Das Dorf im Wandel der Zeit, ein paar Anmerkungen

Früher war alles besser. Diesen Spruch hört man häufig, wenn die Menschen mit den Gegebenheiten in der heutigen Zeit nicht mehr zurecht kommen. Doch war früher wirklich alles besser?

Sicher, die heutige Hektik hat das Alltagsleben anno dazumal sicher nicht geprägt, dafür war es aber für viele Menschen nicht einfach den (Über)Lebensstandard sicher zu stellen. Übrigens: Gerade in der jetzigen Zeit geht es vielen Menschen aus Angst um den Arbeitsplatz wieder ähnlich.

Viele Bürger der Nachkriegsgeneration haben es durch harte Arbeit, Fleiß, (das Wirtschaftswunder war ja in vollem Gange), und einer Genügsamkeit in den Ansprüchen zu einem gewissen Wohlstand gebracht.

Dieses spiegelt sich auch im Dorfbild wieder. Borgloh hat sich, gerade in den letzten 50 Jahren, enorm verändert und vergrößert. Dadurch, und durch sicherlich notwendige Modernisierungen, hat der alte dörfliche Charakter viel von seinem alten Charme verloren.

Die nachfolgenden Fotografien spiegeln ein wenig die vergangenen 100 Jahre wieder, die Sorgen, die Mühen und Nöte des ganz normalen Alltaglebens. Wir finden viele Geschäfte, die im Laufe der Jahre aufgegeben wurden. Wer geht schon noch zum Schuhmacher und lässt seine Schuhe reparieren, wo doch in den Supermärkten für den Lohn der Reparatur ein neues Paar Schuhe erworben werden kann?

Das Landleben hatte für außenstehende einen eher beschaulichen Charakter. Heute dröhnen zur Erntezeit wahre Monstermaschinen mit ihren Riesenreifen in nahezu atemberaubender Geschwindigkeit über den Asphalt.

Die Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen und geht auch an einem Dorf wie Borgloh nicht spurlos vorüber. Hoffen wir, dass alle Verantwortlichen sich durch glückliches Geschick und das berühmte Augenmaß leiten lassen.

Doch tauchen wir nun ein in die letzten 100 Jahre unserer Dorfgeschichte, wobei natürlich kein historischer Anspruch auf Vollständigkeit besteht.

Siegfried Lux im November 2009




1890

Das älteste Bild in dieser Auswahl.

Die alte Kirche, die so bis 1938 aussah. Links neben der Kirche das Hotel Massbaum, später Böert, anschließend Bünger.



1904

Eines der ätesten Bilder in dieser Auswahl.

Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1904. Unverkennbar der typische Straßenzug der Hauptstraße.



1910

Links sehen wir das Schwesternhaus, daneben Peistrup. Rechts davon ist der Saal von Greive. Dann folgt Schürmeier und das Pastorat.

Die Aufnahme entstand vom Hollenberg im Hintergrund rechts erkennen wir das Gasthaus Thiemeier.



1912

Der Dorfmittelpunkt, die St. Pankratius-Pfarrkirche 1912.



1914

Die heutige Kirchstraße um 1914. Auf der linken Seite erkennt man die Umfassungsmauer des Friedhofs. Anstelle des Fachwerkhauses erbaute Heinrich Meyer 1928 ein großes Wohn- und Geschäftshaus.



1917

Blick von Norden über die Hauptstraße zur Kirche. Links die Tischlerei Bünger und das Gasthaus Böert



1923

Die Übertageanlage des Kronprinzschachtes in Wellendorf. Nur ein Jahr nach dieser Aufnahme musste die Zeche aufgrund der Konkurrenz der Ruhrkohle die Pforten schließen.

Allerdings erlebte die Zeche nach dem zweiten Weltkrieg eine Reunion, bevor 1963 endgültig die letzte Lore gefördert wurde.



1927

Links neben der Kirche Böert und direkt daneben die Wagenremise die zur Zeit der Aufnahme noch zu Böert gehörte.

Später, in den 60er Jahren, wurde sie von Bünger erworben. Neben der Wagenremise erkennen wir das Haus von Bünger.

Auf der rechts gegenüber liegenden Straßenseite erkennen wir die Steinmauer die zum Grundstück von Greive gehört.



1928

1928 konnte die auf Initiative von Pastor Kerle gegründete Vereinssparkasse in ein stattliches Gebäude an der Ebbendorfer Straße umziehen.

Links von der Sparkasse sehen wir das Haus des Schneidermeisters Otto Flacke, rechts das Haus vom Frisör Kinker.



