Die Kirchen der Samtgemeinde Borgloh

Das Amt des Küsters an der Pfarrkirche



Ein Amt, das heute in unserer Pfarrei gäzlich verschwunden ist, ist das Amt des Küsters. Der Küster hatte in früheren Zeiten in der liturgischen Ordnung einen hohen Stellenwert, um so wichtiger ist es, einmal anzuerkennen, was die Diener am Altar leisteten, wenn sie mit Orgel und Gesang, mit Antworten und Handreichungen bei der Messe, bei der Taufe, beim Versehgang (mit Vorantragen des Kreuzes oder/und Lampe, bei den Prozessionen, beim Seelenamt, mit der Betreuung von Altar und heiligen Gewändern nicht nur das Bild einer Bühnengruppe abrundeten, sondern Gott dienten.
Eine 12- oder 50- Pfeifen-Orgel gab es in Borgloh schon 1624. Vorbildlich konnte 1624 der Küster das lateinische Amt am Nikolaustag singen und vorsingen. Mancher Junge in Borgloh lernte auch damals beim Küster "löggen as en Köster". Der Küster lehrte auch die deutschen Lieder nach Art der Psalmen zu singen. Übrigens war das katholische deutsche Kirchenlied in Jahrhunderten vorher nicht unterentwickelt, nicht nur Marienlieder, auch Christuslieder haben dabei ihren Wert behalten. Doch nun, 1624 -1629 -1648, musste die Messfeier als Streitobjekt der Reformatoren säuberlich Latein sein. 1648 heißt es vom Küster: "Es wird angenommen, dass er fleißig Luthers Katechismus lehrte (und Gesänge gebrauchte)", weshalb er 1629 von Eberhardus Sack abgedrängt wurde. "Den, als ich primas ward", sagt der Pastor, "aposterde ehr undt begaff sick an die Lutheranos (fiel ab)".
Der Name ist unbekannt, einer aus der Familie Lüning (oder Schneyders), deren Sohn noch 1626 die 3. Klasse der Osnabrücker Domschule besuchte. Um 1655 ist Johann Everhard Schiermeyer Küster etwa von 1655-1703. Seine Ehefrau stirbt am 4.1.1705, 77 Jahre alt. Sie ist eine geborene Uffelbek (Overbeck). Sein Sohn besucht 1670 bis 1673 das Osnabrücker Carolinum.


1673 geht der Organist Schnieders (lt. Domarchiv) von Borgloh nach Bissendorf und wird dort Küster. In Borgloh lässt man beim Orgelmacher aus Alfhausen die Orgel reparieren und stellt sie hinter dem Altar auf. Die Orgel verdeckt das gotische Großfenster. Der Altar hat ein größeres retabel (Rückwand). Hinter dem Altar ist auch der Beichtstuhl mit Gitter, wie später auch noch. 1684 kommt eine neue Orgel aus Bielefeld. Sie kostet 34 Taler.


Küster Schiermeyers Sohn studiert an der Donschule mit mehreren Borglohern zusammen. Die Lateinschule des Dommagisters (Pastor Cappius in Borgloh) trägt ihre Früchte. Vom Sackhof Brandenburg werden vier Söhne über diese Schule katholisch und absolvieren die Klassen 1 bis 7. Ein Sohn von Brandenburg wird Benediktiner und dann Pfarrer in Wellingholzhausen. Die Tochter wird Domina im Kloster Oesede.


Von 1703 bis 1723 sind Küster- und Lehramt in einer Hand. 1703 kommt Simon Hermann Johann Düvelius aus St. Annen, 24 Jahre alt. Er wird feierlich vom Archidiakon bzw. Kommissarius am 21.7.1703 bzw. 7.10.1703 eingeführt und starb 1735. Er war 32 Jahre Küster. 1735 bis 1780 ist sein Sohn Küster, Johann Henricus Düvelius. Geboren 1711, gestorben 1780, 69 Jahre alt, er ist 45 Jahre Küster.


Die Familie Düvelius wird wohlhabend durch Leinenhandel, kauft den kirchlichen Erbkotten, die Artmann-Kötterei. Ein Hof, der von Pastor Sack sen. Tochter aus Kirchenland gegründet ist. Die Familie nennt sich nun Düvelius und tauscht Ländereien mit Peistrup, das sog. Hangebaums Stück (Schlagbaum vor der Kreuzlandwehr - vor Rehmen Hof). Sein Sohn ist der letzte Dominikaner-Prior im Natruper Kloster in Osnabrück.


