Bergbau nach dem ersten Weltkrieg

Als nach dem ersten Weltkrieg Brennmaterial knapp war und natürlich hohe Reparationskosten gezahlt werden mussten, entsann man sich wieder des Borgloher Bergbaus. Die ersten die aus den Kohlen Profit schlugen, waren die einheimischen Bürger. Da der Fiskus sich weigerte den Bergbau wieder zu eröffnen begann ein wilder Bergbau. Nur so konnte die extreme Kohlennot der Bürger gelindert werden. Da die Kohlen bis an die Oberfläche reichten, konnte man auf eigenem Grund und Boden relativ einfach nach dem "schwarzen Gold" schürfen. Erst auf Grund dieses sich immer weiter ausdehnenden Wildwuchses sah man sich von der Obrigkeit genötigt, die Kohleförderung wieder in geordnete Bahnen zu bringen.

Viele einheimische und auch auswärtige Unternehmer versuchten sich zusammenzuschließen um dem Brennstoffmangel zu begegnen. Aus diesem Zusammenschluss bildete sich später die "Steinkohlenbergwerk Borgloh Aktiengesellschaft." 1919 wurde der Kronprinzschacht wieder bis auf eine Tiefe von 10 m abgeteuft. Ebenso wurde der Ernst-August-Schacht wieder hergerichtet.


Diese Gesellschaft nahm 1921 den Abbau der Kohlenfelder Nord und Süd über den Kronprinzschacht in Angriff. Da die 60m Sohle schon abgebaut war, förderte man noch anstehende Kohlenreste der 80m Sohle. Gleichzeitig vertiefte man den Schachtsumpf auf 130 Meter. Da die Steinkohlenförderung im Raum Ibbenbüren nicht ausreichte den norddeutschen Raum mit Kohlen zu versorgen, florierte der Betrieb, trotz einer Kohle von nicht bester Qualität (großer Asche- und Schwefelgehalt), mit ca. 400 Mann Belegschaft, recht gut.

Am Kronprinzschacht entwickelte sich ein Industriegelände mit zahlreichen Werksgebäuden. Es gab ein Kesselhaus und eine große Maschinenhalle, die den Strom für den Bergwerksbetrieb bereitstellte. Weiterhin gab Magazin- und Betriebsgebäude sowie Vorratsschuppen und natürlich die Schachthalle mit dem Förderturm.

Der Über- und Untertagebetrieb wurde auf eine Förderung von monatlich 8000 Tonnen eingerichtet. Diese konnte man zwar nicht in unmittelbarer Umgebung unterbringen, man hoffte aber in ferneren Absatzgebieten, also jenen der Konkurrenz, auch Chancen zu haben.


Dies stellte sich allerdings als Trugschluss heraus, denn die Ruhrkohle besaß eine bessere Qualität. Der Aschegehalt der Borgloher Kohle war zu hoch und so kam der Absatz ins Stocken. Hohe Verwaltungskosten und ein Festhalten an den hohen Produktionszahlen ließen einen immensen Schuldenberg entstehen.


Unglücklicherweise ereignete sich noch ein verheerender Brand, der 1923 die Anlagen des Kronprinzschachtes einschließlich des Förderturms vernichtete.

Man baute zwar wieder auf, um wenigstens die Ziegeleien, Zementfabriken und den Hausbrand zu bedienen, doch eine zunehmende Unrentabilität durch Inflation und die Konkurrenz der Ruhrkohle brachten 1924 das Ende, der Kronprinzschacht wurde geschlossen.

Eine am Wellendorfer Bahnhof errichtete, und nur halb fertig gestellte, Brikettfabrik wurde gesprengt.


Kronprinz um 1924

Ein Überbleibsel aus der Zeit sind die von der Bergwerks-AG in den Jahren 1920/21 errichteten 25 Bergarbeiterwohnungen, die auf der Erichshöhe in Wellendorf und in Ebbendorf (Zehnfamilienhaus) entstanden.