Die fürstbischöfliche Glashütte in Borgloh-Wellendorf


Im 18. Jahrhundert wurde vom evangelischen Osnabrücker Fürstbischof Ernst August II. (1674-1728) die fürstbischöfliche Glashütte bei Borgloh angesiedelt. Diese Glashütte sollte den wachsenden Bedarf an Gläsern seiner Hofhaltung decken


Die Glashütte wurde um 1728 (oder auch schon 1721) gegründet und, wie damals auch bei vielen Mühlen üblich, vom Staat verpachtet. Der Name des ersten Pächters ist unbekannt, sein Nachfolger wurde der aus Hessen stammende Glasmeister Johann Jürgen Greinert, der am 13. März 1728 die Glashütte zunächst auf vier Jahre bis Ostern 1732 pachtete. Greinert brauchte zunächst keine Pacht bezahlen, sondern musste lediglich sämtliche Kosten, wie die Besoldung der Mitarbeiter und die Beschaffung der Rohstoffe tragen. Außerdem sicherte die fürstbischöfliche Regierung zu, den unbrauchbar gewordenen Ofen der Glashütte wiederherzustellen und die Unterkünfte für die Glashüttenarbeiter zu errichten. Greinert verpflichtete sich, feines Glas und Kristallglas anzufertigen und bei Bedarf an Fenster- und Tafelglas einen tüchtigen Meister anzustellen. Zur Beschaffung der Einrichtung erhielt er ferner ein zinsloses Darlehen von 500 Reichstalern.


Ein halbes Jahr nach Erneuerung und Vervollständigung der Glashütte konnte Greinert mit ihrem Betrieb beginnen. Jedoch gestaltete sich der Absatz seiner Ware schwieriger als erwartet, da im Fürstbistum Osnabrück keine geeigneten Händler vorhanden waren und die Beförderung des benötigten Tons von der Weser sich wesentlich teurer als erwartet erwies. Da der Glashütte ein eigenes Stampfwerk fehlte, musste Greinert zudem die benachbarte Windmühle auf dem Gersberg in Anspruch nehmen, was ebenfalls erhöhte Kosten verursachte.


Deshalb bekam Greinert am 9. April 1729 einen weiteren Vorschuss von 200 Reichstalern bewilligt. Dies geschah bereits durch die Regierung des katholischen Fürstbischofs Clemens August von Bayern (1700 - 1761), der 1728 die Nachfolge des in jenem Jahre verstorbenen Ernst August II. angetreten hatte. In der Folgezeit wurde Ende 1730 bereits die Schließung der Borgloher Glashütte erwogen. Jedoch war Greinert in den nächsten Monaten offenbar mit größerem Erfolg tätig. Denn als der erste Pachtvertrag ablief, erbot sich Greinert im März 1732, obwohl ihm die Rückzahlung des Darlehens noch nicht möglich war, die Borgloher Glashütte für 12 Reichstaler jährlich nunmehr in regelrechte Pacht zu nehmen und mit den zugehörigen Gebäuden selbst zu unterhalten. Dies wurde ihm am 14. April 1732 rückwirkend zum 1. April bewilligt, zumal sich kein anderer Bewerber fand und die Glashütte einen wesentlichen Abnehmer für das nahe fürstbischöfliche Kohlenbergwerk bildete.


Die beginnende Aufwärtsentwicklung der Borgloher Glashütte nahm ein jähes Ende, als Greinert nur wenig später am 10. Dezember 1732 unerwartet starb. Auf Bitte seiner Witwe ließ der Borgloher Vogt Johann Conrad Krüger durch den Osnabrücker Postmeister Ameldung, Greinerts ältesten Sohn in Dresden benachrichtigen, um ihn zur Weiterführung der Glashütte zu bewegen. Indessen war aber auch Greinerts Sohn schon vor längerer Zeit verstorben. Ein Versuch der Osnabrücker Regierung, den Glasmacher Zacharias Richter von der Glashütte in Brakel im Kreise Höxter als neuen Pächter zu gewinnen, blieb ebenso erfolglos wie ein diesbezügliches Rundschreiben an die Pächter der Hannoverschen Glashütten. Desgleichen waren im Sommer 1733 die Bemühungen vergeblich, in den gleichfalls zum Herrschaftsbereich Bischof Clemens Augusts gehörenden Fürstbistümern Hildesheim und Paderborn einen neuen Pächter zu finden. Erst 1734 gelang es der Osnabrücker Regierung, dem Glasmacher Lambert Scheck die Leitung der Borgloher Glashütte zu übertragen. Aber Scheck hatte mit seiner Arbeit ebenfalls keinen hinreichenden Erfolg und war im Frühjahr 1737 gänzlich verarmt.


