Johannes Meyer zum Alten BorglohEbbendorf, Im Alten Borgloh 2

Der Meyerhof war ehemals der Mittelpunkt des Alten Borgloh. Nebenan, über den Königsbach hinweg, hinter dem alten Wamhof (ehemals der Hof des Pastors), der heute von Helmut Mönkehof und seiner Frau bewirtschaftet wird, stand auf dem Hügel die erste Dorfkirche.

Nachdem sie um 1200 abgebrannt war, baute man sie nicht mehr an der alten Stelle auf, sondern einen Kilometer weiter oberhalb am alten Wachturm, der zu einem Kirchturm umfunktioniert wurde. An ihrem ehemaligen Standort im Alten Borgloh errichtete man nur noch eine kleine Kapelle. Diese Kapelle wurde über Jahrhunderte hinweg alljährlich das Ziel der großen Oeseder Prozession. Als diese aber 1790 aufgehoben wurde, war die Kapelle überflüssig und zudem baufällig geworden, so dass man sie 1794 abriss.


Der Meyer zum Alten Borgloh trauerte dem verlorenen Gotteshaus in seiner Nachbarschaft offenbar nach und entschloss sich, stattdessen ein kleines Kapellchen neben seinem Hofgrundstück zu errichten. Es war, wie damals üblich, aus Holz gebaut und befand sich am alten Weg von Kloster Oesede nach Gesmold, der parallel zum Kervelwald am Meyerhofe vorbeiführte. Die Glocke aus der abgerissenen Kapelle hatte wahrscheinlich einen Sprung bekommen und war so nicht mehr zu gebrauchen. Man darf annehmen, dass der Meyer zum Alten Borgloh dieselbe 1805 kurzerhand umschmelzen ließ, und sie im Türmchen der neuen Kapelle aufgehängt hat. Auf dem Glockenrand lesen wir noch heute die Jahreszahl und den Namen der Osnabrücker Glockengießerei W.A.Rinker.

Im Mittelpunkt jener Holzklause stand ein 1 Meter hohes eichenes Kreuz. Dessen altehrwürdiger Korpus scheint aus dem 15. Jahrhundert zu sein und stammt vermutlich ebenfalls aus der alten Kapelle. Es hat heute einen Ehrenplatz im Haus des Meyers erhalten.

Rund 100 Jahre später, als der Weg durch den Kaffsack begradigt und ausgebaut war, gab er 1904 seiner Kapelle einen neuen Standort an einem Hang gegenüber der Einfahrt zum Hof. Hier befindet sich die Klause heute noch.

Geschmückte Klus zur Guten Montags Prozession



Wie es der Zeitgeschmack um die Jahrhundertwende wollte, wurde die Klause aus Klinkern im neugotischen Stil erbaut. Sie beinhaltet vier Stützpfeiler mit einem schönen Spitzbogen in der Eingangsöffnung. Innen befindet sich ein Kreuzgewölbe, das oben in einem als Gugelhupf geformten Schlußstein endet. Das Dach krönt ein offenes Holztürmchen, das aus vier beschnitzten senkrecht stehenden Balken besteht. Darüber erhebt sich wiederum ein hübsches schiefergedecktes Dach, das zunächst eine quadratische Pyramide ist, die sich bald zu einer achteckigen zuspitzt. Dieses Türmchen beherbergt die gleiche Glocke von 1805, die schon in der Vorgängerklause geläutet wurde. 1966 war das Klinkergestein dermaßen bröselig geworden, dass der Meyer zum Alten Borgloh um die Klause herum einen neuen Mantel aus wetterfesten, handgeformten holländischen Klinkern anfertigen ließ.


In der Kapelle erhebt sich vor braunem Hintergrund ein Altar aus weißem Baumberger Sandstein. Die Altarplatte ruht vorn auf zwei Säulen, die mit ausgeprägten Kapitelen gekrönt sind. An der Vorderwand des Altares sieht man ein schlichtes, aber schönes Relief eingemeißelt, das die Verkündigungsszene mit Maria, dem Engel und dem Heiligen Geist darstellt.

Auf der Altarplatte erhebt sich ein Podest, auf dem die dominierende Figur der Madonna thront. Sie ist gerade im Begriff, der Schlange, die die Sünde darstellt, den Kopf zu zertreten.


1904 wurde der unbehauene Rohsandstein von Baumberg nach Borgloh transportiert, und erst hier an Ort und Stelle begann der Meister mit seiner kunstvollen Steinmetzarbeit. Der üppige Faltenwurf des Mantels der Madonna ist vom Bildhauer auffällig zart und einfühlsam gestaltet worden und macht die Statue besonders wertvoll.

Durch die zwei bunten Spitzbogenfenster fällt dämmriges Licht in die Klause, die das Interieur in eine geheimnisvolle Atmosphäre hüllt.

Wie schon der Name Klause sagt, ist diese Kapelle durch ein schmiedeeisernes Tor verschlossen.





Pastor Fischer vor der geschmückten Klus während der Guten Montags Prozession