zusammenlegung von Pfarreien übernehmen vermehrt Diakone Aufgaben. Seit langem wird diskutiert, ob es nicht sinnvoll wäre, Diakonen auch die Vollmacht zur Spendung der Krankensalbung zu erteilen, da Diakone einen Kranken vor seinem Tod oft viele Jahre seelsorglich begleiten. Dies wird jedoch von der Kirche abgelehnt, unter anderem wegen der anzustrebenden Verbindung mit der Spendung des Bußsakraments und der eigenen sündenvergebenden Wirkung der Krankensalbung.


Schwerpunkt diakonischer Arbeit ist aber der Dienst an den Armen und Benachteiligten der Gesellschaft. Hier liegen dem Diakon besonders die körperlich, seelisch, geistig und sozial Bedürftigen am Herzen. Diakone sind das "soziale Gewissen" der Kirche. In Notsituationen (wenn für eine Gemeinde auf Dauer kein Pfarrer gefunden werden kann) können die Bischöfe auch einen Diakon als Bezugsperson für eine Gemeinde einsetzen und ihm insbesondere die geistliche Leitung dieser Gemeinde übertragen.

Bewerber für das Amt des Diakons können verheiratet sein (sogenannte viri probati, Mindestalter 35 Jahre) oder sich zum Zölibat verpflichten (Mindestalter 25 Jahre, ist eine anschließende Priesterweihe beabsichtigt, 23 Jahre). Verheiratete Männer, die zum Diakon geweiht werden, legen kein Zölibatsversprechen ab. Sie können aber, wenn die Frau stirbt oder die Ehe kirchenrechtlich wirksam annulliert wird, nicht wieder heiraten. Der Empfang einer heiligen Weihe gehört zu den trennenden Ehehindernissen. Von diesem Hindernis, eine gültige Ehe zu schließen, kann dispensiert werden, insbesondere, wenn kleine Kinder zu versorgen sind. Des Weiteren ist bei Verheirateten die Zustimmung der Frau zur Weihe eine Voraussetzung. Der Ständige Diakonat kann sowohl neben einem Zivilberuf als auch im Hauptberuf ausgeübt werden.

Die Weihe eines Diakons setzt - neben der Berufung - den Abschluss eines theologischen Studiums (Hochschule, Fernkurs oder bistumseigenes Institut) und in der Regel eine vierjährige Ausbildungszeit in einem Bewerber- bzw. Diakonatskreis voraus.[nach oben]

Kaplan

Kaplan, von lateinisch capellanus "einer (fränkischen) Hofkapelle zugeordneter Kleriker", daraus mittelhochdeutsch kaplan, wird im deutschen Sprachraum der römisch-katholische Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe genannt, in denen er in der Regel einem Pfarrer unterstellt ist und noch keine Alleinverantwortung für eine Pfarrei trägt.

Je nach örtlicher Gewohnheit wird der Kaplan in manchen Bistümern auch Vikar genannt - eine Bezeichnung, die der Kodex des kanonischen Kirchenrechts (CIC) von 1983 für diese Funktion vorsieht (vicarius paroecialis). Im bairischen Sprachraum und im Bistum Trier wird meist auch die Bezeichnung Kooperator (Mitarbeiter des Pfarrers) verwendet. In der Erzdiözese Wien (und wohl in den übrigen österreichischen Diözesen) wurden die Hilfsgeistlichen in den Pfarreien bis 1938 als Kooperatoren oder Cooperatoren bezeichnet. Mit Beschluss der österreichischen Bischofskonferenz vom 28. September 1938 wurde dann die deutsche Bezeichnung Kaplan übernommen.


Ganz ungebräuchlich geworden sind die Bezeichnungen Adjunkt und Supernumerarius. In Gemeinden mit mehreren jungen Priestern wurde früher der dienstjüngste als Adjunkt bezeichnet, ein weiterer als Vikar und der dienstälteste als Kaplan.