1930

Das Gasthaus Schürmeyer-Greive. Sicherlich ein repräsentatives Gebäude in unserem Dorf. Die Ansicht zeigt, das der Giebel ursprünglich ein anderes Erscheinungsbild hatte. Das Foto entstammt einer Postkarte aus dem Jahre 1930.



1931

Hier geht der Blick am Ortsausgang in die Allendorfer Straße. Rechts zweigt die Straße nach Eppendorf ab. Vor der Bäckerei Brörmann erkennen wir die alte Klause, die zum Hof Rehme gehört.



1933

Ansicht von links nach rechts: Alte Sparkasse und Kinker, von rechts das Wohnhaus von Brinkhege, dann Grothaus. Der Standort des Fotografen ist der Weg von Beckmann nach Boymann.



1934

Blick von der Hauptstraße in die Kirchstraße. Das Fachwerkhaus ist trotz einiger Umbauten bis heute erhalten geblieben.

Gebaut wurde das Haus von Terheyden. Später wohnte hier der Schneidermeister Wilhelm Flacke, danach seine beiden Töchter Maria und Regina, die eine kleine Plätterei und Wäscherei betrieben.

Nach dem Tode der Schwestern hat Hubert Brockmeyer von den Erben der Schwestern das Haus gekauft.


1935

Historische Luftaufnahme von Nordosten nach Südwesten.


Links oben sehen wir den Hollenberg. In der unteren Bildmitte erkennen wir den Thieplatz. Wo heute der Hartsportplatz ist, sehen wir ein Wäldchen und Felder.

Diese Foto macht besonders deutlich, wie Borgloh sich im Verlauf der Jahre ausgedehnt hat.



1936

Ursprünglich gehörte das Haus Elisabeth Östermeier (Östermeggers Lisbeth). Nach ihrem Tode vermachte sie es der Kirchengemeinde.

Während dieser Zeit wohnte hier Josef Wiemeyer zur Miete. Er war Bürgermeister von Borgloh/Wellendorf und Posthalter. Am Haus erkennen wir noch das Postzeichen.

Zu dieser Zeit war auch ein Telegrafenamt in dem Gebäude untergebracht, Borgloh war also schon sehr früh mit dem Rest der Welt verbunden.

Später verkaufte die Kirchengemeinde das Haus an Hubert Brockmeyer.



1937

Der Wellendorfer Bahnhof. Eine der vielen Stationen auf der Strecke von Bielefeld nach Osnabrück. Auf der linken Seite befindet sich die 1924 erbaute Brikettfabrik des Borgloher Kohlebergwerkes. Fertiggestellt wurde sie allerdings nicht und 1937 gesprengt.

Nachdem zwischenzeitlich der Betrieb 1984 eingestellt wurde, erfreut sich die Strecke nach der Neueröffnung 2005 heute wieder allgemeiner Beliebtheit. Einen Schalterbeamten auf dem Bahnhof sucht man allerdings vergeblich.



1938

Heile Welt Landwirtschaft? Doch die Idylle trügt. Die Ernte der Feldfrüchte war eine schwere und schweißtreibende Arbeit. Erleichterung brachten die Maschinen in den folgenden Jahren. Jeder Landwirt hatte eine Vielzahl unterschiedlicher Getreide- und Rübensorten angebaut. Heute sieht das ganze anders aus. Riesige Monokulturen, vornehmlich Mais, beherrschen das Landschaftsbild. Sie werden mit schweren Maschinen geerntet, die von entsprechend großem Equipment abtransportiert werden.



1939

Dieses Bild entstand etwa 1939. Auf der linken Seite sehen wir das Haus Henke. Im Hintergrund Thiemeyer. Dieses Bild zeigt den besonders üppigen Baumbewuchs, der damals das Dorf mitprägte.



1940

Blick aus Wellendorf kommend in Richtung Kirche. Auffallend die Dorfmauer. Das Bild strahlt Ruhe und Gelassenheit aus



1941

Bittprozession durch die Gemeinde. Im Hintergrund erkennen wir den Bauernhof von Willi Rehme, der später von Peter Rehme übernommen wurde.

Bei den Messdienern erkennen wir gute Bekannte wieder: Dritter von links, Hubert Brockmeyer, Vierter von links, Josef Stegmann.



1942

1941/42 gab es einen sehr strengen Winter. Hier die Ansicht am Thieplatz. Vom alten Terheydenschen Haus steht heute nur noch das Fachwerkgebäude im Vordergrund.

In diesem Gebäude betrieben damals die Geschwister Maria und Regina Flacke eine kleine Wäscherei und Plätterei. Später befand sich in dem Gebäude das Modegeschäft Brockmeyer. Zur Zeit beherbergt es einen Drogeriemarkt und ein Bäckereigeschäft.



