Die Kirchen der Samtgemeinde Borgloh

Der Heilige Pankratius


Die Passio (Das Leiden und Martyrium) des hl. Pankratius wie sie in einer Reihe lateinischer Manuskripte beschrieben ist, ist wohl weitgehend als Legende einzustufen. Die Bollandisten (Arbeitsgruppe, die die Lebensgeschichten der Heiligen der römisch-katholischen Kirche in kritischen Ausgaben auf handschriftlicher Grundlage zusammenstellt und mit historisch-kritischem Kommentar veröffentlicht. Die Bezeichnung geht auf den Theologen Johannes Bolland (1596-1665) zurück), haben versucht, aufgrund der verschiedenen Versionen, die möglichst ursprüngliche Gestalt der Passio wiederherzustellen.
Da der Heilige dem Christentum nicht abschwören will, wird er auf der Via Aurelia enthauptet. Diese Version ist allerdings in sich nicht schlüssig und so wird dieser Passio kein historischer Wert beigemessen.
Eine weitere Version, in der der Heilige von einem auf ihn losgelassenen Panther zerrissen wird ist reine Fiktion. Diese Version fand allerdings Eingang in die künstlerische Darstellung des Heiligen. Oftmals ist auf den Darstellungen zu Füßen des Heiligen ein Panther zu sehen.
Für die Verehrung des hl. Pankratius sind die Unstimmigkeiten aber von jeher ohne Bedeutung gewesen.
Folgende Grunddaten können allerdings festgehalten werden: Pankratius wurde als vierzehnjähriger Jüngling in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (war von 284 bis 305 n. Chr. römischer Kaiser) an der zweiten Meile der Via Aurelia, also nicht weit außerhalb der Porta Aurelia durch das Schwert als Märtyrer hingerichtet und auf dem in der Nähe liegenden, bereits vorchristlichen Gräberfeld mit Katakomben, dem Ager Fonteianus, bestattet.


Die erste Nachricht der Verehrung des hl. Pankratius findet sich im Martyrologium Hieronymianum (431-450), das seinen Festtag am 12. Mai verzeichnet. Anfang des 6. Jahrhunderts errichtet Papst Symmachus eine Basilika über dem Grab des Pankratius, von der Teile noch in der heutigen, vielfach umgebauten und erneuerten Basilika, erhalten sind.
Da in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts am Grab des hl. Pankratius ein Reinigungseid geleistet wurde, gilt er als Schützer des Eides und Rächer des Meineides. Seine Reliquie (in Form eines Unterarms mit Hand und drei Schwurfingern als silberner Behälter) stand auf dem Gerichtsaltar vor dem Schwörenden.


Als großer Förderer und Verbreiter des Pankratiuskultes gilt Papst Gregor der Große.
Aufgrund der weiten Verbreitung des Pankratiuskultes in Italien, Frankreich und England, gelangte seine Verehrung im 8. Jahrhundert auch nach Deutschland.
Die ältesten Siedlungsbefunde späterer Pankratiusgemeinden sind entlang dem Rhein und seinem Einzugsgebiet feststellbar. Alle Orte führen ihren Ursprung in die römische Zeit zurück.

Im 9. Jahrhundert sind nur zwei Pankratiuskirchen nachweisbar: Auerbach bei Deggendorf und Liel am Oberrhein.
Der Trierer Festkalender enthält im 10. Jahrhundet das Fest des hl. Pankratius. Die erste Pankratiuskirche der spätrömischen Siedlung Bettenhoven am Niederrhein wurde 1028 gebaut.


Ein Ereignis, das häufig herangezogen wird um die Ursprünge des Pankratiuskultes in Deutschland zu erklären, ist die feierliche Translation der Pankratiusreliquien nach Gent im Jahre 985. Auf sie berufen sich ausschließlich westfälische Provinzen, unter anderem auch Borgloh. Zwar ist sicher, dass zwischen Flandern und Westfalen enge Handelsbeziehungen bestanden haben, ob aber das Patrozinium auf diesem Weg nach Westfalen gelangte ist unbewiesen. Ähnlich verhält es sich mit der Kirche in Borgloh. 1068 werden erstmals Zehntleistungen der Kuria Borgloh erwähnt und 1160 hat der Ort eine eigene Pfarrkirche.


St. Pankratius gilt auch als Schutzpatron von Rittern und Feldmarken.

Der Feiertag des St. Pankratius ist der 12. Mai (Eisheiligen)