Im Codex Iuris Canonici (cc. 564-572 CIC) bezeichnet der Begriff Kaplan einen Geistlichen mit einem extraterritorialen Seelsorgebereich für einen bestimmten Personenkreis (etwa in Krankenhäusern, Gefängnissen oder der Armee). In den meisten deutschen Diözesen ist es jedoch üblich, diesen Seelsorgern den Titel Pfarrer zu verleihen (zum Beispiel Krankenhauspfarrer, Gefängnispfarrer oder Militärpfarrer), wenngleich aus diesem Titel keinerlei Rechte (eines Pfarrers) abgeleitet werden können.[nach oben]

Küster

Der Küster (von lat. custos "Hüter", "Wächter"), auch Kirchendiener, Sakristan, Kirchner oder Kirchwart, im süddeutschen Raum Mesner, in Österreich Messner oder Mesmer (vom mittellateinischen mansionarius - Haushüter) - dessen Dienstwohnung die Küsterei bzw. Mesnerei ist - und in der Schweiz Sigrist (vom mittellateinischen Sacrista) oder Mesmer genannt, bezeichnet einen Beruf in der Kirche. In der Regel ist der Küster Angestellter einer Kirchengemeinde, Pfarrei oder der Diözese.

Ein Küster bereitet Gottesdienste vor bzw. nach, leistet Dienste in der Liturgie und betreut die Sakristei. Zu den Aufgaben gehören u. a. das Öffnen und Schließen der Kirche, das Anzünden der Kerzen, Stecken der Liedtafeln, das Läuten der Glocken sowie die Vorbereitung der liturgischen Gefäße und Geräte sowie der liturgischen Bücher, die Sorge für den Kirchenschmuck und die liturgischen Gewänder, örtlich auch die Einteilung oder Betreuung der Ministranten.


Küster übernehmen zudem oft auch Hausmeisterdienste für Kirche, Gemeindehaus, Pfarrhof und andere Einrichtungen, die zur Pfarrei gehören. Auch Kombinationen mit der Aufgabe des Organisten und des Chorleiters kommen vor, ebenfalls der Dienst an mehreren benachbarten Kirchen, um für hauptberuflich tätige Küster und Sakristane ein auskömmliches Einkommen zu erzielen. Der Beruf erfordert regelmäßig Präsenz zu außergewöhnlichen Zeiten, an Wochenenden und Feiertagen. Für eine hauptamtliche Anstellung ist eine vielseitige Ausbildung erforderlich, die liturgische, spirituelle und kirchenorganisatorische Themen genauso umfasst wie praktisch-handwerkliche Themen. Küster und Sakristane haben sich sowohl in der evangelischen wie in der katholischen Kirche zu Berufsverbänden zusammengeschlossen.


Das Alte Testament berichtet über die Gruppe der Leviten, die in Tempel und Synagoge als Helfer dienten. Im frühen Christentum übernahmen Diakone neben ihren karitativen Aufgaben auch das Amt, im Gottesdienst für die kirchliche Ordnung zu sorgen. Sie öffneten und schlossen die Pforten der Kirche (Ostiarier), bereiteten den Gottesdienst vor, unterwiesen die Katechumenen und stimmten die Psalmgesänge an. Zur Aufgabe eines Ostiariers zählte später auch das Läuten der Glocken. Die Weihe zum Ostiarier gehörte früher zu den sogenannten niederen Weihen, den Vorstufen zur Priesterweihe.

Im Luthertum wirkten die Küster im 16. und 17. Jahrhundert, vor allem in dörflichen Kirchen ohne Orgeln, als Vorsänger der Gemeinde (Praecentor). Zudem wählten Küster oder Kantor bis zum Beginn der Aufklärung auch die Gesänge der Gemeinde aus. Im Mecklenburg des 18. Jahrhunderts übten Küster in aller Regel auch die Tätigkeit des Dorflehrers aus. Als Opfermann oder im Niederdeutschen Offermann wurde er bezeichnet, wenn er zusätzlich als Organist tätig war. In Norddeutschland ist für das 18. Jahrhundert ebenfalls die Kombination des Küster- und Organistenamtes belegt. Früher mussten Küster auch zu den für den Gottesdienst und das Gebet festgelegten Zeiten (Angelus) die Kirchenglocken läuten. Im 17. bis 20. Jahrhundert betrieben die Küster in vielen ländlichen Gebieten auch die Küsterschule.[nach oben]

Vikar

Der Titel Vikar leitet sich von lateinischen vicarius "Statthalter, Stellvertreter" ab und bezeichnet in den christlichen Kirchen eine Reihe von unterschiedlichen klerikalen Ämtern.