1948

Wer erinnert sich nicht an das Gasthaus bzw. an den Laden der Familie von Heinrich Meyer.

Links der Eingang in den Laden. Über die Seitentreppe rechts gelangte man in die Gastwirtschaft.



1949

Standesgemäße Einführung von Pfarrer Eichhholz in Borgloh.

Die "Motorrad-Gang" im einzelnen, von rechts nach links:

Bernhard Fischer, Heinrich Balkenhohl (Kohle), Johannes Kuhr, Johannes Kellermann, Willi Nienbecker, Adolf Stegmann, Franz Fischer und Ewald Meier.

Das Schild an Böerts Haus ist ein Hinweis auf die Praxis vom Zahnarzt Karl Stickel.



1953

Blick vom Hollenberg auf das winterliche Borgloh. Heute stehen im Tal die Häuser der Eicholzsiedlung und der Siedlung "Am Hollenberg".



1954

Hochwasser am Aubach in Eppendorf.

Der Blick geht Richtung Allendorf.



1956

Ein Motiv, dass immer wieder gerne fotografiert wurde, Borgloh vom Hollenberg.

Sehr schön zu sehen im Vordergrund rechts, der Kellermannsche Hof, später entstand hier und in der Verlängerung westwärts (im Bild nach links), die Eichholzstraße.
In der Bildmitte rechts das Pastorat und links davon Schürmeyer.



1956

Blick aus Borgloh kommend Richtung Steiniger Turm. Links Grewe (damals war hier das Gemeindebüro), im Hintergrund rechts, Stegmann.

Ein kleines Pläuschchen auf der Straße? Damals durchaus normal, heutzutage ein lebensgefährliches Unterfangen. In einer Zeit wo Mobilität und Eile die Lebensweise bestimmen, bleibt für derartige Aktionen kein Raum mehr.

Die nach dem Kriege teilweise völlig zerstörte Straße wurde zwischen 1956 und 1959 komplett neu ausgebaut. Viele erinneren sich bestimmt noch an die Schotterstraßen.



1957

Blick von Nierwettberg auf das Dorf. Das Dorfbild ist sehr übersichtlich. In den darauffolgenden Jahren veränderten die neu gebauten Siedlungen das Dorfbild ganz entscheidend.



1958

Blick von Südwesten in den Dorfkern.



1959

Borgloh erhält in der Hauptstraße eine Kanalisation. Die komplette Straße ist eine Baustelle. Mag das Ganze 1959 noch halbwegs erträglich gewesen sein, bei dem heutigen Verkehrsaufkommen gäbe es sicher eine mittlere Katastrophe.



1960

Ansicht auf Borgloh

Deutlich zu erkennen, dass viele Siedlungen erst in den letzten Jahren entstanden sind:

Die Eichholzstraße, Hollenbergsiedlung, Am Sonnenhang, die Siedlungen Am Kervel ebenso wie die Siedlungen Am Sportplatz und auf den Feldern des Rehme-Hofes.



1971

Wolfsquelle

Wo sich heute der Renkenördener See ausbreitet, war 1971 noch Wiese.

An diesem Foto läßt sich besonders gut die Entwicklung ablesen, die das ganze Gelände erlebt hat.


1989

Luftaufnahme von Süden nach Norden.


Im Vordergrund die Hollenberg-Siedlung, wo gerade die letzten Lücken bebaut werden.

Auf der rechten Bildseite ist sehr schön zu erkennen, dass die Bebauung in diesem Bereich noch nicht begonnen hat. Auch der Tennisplatz ist noch nicht angelegt.


1991

Luftaufnahme von Südosten nach Nordwesten.


In der Bildmitte erkennen wir, wie die neue Sparkasse gebaut wird.

Am oberen Bildrand die Höfe von Bauer Boymann und Bauer Wellendorf.



1992

Noch schweift der Blick am Dorfrand über weite Felder. Heute sind hier Wohnsiedlungen entstanden.



1997

Das modernisierte Dorfzentrum, wie wir es heute kennen, hat sich eigentlich nicht verändert.



1998

Das Dorfbild hat sich enorm verändert. Der verständliche Wunsch vieler Menschen nach den eigenen vier Wänden, hat das Dorf doch erheblich vergrößert.

Wer ein paar Bilder zurückblättert zum Jahr 1935, wird den Unterschied sofort erkennen können.


2009

Luftaufnahme von Westen Richtung Osten.


Sehr schön zu sehen die Ausrichtung der Siedlungen Eichholzstraße und Am Hollenberg.

Die Bebauung ist weiter fortgeschritten. Gut zu erkennen im Vergleich zur Aufnahme von 1998, dass die Siedlung am Ährenfeld komplettiert worden ist.