Die Osnabrücker Regierung bemühte sich daraufhin erneut um eine Neuverpachtung der Borgloher Glashütte. Ein Glasmacher aus Altmünden am Reinhardswald bei Hannoversch Münden, der wahrscheinlich Georg Barthold Wiederhold hieß, hatte auch schon im Mai 1737 die Glashütte in Borgloh besichtigt, aber so überhöhte Forderungen gestellt, dass die Regierung sein Angebot ablehnen musste. So wollte er die Pacht zunächst nur für ein Jahr auf Probe antreten und verlangte außerdem jährlich acht kostenlose Frachtfuhren, die die benötigten Rohstoffe wie Pottasche, Kreide und Gips von der Mittelweser aus Rinteln oder Vlotho nach Borgloh bringen sollten.


Deshalb führte Lambert Scheck die Borgloher Glashütte auch in der Folgezeit weiter. Als aber im Herbst 1737 sämtliche Gesellen die Glashütte verließen, kam wiederum der Plan auf, die Glashütte endgültig stillzulegen. Da jedoch die Glashütte in Borgloh unter erheblichen staatlichen Kosten mit der "löblichen Absicht, dem Lande dadurch Vorteil zu verschaffen", angelegt worden war, wollte Fürstbischof Clemens August diesen Vorschlag noch nicht ausführen, sondern ließ der Regierung in Osnabrück am 17. März 1738 in einem Erlass auftragen, Lambert Scheck noch einmal zur Fortführung der Glashütte "aufzumuntern" und "unter die Armbe zu greiffen". Zu dieser Entscheidung trug besonders bei, dass Scheck auch Fenster- und Scheibenglas herstellen konnte, was damals mancherorts noch als besondere Kunst galt. Scheck seinerseits wollte aber nicht mehr als Pächter, sondern lediglich als Lohnarbeiter angestellt sein. Damit enden die Nachrichten über den Betrieb der Borgloher Glashütte.


Im Jahre 1778 drohten die Gebäude einzustürzen und am 23. Juli 1782 verkaufte die fürstbischöfliche Rentkammer das Windmühlenhaus auf dem Gersberg und die "noch vorhandenen Baumaterialien einer ehemaligen Glashütte" für 150 Reichstaler an den Osnabrücker Domdechanten Franz von Hake.


Die Glashütte hatte trotz ihrer zahlreichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein erstaunlich vielseitiges Angebot. Erhalten haben sich von den Erzeugnissen der Borgloher Glashütte im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück zwei Pokale.


Problematisch und zur Schließung der Glashütte führte letztendlich die teure Beschaffung von Rohstoffen, die von weither transportiert werden mussten. Außerdem gelang es nicht, die für die Glasherstellung wichtige und aus Abfallholz gebrannte Pottasche in der näheren Umgebung zu gewinnen. Unter diesen Umständen konnte die Borgloher Glashütte nicht in den von anderer Seite belieferten heimischen Markt einbrechen, und erlag schließlich der Konkurrenz, besonders aus dem Paderborner Raum.


Bisher war unbekannt, wo genau die fürstbischöfliche Glashütte gestanden hat. Doch nach diversen Landvermessungen 1790, lag die Glashütte bereits in Wellendorf am Südhang des Strubbergs, nahe der Einmündung des Höhenweges in die Straße Borgloh-Wellendorf, unmittelbar südlich des Höhenweges 220 Meter nordwestlich der Iburger Straße.




Hier soll die Glashütte einst gestanden haben

Eine am 28. September 1993 auf dem fraglichen Gelände von der Abteilung Archäologie des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück mit Hilfe eines Metallsuchgerätes durchgeführte Feldbegehung, erbrachte neben einem Flintkratzer und weiteren Flintartefakten immerhin auch den Fund eines größeren Stückes grünlicher Glasschlacke.


Quelle: Auszüge eines Artikels von Gerd-Ulrich Piesch