In der römisch-katholischen Kirche bezeichnet der Begriff Vikar den Inhaber eines Hilfsamtes, welchem durch Delegation bestimmte Befugnisse übertragen worden sind. Das Hilfsamt des Vikars kann dauerhaft oder vorübergehend (interimistisch) verfasst sein. Vikariate wurden im Mittelalter häufig von Privatpersonen gestiftet und konnten sich auf einen einzelnen der in der Regel dutzenden Altäre einer Stadtkirche beziehen, an welchem der so finanzierte Vikar "auf ewige Zeit" Seelenmessen für den Stifter oder dessen Familie zu halten hatte.

Der Papst versteht sich seit Leo dem Großen als Vicarius Christi (Latein für: Stellvertreter Christi).[nach oben]

Vicarius

Als Vicarius (Plural: Vicarii) wurde im römischen Reich ein Stellvertreter insbesondere eines Offiziers oder Beamten bezeichnet. Der deutsche Begriff Vikar leitet sich davon ab.

Das Wort erscheint schon bei Cicero oder Livius. Die Funktion eines Vicarius fand vor allem ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. und in der Spätantike Verbreitung. Verbreitet waren Vicarii aus dem Ritterstand als Stellvertreter für senatorische Statthalter. Die bekanntesten Vicarii waren die Stellvertreter der spätantiken Prätorianerpräfekten, denen jeweils eine Diözese unterstand, in der sie insbesondere die Gerichtsbarkeit ausübten.

Auch Sklaven konnten einen Vicarius genannten Stellvertreter besitzen, einen "Untersklaven", den sie aus ihrem eigenen Vermögen (peculium) erworben hatten.[nach oben]

Benefiziat

Benefiziat (auch lat. Benefizium) ist ein ehemaliger Amtstitel der römisch-katholischen Kirche für einen Kleriker, der seinen Unterhalt vom Ertrag einer Pfründe erhielt. Dabei handelt es sich bis heute um ein von der zuständigen kirchlichen Autorität vergebenes Rechtsinstitut auf Pfarreiebene, das aus Kirchenamt und nutzungsfähiger Vermögensmasse besteht.

Man kann dabei zwischen Stifts-, Schloss-, Schul- und Pfarrbenefiziaten unterscheiden, sowie Kuratbenefizium. Der Inhaber des Titels hatte in der Regel ein vom Pfarrhof bzw. Pfarrhaus unabhängiges Wohnhaus, das so genannte Benefiziatenhaus.


Die Aufgaben heutiger Träger des Titels Benefiziat unterscheiden sich nicht mehr von denen eines Kaplans. So bezeichnet der Titel heute lediglich einen Kaplan, der nicht im Haushalt des Pfarrers wohnt, sondern einen eigenen Hausstand unterhält. Die Bezahlung erfolgt kaum noch über die ursprünglichen Benefizien: Um eine einheitliche Besoldung zu gewährleisten, wird gleichzeitig mit der Verleihung eines Benefitiums ein Verzicht auf die Erträge daraus im Ausgleich zu einer regulären Besoldung statt dieser Erträge angestrebt.[nach oben]

Franziskaner

Das Emblem des Ordens zeigt ein Kreuz aus Holz, darunter kreuzen sich zwei Arme mit Stigmata, einer in einer Mönchskutte, auf einer Wolke.

