Die Geschichte der Meyerhöfe

Das System der Meyerhöfe - Die Kuria Burcla

Über die Meyerhöfe wurde schon viel geschrieben. Die Frage, ob die Meyerhöfe, meist am Rand einer Gruppensiedlung und selten mitten in der Siedlung alter Höfe gelegen, Neugründungen der Könige und Kaiser seit Karl dem Großen oder alte sächsische Haupthöfe sind, kann verschieden beantwortet werden.

Die Meyer hatten als eine Art Verwaltungsbeamte besondere Aufgaben und Vorrechte gegenüber der sonstigen Bevölkerung, wofür sie große Ländereien und stattliche Hofanlagen erhielten.

Wir kennen die Kaiserpfalzen als Wohnung der wandernden Kaiser, die Königshöfe oder Haupthöfe als Wohnplätze oder Verwaltungszentren der Fürsten. Die Meyerhöfe karolingischer zeit sind mit besonderen Aufgaben, Rechten und Pflichten ausgestattet. Sie haben engsten Kontakt mit den königlichen Sendboten und Grafen. Sie sind Sammelstellen für Steuern und Gemeindeleben. Sie gelten auch als fürstliche Hausgenossen. Infolgedessen werden bis auf die Stauferzeit die Besitzer oder Lehnträger Freie oder, wenn sie als Zeugen bei Gogerichten oder Sendgerichten auftreten, dominus (Herr) genannt.

Später hat jeder adelige Gutsbesitzer diese Rechte des Meyerhofes und auch Vorrechte für sich eingezogen und dann diesen und jenen Mann-Hof zum Meyerhof gemacht, so dass wir sehr viele Meyerhöfe haben, die niemals am Ort die Vorrechte einer Kuria besessen haben. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich mit den Einzelhöfen, die dann Vorwerk (Meyer zu Eppendorf) und auch Uthof genannt werden.


Meyerhöfe finden wir an den Ein- und Ausgängen wichtiger Gebirgseinschnitte, wo sie zur Sicherung der hindurchführenden Straße bestimmt waren. Wir finden sie auch an Flußübergängen, wo sie ebenfalls als Stützpunkt zur Überwachung dienten. So konnte zum Beispiel der Meyer zum alten Borgloh von seinem Gehöft aus das strategisch nicht unbedeutende Königsbachtal kontrollieren. Fast immer standen Meyerhöfe an solchen Straßen, wo steile Gebirgshänge oder sumpfiges Gelände das Ausweichen der Fuhrwerke und Fußgänger erschwerten, die Abwehr eines feindlichen Angriffs dagegen außerordentlich erleichterten.

Die Meyerhöfe, die wir in unserer Heimat finden, sind entweder ausgesprochene Einzelhöfe oder aber in Verbindung mit einer dorfartigen Siedlung. Während sich in unserem Lande die Familiennamen erst weit nach 1200 einbürgerten, erhielten die Meyer schon lange vorher feste Namen, damit die Behörden und Gutsherren sie leichter unterscheiden konnten. Der Meyer im Dorf erhielt im allgemeinen den Dorfnamen (Meyer zu Allendorf) und der Meyer als Einzelgehöft nicht selten einen geographischen Namen aus seiner Umgebung.


Der Name "Meyer" - in anderen Gegenden auch "Meier" oder "Maier" geschrieben - ist abzuleiten von "major domus", den Hausmeiern der fränkischen Könige, die die höchsten Beamten des Landes waren. Nach und nach verblasste die Bedeutung dieses Namens, und später hängte man auch anderen Bauern als Anerkennung für großartige Kultivierungsarbeiten den Namen "Meyer" als Endung an: Brockmeyer, der sich durch die Trockenlegung des Brockes (Bruch, Sumpf, Moor) verdient gemacht hatte. Mergelmeyer, der den unfruchtbaren mergelreichen Boden zu gutem Ackerland kultiviert hatte usw.

Über die ursprüngliche Bauart und Einrichtung der Meyerhöfe gibt uns ei Kapitular des Kaisers Karl Aufschluss. Danach bestand ein Meyerhof aus einem steinernen oder hölzernen Wohnhaus, das zwei bis vier heizbare Stuben enthielt und mit Söllern, Kellern und verschiedenen Nebengelassen ausgestattet war. Auch sollten gesonderte Küchenräume, Ställe und Speicher vorhanden sein. Das ganze Gehöft musste von einem festen Pfahlwerk oder einer Mauer umgeben sein. In unserer Gegend gibt es nur noch wenige Meyerhöfe, die sich diesen Festungscharakter bewahrt haben, wohingegen die Meyerhöfe unseres Kirchspiels dieses wehrhafte Aussehen im Laufe der Jahrhunderte weitgehend eingebüßt haben.


Nachdem sich das wilde und freiheitsliebede Sachsenvolk an die neuen Zustände auf staatlichem und religiösem Gebiet gewöhnt hatte, werden gewiss auch alteingesessene Sachsen als Meyer in den Dienst ihrer ehemaligen Feinde getreten sein. So bildete sich ein Beamtenstand heraus, aus dessen Mitte einflussreiche Leute hervorgegangen sind. Dem höhergestellten Meyer wurde nun eine gewisse Zahl von Höfen zugeteilt, die man eine Hausgemeinschaft nannte. Dort verwalteten sie das Gut der Kirche, sorgten für ihren Unterhalt und den der Geistlichen und besetzten die Pfarrstellen. Sie übten Polizeigewalt aus und bekleideten in ihrem Bezirk auch das Richteramt. Bei Ausbruch eines Krieges sammelten sie die wehrpflichtigen Männer und führten sie dem Grafen zu.


