Entstehung der Klausen


Ein Heiligenhäuschen (Klause) ist ein religiöses Wahrzeichen. Die Häuschen stehen an Straßen und Wegen, manchmal auch in freier Landschaft oder mitten im Ort. Man findet sie häufig an Wallfahrtswegen. Im Osnabrücker Land werden diese Heiligenhäuschen Gebetsklausen, oder Plattdeutsch "Klus" genannt, obwohl sie mit einer echten Klause, einer Einsiedelei, nichts zu tun haben.

Ähnlich dem altarähnlichen Bildstock haben die Häuschen einen altarartigen gemauerten Unterbau auf dem sich ein nischenartiger Oberbau befindet. Dieser Oberbau beinhaltet oft hinter Gittern ein Bildwerk oder die Figur eines Heiligen.

Der Abschluss ist dachartig. Die Form lässt sich vom frühen 13. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert verfolgen.



Klus Meyer zum Alten Borgloh

Die erste Klause in Borgloh wurde Ende des 17. Jahrhunderts gebaut. Bis ins 20. Jahrhundert hinein sind immer wieder solche Heiligenhäuschen errichtet worden. Ein besonderer Bauboom fand nach den Befreiungskriegen (1813) statt. Im Volke stellte sich ein Freiheitsdrang dar, der sich auch religiös äußerte. Kaum waren die Bauern von ihrer Hörigkeit befreit und konnten sich von ihren Abgabenverpflichtungen freikaufen, erwachte in ihnen ein wacheres Selbstbewusstsein und Unabhängigkeitsgefühl. Dieses zeigte sich auch darin, dass sie nun, was ihnen vorher verwehrt war, wie die Adligen ihre Häuser nicht mehr in Fachwerk, sondern aus Stein bauten.

Überall entstanden im Dorf Steinbrüche. Neue Gebäude wurden errichtet, und da es den Bauern schon immer an Gottes Segen sehr gelegen war, schnitzten sie nun fromme Sprüche in ihre Giebelbalken. Es wurden Kreuze errichtet und besonders zahlreich in unserem Kirchspiel - die oben erwähnten Klausen.

Verschiedene Baustile

Die meisten Klausen unterscheiden sich deutlich durch ihre Baustile. Die erste und älteste von Johannsmann hat ein gotisches Gepräge. Später bekamen sie zum Teil ein barockes oder klassizistisches Aussehen. Die jüngsten orientierten sich eigentlich nur noch nach ästhetischen Gesichtspunkten und sind schlicht und einfach schön.

Als die Nachfrage nach Heiligenfiguren immer größer wurde, fand die Industrie bald diese Marktlücke heraus und produzierte billige Massenware. Heute werden manche Statuen in den Klausen etwas kritisch und geringschätzig betrachtet, aber es kam den Klausenbesitzern meist nicht auf den Kunstwert an, sondern auf die religiöse Wirkung der Figuren. Diese Figuren sollten zum stillen Gebet und zur Meditation animieren.

Die Außenmauern bestehen aus Bruchstein, Sandstein, Ziegelstein oder Klinker oder sie sind einfach verputzt. Die Bauweise und die Wahl der Materialien war offenbar abhängig vom Geldbeutel und vom Geschmack des Bauherrn oder aber von der Bauweise des eigenen Hofes, zu dem die Klause passen sollte.

Noch heute befinden sich alle Klausen in unserer Region im Privatbesitz und stehen zum Teil unter Denkmalschutz. Sie gehören zu unserer Landschaft dazu und gelten für Fremde als wahre Sehenswürdigkeit. Sie sind Glaubenszeugnisse unserer christlichen Lebensart und geben einen Einblick in das Denken und Empfinden der hiesigen Menschen in Bezug auf Not und Tod, Freude und Dankbarkeit und christliche Hoffnung. Sie laden uns dazu ein, bei ihnen innezuhalten und sie für uns neu zu entdecken.