Die Franziskaner (Ordenskürzel: OFM; lateinisch ordo fratrum minorum, deutsch Orden der Minderen Brüder) sind ein franziskanischer Reformorden. Sie bilden heute - neben den Kapuzinern (OFMCap) und den Minoriten (OFMConv) - einen der drei Zweige des ersten Ordens des Heiligen Franziskus.


Der Orden hat rund 16.000 Mitglieder weltweit und ist damit nach den Jesuiten der zweitgrößte Orden der katholischen Kirche.

Franziskus von Assisi (1181/1182 bis 1226) gründete den Orden der Minderen Brüder, der um 1210 vom Papst anerkannt wurde. Im Lauf der Jahrhunderte verzweigte sich dieser Orden in vielfältiger Weise (vergleiche den überblicksartikel Franziskanische Orden). Die heutigen Franziskaner (OFM) gingen aus der Observanzbewegung hervor, deren erste Gruppen etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien entstanden, bald aber auch in Spanien und Frankreich auftauchten. Kennzeichnend für diese Bewegung, die zu dieser Zeit auch in anderen Orden auftrat, war die Rückkehr zu einer strengeren Beachtung (Observanz) der ursprünglichen Ordensregel. Dazu gehörten eine strenge Befolgung des Armutsideals und eine Abwendung von den Städten und die Niederlassung in Einsiedeleien. Sie nahmen auch die ursprüngliche franziskanische Wanderpredigt wieder auf, in der sie die sozialen Missstände der damaligen Zeit anprangerten.


Ihr religiöser Eifer, die strenge Beachtung des Armutsideals und ihr Eintreten für die Belange der ärmeren Schichten brachte den Observanten bald die Anerkennung der kirchlichen und weltlichen Fürsten und der Bevölkerung ein. Im Jahre 1415 erhielten die französischen Observanten die Erlaubnis, einen eigenen commissarius zu wählen, der zwar dem Generalminister der Franziskaner unterstellt blieb, faktisch aber ein eigener Oberer war.

Auch in anderen Ländern erhielten sie eigene Rechte. Diese Selbständigkeit, die eine Gefährdung der Einheit des Ordens darstellte, führte in der Folge zu Rivalitäten und Streitigkeiten innerhalb der verschiedenen Gruppen im Gesamtorden. Zwar wurden immer wieder Einigungs- und Reformversuche unternommen, die jedoch nicht zum Erfolg führten, sodass eine Trennung unausweichlich war.

Diese Trennung wurde am 19. Mai 1517 durch Papst Leo X. mit der Bulle Ite et vos in vineam meam (dt. "Geht auch ihr in meinen Weinberg", Matth. 20,4) vollzogen und bestätigt. Mit dieser Bulle wurde der Franziskanerorden in zwei selbständige Zweige geteilt: die Konventualen (heute Minoriten, OFMConv) und die Observanten (Franziskaner, OFM).


In den folgenden Jahrhunderten teilten die Franziskaner-Observanten-Familien das Schicksal aller franziskanischen Männerorden. Sie beteiligten sich an der Mission, mussten durch die Französische Revolution und die folgende Säkularisation erhebliche Einschränkungen hinnehmen und profitierten von der Aufbruchsphase in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, blieben aber die ganze Zeit über geteilt. Erst im Jahre 1897 wurden die auf vatikanischen Druck neu entstandenen Unions-Konstitutionen durch das Generalkapitel approbiert, und Papst Leo XIII. konnte am 4. Oktober 1897 die vier Familien mit der Unionsbulle Felicitate quadam zum neuen Orden der Minderen Brüder (Franziskaner OFM) vereinen.


Die Franziskaner leben, wie alle Bettelorden, in Armut und verdienen ihren Lebensunterhalt durch Arbeiten handwerklicher, sozialer, pastoraler und pädagogischer Art. Franziskus von Assisi schreibt in seinem Testament an seine Brüder: "Ich arbeitete mit meinen Händen und will arbeiten; und es ist mein fester Wille, dass alle anderen Brüder eine Handarbeit verrichten, die ehrbar ist. Die es nicht können, sollen es lernen". Auch Betteln diente dem Lebensunterhalt der Brüder. Ein wichtiger Bestandteil des franziskanischen Lebens war die Seelsorge, die sie intensiver betrieben als andere kontemplative Orden. Daher siedelten sie sich vornehmlich dort an, wo der Bedarf an geistiger Fürsorge am größten war, in den langsam aufblühenden Städten. Da sie dennoch die notwendige Distanz zur laikalen Welt wahrten, können ihre Spuren vor allem in städtischen Randgebieten gefunden werden.