1780 bis 1781 nur ist Johann Heinrich Potthoff Küster. Er starb 1781, 34 jährig. Dann übernimmt der Sohn von Düvelius von 1781 bis 1804 das Küsteramt.
1804 bis 1810 ist ein Küster Beckmann dort, der wohl die Orgel bedienen kann (aber das besorgt Lehrer Heilmann). Es entsteht ein Prozess um die Versorgung, um das Küster- und Lehrergehalt mit der Klarstellung, dass die Naturaleinkünfte samt und sonders dem Küster zustehen, wenn er die Orgele mitbedient.


Von 1800 bis 1900 werden die Arbeiten des Küsters einmal so, dann so getrennt. Das Officium (Läuteamt), das Cantorat (Singeamt, einschließlich Orgeldienst), dann der nähere Altardienst. Mit Läuten hat später oft de Totengräber ausgeholfen.


Mit Gründung der Pfarre gab es alsbald auch für den Küsterdienst eine Benefizienausstattung (Existenzgrundlage). Das Küsterhaus lag an der Alten Straße vor dem Pfarrhof, der seine große Tür in Richtung Alte Straße bergabwärts hatte, etwa neben dem Markkotten vor der Brandenburg (Schmied im Dorfe: Markkötter Jürgen Schmidt - Heute Liesing). Die alte Küsterei die 1754 und wieder 1780 abgebrannt, dann 1781 neu errichtet worden war, ist vielen noch bekannt. Der Vogt Kruse schreibt im November 1780, dass ein Steinbau bei weitem nicht so teuer sei. Holz sei eben sparsam, Steine aber gehörten dem Fürsten und dem Adel. In den Briefen wird die Küsterei auch Schulmeisterei genannt (14.12.1780). Der Vogt bittet, zum Bau doch an die dreißig Fuder Steine von der alten Mauer bei den Glashütten nehmen zu dürfen. Eine Reparatur der Mauer am Strubberg lohne sich nicht. Die wach gewordenen Behörden, die nun mit einem Male eine Sommerresidenz auf Haus Hagen ausbauen wollen, haben eine Materialspur für sich gefunden. "Gewissenlose Leute" können sich nun nicht mehr bei Nacht die Steine wegholen.


Die Bauvorbereitungen für das Fachwerk werden getroffen. Der Kontrakt wird mit Zimmermeister Streite am 6.5.1781 für 49 Taler gemacht. Die Brandkasse hat für den Brandschaden 300 Taler gegeben.
Die Gemeinde muss 194 Taler aufbringen. Es fordern Meister König = 50 Taler, Meister Rabe = 49 Taler, Meister Rehme = Evert Rehme 48 Taler und Voss 47 Taler, zusammen 194 Taler. Jeder Vollerbe bezahlt 4, die Halberben 2, die Erbkötter 1 Taler, die Markkötter 10 Schilling, 6 Pfennig. Damals arbeitete ein Zimmermann 6 Tage = 70 Stunden für 80 Pfennig.


Von 1810 bis 1828 ist wieder ein Düvelius Küster. Privat baut dieser 1821 ein neues Wohnhaus an der Scheune von Artmanns Kotten. In der Dienstwohnung, der Küsterei, wird wieder einmal eine Schulstube, jetzt die 2. Klasse eingerichtet.


Wohnhaus und Familie Küster Düvelius






Ein Sohn aus dieser Düveliusfamilie ist später Arzt in Vechta, ein anderer sein Leben lang, bis zu seinem Tode am 18.3.1916, hochgeehrter Kaplan in Ankum. 1828 bis 1856 übernimmt der der Sohn des Lehrers Heilmann die Küsterstelle. Zugleich ist er zweiter Lehrer an der Schule. Es übernehmen die Lehrer die meisten Küsterdienste, Lehrer Broxtermann 3 Jahre, dann Lehrer Tonberge jahrzehntelang und dann Lehrer Wessels. Die Kantorei war für Lehrer, Schüler und Messdiener eine schöne Einrichtung. Daneben gab es dann den Läuteküster.









Rektor Johannes Holtgreve bediente Orgel und Altardienst bis 1919 bzw. bis 1923. Dann übernahm alles Heinrich Konerding (Orgel, Altardienst, Läuten) bis 1935. 1928 wurde die neue Küsterei gebaut, die alte abgebrochen.



Danach übernahm Ludwig Sierp das Amt von 1935 bis 1958. Die musica sacra, die heilige Kirchenmusik an de Orgel und in dem neu gegründeten Kirchenchor, war ihm ans herz gewachsen und Erfüllung der vielseitigen Aufgaben und Lebensinteressen. Mit ihm und nach ihm besorgte sein Sohn Hermann Sierp, diese Ämter.










Hier endet die Geschichte der Küster in St. Pankratius. Nach Hermann Sierp gab es keinen hauptamtlichen Küster mehr. Die liturgischen- und die Orgeldienste wurden auf andere Personen umverteilt.






Der letzte Küster Hermann Sierp