Gründe für den Bau von Klausen

Die Bauwerke sind aus unterschiedlichen Motiven heraus entstanden.In unserer Gegend war es überwiegend die fromme christliche Gesinnung die die Bauern zum Bau einer Klause inspirierte. Dazu kommt, dass Bauern in ganz besonderer Weise von guter Witterung und damit von Gottes Segen abhängig sind. Deshalb war es für sie immer von besonderem Interesse, dass die Prozessionsgemeinde an ihrer Klause anhielt und für den Erbauer der Klause betete und Gottes Segen für seinen Hof und sein Vieh erflehte.

Manchmal war es aber auch ein Gelübde, das den Menschen in einer Notsituation ablegten. Die zwei großen Kriege, in die die Bevölkerung einbezogen war, legten es den Menschen nahe, ihr Bitten um glückliche Heimkehr der Verwandten oder auch um das eigene überleben mit dem Versprechen zu verknüpfen, danach eine Gott wohlgefällige Tat (wie den Bau einer Klause) zu realisieren.

Neben der Verehrung der dargestellten Heiligen wurden sie früher errichtet, um an besondere Begebenheiten oder schlimme Ereignisse, zum Beispiel ein überstandenes Unglück, zu erinnern oder um Höfe zu schützen.

Andere Klausen wurden errichtet zum Andenken an einen lieben Verstorbenen oder im Krieg Gefallenen, dessen Leichnam in fremder Erde ruht.

Heiligenhäuschen waren immer ein Zeichen der Frömmigkeit und Orte der Besinnung. Sie wurden häufig nicht von der Allgemeinheit, sondern von einzelnen Familien gestiftet, die dadurch in aller Öffentlichkeit ihren Glauben mutig bekannten. Diese religiösen Zeichen bezeugen heute noch den frommen Sinn der Vorfahren.

Flurkreuz/Wegkreuz

Ein Flurkreuz auch: Weg(e)kreuz) ist ein Kreuz an einer Wegkreuzung, an einem Weg oder einer Straße, am Feldrand oder im Wald. Es kann aus Holz, Stein oder Metall bestehen. Häufig sind Flurkreuze als Kruzifixe gestaltet. Steinkreuze werden auch Hussitenkreuze, Schwedenkreuze oder Sühnekreuze genannt. Im Münsterland sind an vielen Stellen Hofkreuze zu finden. Sie gehören zu Bauernhöfen und stehen meistens an öffentlichen Wegen in der Nähe der Hofzufahrt.

Flurkreuze findet man besonders häufig in katholischen Landstrichen. Die meisten entstanden schon in den vergangenen Jahrhunderten und wurden von der damaligen Bevölkerung als Zeichen ihres Glaubens errichtet.


Einige von ihnen sind an Orten aufgestellt, an denen zuvor entweder ein Unfall oder ein Verbrechen geschah. In diesem Sinne finden sie sich noch heute an Straßenstellen, wo Menschen tödlich verunglückt sind. Eine Sonderform stellt das Pestkreuz dar.

Viele Flurkreuze dienten einfach als Wegemarkierungen zur Kennzeichnung schwieriger oder gefährlicher Stellen oder als Hinweis auf Wegekreuzungen. In Wanderkarten werden Flurkreuze oder Bildstöcke zur Orientierung eingetragen. An einigen Kreuzen befindet sich eine Inschrift, aus der zu ersehen ist, warum das jeweilige Kreuz aufgestellt wurde und von wem.

Vom kleinen unscheinbaren bis hin zu den aus starken Balken gezimmerten Kreuzen ist jede Größe vertreten. An manchem Kreuzen befindet sich eine kunstvoll geschnitzte Christus-Figur.

Im gesamten Bayerischen Wald finden sich zahlreiche Marterl und Wegkreuze, die an Tote, die durch Unfall, Gewalt oder sonstige Ereignisse aus dieser Welt geschieden sind, erinnern. Oft sind auch Texttafeln angebracht, die ein Gebet, die Namen der Stifter oder auf das Entstehungsjahr hinweisen. Sowohl bei den Marterl`n als auch bei den Wegkreuzen, die oft von verschiedenen Personen oder Vereinen aufgestellt und "betreut" werden, handelt es sich um Andachtsstätten, die zum Fürbittgebet für den Verstorbenen mahnen.



Alte Straße um 1947