Gottes Wort vom Frieden und der Erlösung sollen sie vor allem durch ihr Beispiel, aber auch durch das Predigen verkünden. Die Predigt erlangt durch ihr vorbildliches apostolisches Leben, die vita apostolica, gewissermaßen eine höhere Glaubwürdigkeit. Das Leben der Franziskanerbrüder war und ist sehr bescheiden. Der Selbstanspruch, ein bewusstes Leben mit der Schöpfung zu führen, hängt eng mit der Abkehr von irdischem Reichtum zusammen. Durch die Betonung dieses Aspektes erlangen die Franziskaner seit Beginn der ökologischen Bewegung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ein verstärktes Ansehen.


Ihre Kirchen sind eher schlicht gehalten und beherbergen kaum Kunstschätze. Bemerkenswert ist allerdings die Größe der Bauten, die notwendig war, um die wachsenden Stadtbevölkerungen seelsorgerisch zu versorgen.

Das Taukreuz, auch bekannt als das Antoniuskreuz, ist das von Franz von Assisi gewählte Kennzeichen des Ordens. Er verstand es als Segenszeichen und verwendete es selbst als Unterschrift.

Der Franziskanerknoten ziert das Ende der Kordel, die Zingulum genannt wird und mit der der Habit zusammengebunden wird. Er ist ein dreifacher überhandknoten und symbolisiert die drei Evangelischen Räte der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams, zu denen sich jeder Franziskaner in der Profess verpflichtet.[nach oben]

Dekan

Der Dekan wird auch Dechant genannt. Er führt die Aufsicht über die Kleriker seines Bezirks, damit diese ihren Amtspflichten gewissenhaft nachkommen und eine für Priester angemessene Lebensweise führen.


Sie haben Sorge dafür zu tragen, dass die Gottesdienste gemäß den Vorschriften der Liturgie gefeiert werden und das die Kirchen und heiligen Geräte sich in gutem Zustand befinden, sowie die konsekrierten Hostien ordentlich aufbewahrt werden.

Sie kontrollieren die Kirchenbücher sowie die Vermögens- und Gebäudeverwaltung in den einzelnen Pfarreien.

Dekane handeln stets im Auftrag des Bischofs. Zu einem Dekanat gehören üblicherweise 8-15 Pfarreien.
Bei der pastoralen Arbeit stehen dem Dechanten in den Diözesen verschiedene aus Priestern und Laien gebildete Gremien zur Seite. Je nach Größe und Finanzkraft der Bistümer hat der Dechant eine Anzahl von Mitarbeitern , die aus dem Diözesanhaushalt bezahlt werden und spezielle Aufgaben in der Seelsorge oder kirchlichen Verwaltung haben.[nach oben]

Bischof

Ein Bischof, vom altgriechischen episkopos, was soviel wie Aufseher, Hüter, Schützer bedeutet ist in vielen christlichen Kirchen ein geistlicher Würdenträger, der die geistliche und administrative Leitung eines Gebietes hat, das üblicherweise aus zahlreichen lokalen gemeinden besteht.
Das Bischofsamt und auch die Gesamtheit der Bischöfe werden als Episkopat bezeichnet.


In der römisch katholischen Kirche handelt es sich bei dem Bischofsamt um die höchste Stufe des Weihesakraments. Ein römisch katholischer Bischof ist immer männlich und muss zuerst zum Diakon und dann zum Priester geweiht worden sein. Die Weihe zum Bischof erfolgt immer durch einen anderen Bischof, wenn sie der Papst vorher bestimmt hat.

