Die Siedlungsgeschichte in Norddeutschland

Die Tagelöhner

Wenn wir an Tagelöhner denken, so denken wir meistens automatisch an die vielen Menschen in Fernost, z.B. Indien oder China, die ihre Arbeitskraft- und Leistung auf Straßen, Märkten und anderen Plätzen anbieten.

Ein Tagelöhner (auch Taglöhner, Tagner) ist also jemand, der kein festes Arbeitsverhältnis hat, sondern seine Arbeitskraft in der Regel immer wieder bei neuen Arbeitgebern kurzfristig anbieten muss.


Der Name kommt daher, dass die Tagelöhner nicht stundenweise, sondern tageweise bezahlt wurden. Sie hatten in der Regel keinen bestimmten Beruf, oder konnten ihn nicht mehr ausüben. Deshalb boten sie ihre Arbeitskraft an. Davon konnte man zwar eher schlecht als recht leben, aber dennoch durchaus einen bescheidenen Lebensunterhalt verdienen. Tagelöhner standen somit meist weit unten in der gesellschaftlichen Hierarchie.


Schon in frühester Zeit wurden in der Landwirtschaft Tagelöhner gebraucht, um Arbeitsspitzen abzufangen. In einer mittelalterlichen Stadt waren immerhin 4 Prozent der Bevölkerung den Tagelöhnern zuzurechnen. Der Tagelöhner war bis in das 20. Jahrhundert hinein ein fester Bestandteil des Arbeitslebens. In ländlichen Regionen wurden Tagelöhner typischerweise im Wege- oder Straßenbau und in anderen Gemeindeprojekten eingesetzt. Sie konnten aber auch in saisonbedingten Spitzenzeiten bei landwirtschaftlichen Arbeiten (Ernte, Dreschen, etc.) gut beschäftigt werden.


Bei der Weltausstellung 1851 in London erschienen neue "Ackerwerkzeuge", darunter die Dampfdreschmaschinen, die seitdem in Deutschland Eingang fanden. Das hatte zur Folge, dass die Arbeit des Dreschens in wenigen Wochen erledigt werden konnte. Zuvor hatte man die Getreideernte mit dem Dreschflegel ausgedroschen, was etwa 30 Wochen von Ende September bis Anfang Mai dauerte. Die Gutstagelöhner bekamen vom Drusch einen Teil des ausgedroschenen Korns und hatten eine Dauerbeschäftigung durch den Winter. Mit der Dreschmaschine wurden sie winterarbeitslos oder unterbeschäftigt und mussten bei anderer Beschäftigung einen geringeren Barlohn hinnehmen.


In Deutschland beziehen laut statistischem Bundesamt etwa 65 Prozent der Personen zwischen 18 und 64 Jahren ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus Erwerbstätigkeit. Laut dem Forschungsinstitut für Arbeit Nürnberg arbeiten etwa 1 Million Menschen als Tagelöhner.

Im engeren Sinne werden heute damit meist arbeitslose Menschen bezeichnet, die sich mit Personalausweis eine Arbeitsgelegenheit in Jobbörsen für Sofortvermittlungen im Sinne eines Zuverdienstes für einen oder wenige Tage suchen.

In Deutschland spricht man heute in der Regel von Saisonarbeitskräften oder kurzfristig Beschäftigten. Diese stammen häufig aus Osteuropa und führen zumeist Erntearbeiten (Erdbeeren, Spargel, Gemüse, Wein, Äpfel und Beeren) aus.