Eine ihrer wesentlichsten Aufgaben war es aber, den Zehnten zu erheben. So wurden die Meyerhöfe bald zu Sammelstellen für den Zehnten, den die großen Bauern in ihrer Umgebung zu leisten hatten, das heißt, sie mussten jedes Jahr den zehnten Teil ihrer Kornernte und ihres Viehs abliefern. Was heute die Steuer ist, war früher der Zehnt. Festgestellt wurde der Zehnte durch einen behördlichen Schätzer, der am Urbanustag (25.Mai) durch die Felder ging und den Geldbetrag festsetzte. Nach der Festsetzung ging der Schätzer mit den Bauern zur Kirche und durch Berühren eines Ecksteines wurde die veranlagte Summe anerkannt.

Eine kleine Anmerkung: Dieses System kommt dem heutigen Wunsch einiger Politiker nach einer Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt, auffallend nahe. Außerdem scheint mir diese Vorgehensweise weitaus transparenter, als Fragebogen der Finanzbehörden in der heutigen Zeit.

Die ungefähre Lage der Meyerhöfe


Eigenhörigkeit oder Eigenbehörigkeit

Unter Eigenbehörigkeit wird die persönliche und dingliche Abhängigkeit eines Bauern von seinem Grundherrn verstanden.

Eigenbehörige Bauern waren persönlich unfrei und standen in einem besonders engen Abhängigkeitsverhältnis vom jeweiligen Grundherrn. Sie waren an den Hof, den sie bewirtschafteten gebunden, hatten aber in der Regel einen erblichen Nießbrauch an dem Untereigentum (Besitz, Grund und Boden).

Da Eigenbehörige den Hof, den sie bewirtschafteten, nicht wirklich besaßen, konnten sie den Hof weder ganz noch teilweise veräußern. Auch die Belastung (Verpfändung) des Landes bedurfte in der Regel der Zustimmung des Grundherrn. Aus der grundherrlichen Abhängigkeit resultierten eine Reihe von Pflichten. So waren die Eigenbehörigen zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet. Die nachwachsenden Töchter und Söhne der Eigenbehörigen konnten zum Gesindezwangsdienst herangezogen werden.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein erwarb der Grundherr sowohl an den unbeweglichen als auch an den beweglichen Sachen des Eigenbehörigen volles Eigentum. Dies hatte erhebliche erbrechtliche Folgen, denn der Nachlass eines Eigenbehörigen gehörte dem Grundherrn. Wollten die Nachkommen die Verfügungsgewalt über diese Habe erhalten, mussten sie eine Abgabe, den Sterbfall entrichten. Diese Zahlungen wurden in der grundherrschaftlichen Rentkammer registriert.


Die Rechte und Pflichten von Eigenbehörigen wurden im 17. und 18. Jahrhundert in Eigentumsordnungen kodifiziert. Die älteste derartige Eigentumsordnung ist die Ravensbergische, die bereits 1669 entstand. Nach ihrem Beispiel wurden die Osnabrücker (1722), die Minden-Ravensbergische (1741), die Münstersche (1770) und die Recklinghauser (1781) Eigentumsordungen geschaffen.

Die meisten Eigenbehörigen wurden in dieses Rechtsverhältnis hineingeboren, denn wurde jemand von eigenbehörigen Eltern geboren, war es selbst eigenbehörig. War ein Elternteil freien Standes, war das Kind dennoch eigenbehörig. Es konnten sich auch persönlich Freie in die Eigenbehörigkeit begeben. Dies geschah beispielsweise durch die Übernahme einer eigenbehörigen Stätte.


Wollte ein Eigenbehöriger z.B. wegen einer Eheschließung in die Eigenbehörigkeit eines anderen Grundherrn wechseln, benötigte er einen Wechselbrief. Er reichte hierfür einen Begehrzettel bei seinem Grundherrn ein, aus dem hervorgeht, warum er in eines anderen Eigenbehörigkeit wechseln wollte. Er konnte aber zu diesem Zweck auch einen Freibrief von seinem bisherigen Grundherren erhalten und unter Abgabe desselben sich bei seinem neuen Grundherrn in dessen Eigenbehörigkeit begeben. Wollte ein Eigenbeöriger einen freien Stand erwerben um z.B. Handwerker in der Stadt oder auch Soldat zu werden, benötigte er einen Freibrief. Für Wechsel- und Freibriefe waren natürlich Abgaben zu leisten.


Quellenangabe:
Texte in diesem Kapitel:
Festschrift zum 900 jährigen Bestehen, das System der Meyerhöfe von Pfarrer Johannes Sierp
Borgloh seine Geschichte und Geschichten von Bernhard Feige
Grundherrenübersicht nach A.Suerbaum
GenWiki
Henning, Friedrich Wilhelm: Herrschaft und Bauernuntertänigkeit
Riehl, J.: Westfälisches Bauernrecht
Schütte, Leopold: Quellen zur Sozial- und Familiengeschichte der Eigenbehörigen des Domkapitels Paderborn
Strunz-Happe, Anne: Wandel der Agrarverfassung
Siegfried Lux