Nach katholischer Auffassung setzt sich in den Bischöfen die Lehr- und Leitungsvollmacht fort, die Jesus den zwölf Aposteln übertrug. Somit gehört das Bischofsamt zum so genannten "Bischöflichen Recht". Den obersten Dienst hat nach katholischen Glauben der Bischof von Rom (Papst) als Amtsnachfolger des Apostels Petrus.


Der Bischof hat für seine Diözese, unbeschadet der Pflichten gegen den Papst, die Fülle der Leitungs- Lehr- und Heiligungsgewalt inne und ist damit auch der erste Spender der Sakramente. Vorbehalten sind Ihm die Spendung des Weihesakraments (Bischofs- Priester- Diakonweihe) und die Firmung.

Auch die Spendung bestimmter Sakramentalien, wie etwa die Jungfrauenweihe, die Weihe der Heiligen Öle und die Kirch- und Altarweihe bleiben dem Bischof vorbehalten.


Das Bischofsamt ist ein Amt auf Lebenszeit. Mit Vollendung des 75. Lebensjahres sind die Bischöfe gemäß Kirchenrecht angehalten, dem Papst den Amtsverzicht anzubieten.

Die standesgemäße Anrede eines Bischofs ist Exzellenz, Hochwürdigster Herr oder Herr Bischof.


In den lutherischen Landeskirchen gibt es in der Regel das Amt des Bischofs der für eine Region oder eine Landeskirche zuständig ist und gegenüber den Pfarrern der Ortsgemeinden eine Leitungsfunktion hat.
In Deutschland werden Bischöfe in ihr Amt eingeführt. Die Funktion wird nicht als höherer geistlicher Rang, sondern als eine Art Pfarrer im kirchenleitenden Dienst gesehen. Es gibt keine dem Bischof vorbehaltenen Sakramente. Evangelisch-lutherische Amtsinhaber werden in der Regel von der Synode (Kirchenparlament) für eine bestimmte Zeit oder auf Lebenszeit (meist bis zum 65. oder 68. Lebensjahr) gewählt.
In den meisten evangelischen Kirchen kann das Amt sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt werden.[nach oben]

Kardinal

Kardinal ist ein religiöser Titel der römisch katholischen Kirche und wird von deren Oberhaupt, dem Papst, verliehen. Er berechtigt den Träger zur Papstwahl und verpflichtet Ihn zur besonderen Mitverantwortung an der Gesamtleitung seiner Kirche. Die Verleihung nennt man Kreierung und die Anrede ist Eure Eminenz.


Es gibt Kardinäle, die in der Kurie die Funktionen von Ministern, wie in weltlichen Regierungen, haben. Diese werden Kurienkardinäle genannt.

Der Begriff kommt aus dem lateinischen cardinalis und bedeutet wichtig, vorzüglich. Sie sind nach dem Papst die höchsten Würdenträger. Die Kardinalswürde wird auch als Kardinalat bezeichnet. Das Amt geht auf die Zeit der Alten Kirche zurück. Die Funktion als Kardinal kann traditionell mit einem kirchlichen Amt verbunden sein. Weiterhin bedeutet das Kardinalat die Aufnahme in den stadtrömischen Klerus und als "Prinzen des Papstes" in den Adelsstand.


In der Regel werden nur Bischöfe zum Kardinal ernannt, es gibt aber Ausnahmen. Die Kardinalswürde kann mit Erlaubnis des Papstes niedergelegt oder von Ihm aberkannt werden.

Kardinäle tragen einen Kardinalsring und zu besonderen Anlässen eienen scharlachroten Talar zur Chorkleidung, sowie das scharlachrote Birett. Die rote Farbe soll darauf hinweisen, dass sie bereit sein sollen, jederzeit als Märtyrer für den Glauben zu sterben.

Der Kardinal besitzt das Recht, in seiner eigenen Kirche begraben zu werden, er kann überall in der Welt das Bußsakrament spenden. Er darf nur vor das Gericht des Papstes gezogen werden.[nach oben]