Die Kirchen der Samtgemeinde Borgloh

Läuten und Geläut - Geschichte der Glocken


Das Läuten war im geräuschlosen Zeitalter (Die multimedialen Möglichkeiten der heutigen Zeit, sowie der Straßenverkehr mit motorisierten, lärmenden Fortbewegungsmitteln waren noch unbekannt)eine erquickende Musik. Denken wir an die drei Läutestunden am Dreifaltigkeitssonntag. Oben auf dem Turm war Glockentrampeln. Währenddessen ging die Küsterin in alter Zeit bei den Kirventen (den Kirchhöfern) mit der Bratpfanne den Stüber (das Dübbelken, den Glockenschmeer) von Haus zu Haus sammeln. Dafür hatten alle Dorfbewohner drei Stunden lang den Genuss der Glockentöne!


Wie hieß doch noch der nachbarliche Glockenspruch von Borgloh und Kloster Oesede? Die Lebenden rufe ich - die Toten beklage ich - die Blitze breche ich.


Heimatglocken - Glockenweihe in der Pfarrkirche St. Pankratius in Borgloh

Am 20. März 1958 sind in Gescher bei der Glockengießerei Petit und Edelbrock für die Pfarrkirche in Borgloh zwei Glocken gegossen worden:
eine große Glocke, Ton dis, Gewicht 1600kg, Inschrift St. Pankratius, Patronius parrochiae, juvenumque 1958 (St. Pankratius, Patron der Pfarre und der Jugend)


Glockentradition 1418 - 1917 - 1958

Eine kleine Glocke, Ton ais, Gewicht 400kg, Inschrift: Me sonante pia, laudetur virgo Maria 1958 (Mit meinem frommen Geläut möge gepriesen werden die Jungfrau Maria)


Glockenguss in Gescher am 20. März 1958


Glockenguss in Gescher am 20. März 1958


Glockenweihe am 28. März 1958


Glockenweihe am 28. März 1958


Glockenweihe am 28. März 1958


Damit trägt unser altehrwürdiger Kirchurm vier Glocken in den Tönen dis - fis - gis - ais, das sind die Präferationstöne des Hochamtes: Per omnia saecula saeculorum, oder auch das Liedmotiv: O Heiland, reiß die Himmel auf.
Damit sprechen in der Liebe des heiligen Herzens Jesu die heilige Jungfrau Maria, St. Josef, St. Pankratius das lebensvolle Lob Gottes durch die Glocken.

Die St. Josefs- Glocke wurde 1924 von der Pfarrkirche in Kloster Oesede übernommen. Dort war St. Josef der Pfarrpatron, wie die Inschrift sagt: St. Josef, in huius Parochiae erectione Protector, protege nos semper et in hora mortis, Amen. Anno 1908, Ton gis. (St. Josef, bei der Gründung dieser Pfarre Schutzpatron, beschütze uns immer und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Diese Glocke besagt für Borgloh: Seit dem Jahre 1724.1.4. ist St. Josef zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit Patron der Kaplanei und der Christenlehr- und Todesangstbruderschaft.

Unsere alte Zweitglocke Ton: dis, 1,13m 930 kg, hat die Inschrift: Alexius Petit gosse mich, Gescher 1827.
Das Bandrelief mit Tiergruppen ist kunsthistorisch wertvoll. Der Weihepatron ist unbekannt, die Weiheerlaubnis vom Bischof gab es am 23.1.1827, die Weihe am 1.2.1827. Die Glocke ist durch glückliche Umstände im letzten Krieg gerettet worden, und am 13.8.1948 zurückgekehrt aus Hamburg.


Außerdem sind uns erhalten aus ehrwürdiger Zeit:


1. eine e-Glocke, 76cm,260kg, jetzt in der Kirche in Wellendorf, Kirchspiel Borgloh
Inschrift: Wan ich erschalle an diesem Ort, ei so kompt und hört Gottes Wort. Anno 1754.
- Bild an der Glocke: Muttergottes mit dem Kind über dem Mond, gegossen unter Pastor Gervesmann auf unserem Kirchplatz in einer Grube.

2. eine Glocke im Türmchen der Hofklause von Meyer zum Alten Borgloh mit der Inschrift: W.A: Rincker v. Osnabrück goss mich 1805.
Diese Glocke hat ein Blattornament. Ehedem hing sie bis 1869 in der 1799 verkleinerten, etwa 150 Personen fassenden alten Fachwerkkirche zum Alten Borgloh auf dem Hügel nördlich Wahmhofs (Knemeyers) Hof (Pfarrhof). Die Kirche war dem heiligen Erzengel Michael und der Muttergottes geweiht.


Zur Geschichte von Glockenguss und Glockenweihe in Borgloh


Anno 1418, 29. August, zum Fest der Enthauptung des heilgen Johannes des Täufers, wurde hier eine Glocke geweiht zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria unter Otto, Bischof von Münster, Administrator von Osnabrück.
Die Weihe nahm der Ortspfarrer, Johannes Meteneghank, vor. Zeugen auf der Urkunde sind Provisor Bernhard Böckmann und Johannes Westermeyer. (Diese Urkunde lag 1699 noch vor, Pastor Ant. Cappius).
Nach dem Inventarium des Pastors Niehaus (+1730) befanden sich damals drei ziemlich große Glocken im Turm. Die beiden größeren sind Anno 1518 gegossen worden, die kleinere jedoch 1609. Sie sind geweiht worden.


Anno 1754 wurden umgegossene Glocken vom ehrwürdigen Abt von Iburg, Adolph Hane, geweiht; die größere zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria, die andere zu Ehren des heiligen Pankratius und des heiligen Adolph. Dies ist die uns in Wellendorf erhaltene Marienglocke.


Anno 1774 hat der Prior des Natruper Dominikanerklosters in Osnabrück eine Glockenweihe nach Umguss einer Glocke vorgenommen. In den Rechnungen wir besonders eine Sammlung der Jugend erwähnt.


Anno 1775 wurde die größere Glocke wieder umgegossen (22. und 23. August). Gewicht: 2540 Pfund. Geweiht wurde sie am 21.9.1775 zu Ehren der Gottesmutter und des heiligen Pankratius. Ebenso wurde die kleinere Glocke zu Ehren des heiligen Josef und der 10 000 Märtyrer (ihr Gewicht: 1672 Pfund) gesegnet durch den Hochw. Professor der Theologie aus Osnabrück, P. Bernardus Christopherus Everwandt.


Anno 1799-1800, im Winter wird eine Glocke in Osnabrück umgegossen. Kosten = 525 Taler, 23 Groschen, 10 Schilling. Im Jahre 1802 wird endlich der ganze Glockenstuhl erneuert und damit wohl eine Ursache der Glockenbrüche beseitigt.


Anno 1806 wird wiederum eine Glocke nach Vertrag mit Petit & Edelbrock in Gescher-Coesfeld umgegossen. Gewicht : 1100 kg, 1,25m Durchmesser, Ton dis. Diese Glocke ist 1917 abgeliefert worden an die Heeresverwaltung. Einzelheiten sind noch in Erinnerung. Der Ackerwagen am Fuß des Turmes, die am Seil hängende , mit grünem Kranz und schwarz-weiß-roter Schleife geschmückte Glocke; Gebet und Gesang der mit den Lehrern versammelten Schuljugend, die Umstellung auf das verbleibende schwache Geläut.


Anno 1826 wird eine Glocke, die mittlere, von Alexius Petit in Gescher umgegossen, es ist unsere heutige Zweitglocke. Sie kostet 497 Taler. Im Jahre 1818 scheint dieselbe Glocke schon einmal umgegossen worden zu sein. Davon stehen 1826 noch 250 Taler Schuld nach schweren Jahren, die albald schwungvoll abgetragen werden (vier Prozent Zinsen). Diese Glocke ist ohne Weiheheiligen erhalten, oder die Tradition des Weiheheiligen erschien bei den vielen Umgüssen selbstverständlich. Sie hat den Krieg überstanden und kam am 13.6.1848 zurück. Sie soll dem Herzen Jesu geweiht sein. Weiheerlaubnis vom 21.5.1827, Osnabrück.


Anno 1924 16.4. wurde die große Glocke dis, 1,25 m Durchmesser, 1463 kg, für die Summe von 3957,55 RM angeschafft. Diese Glocke wurde bei der Firma Petit und Gebrüder Edelbrock in Gescher bestellt. Diese Glocke wurde am 1. April in Wellendorf vom Bahnhof abgeholt.Inschrift: Geopfert für Vaterlands Wehr, erneuert zu Gottes Ehr, 1924. Guss - Weihe - Läuten dieser Glocke war 1924 der Jugend ein Ereignis. Sie wurde 1943 abgeliefert, so wie es damals vielen Kirchen ging um Rohstoffe für den Krieg zu erhalten.


Anno 1924 wurde die kleine Glocke, die im Borgloher Turm einige Zeit als vierte Glocke geläutet worden war, vom Kirchenvorstand leihweise, wie die Anfangsschriften besagen, zur Tochterkirche nach Wellendorf gegeben, wo sie als c- Glocke in Ehren läutet.


Anno 1924 war die Glockenläuteanlage mit Elektromotor für drei Glocken von der Herforder Firma Bokelmann und Kuhl fertig mit Kosten von 2816,50 RM. In früheren Jahrhunderten betätigten sich liturgisch der Läuteküster, der Küster am Altar samt Ministranten, der Lehrer mit den Sängern. Diese liturgische Ämterteilung ist heute nicht leicht der bürgerlichen Lebensordnung anzupassen.


Das Wichtigste aber bleibt, dass die Gläubigen sich von Gott angesprochen fühlen und beten, wenn die Glocken lobend oder bittflehend erklingen. Für uns haben die Glocken weihevolle Aufgaben von Gott, zu Gott. Ihr Klang wird der Landschaft und den Herzen wieder christlichen Charakter geben oder erhalten.