Redewendungen


Inhalt

     Etwas auf die hohe Kante legen
     Einen Tacken zulegen
     Sich wie gerädert fühlen
     Den Löffel abgeben
     Über den Tisch ziehen
     Übers Ohr hauen
     Etwas ausbaden müssen
     Ein Brett vor dem Kopf haben

Etwas auf die hohe Kante legen


Diese Redewendung kommt aus dem Mittelalter, als die Menschen ihr Geld noch nicht zu einer Bank brachten, sondern ihr Vermögen zuhause aufbewahrten. Beliebte Verstecke der früher wohlhabenden Menschen waren die Kanten hoher uneinsehbarer Möbelstücke wie zum Beispiel im Baldachin eines Bettes oder der hölzerne Rahmen über dem Bett an dem die schweren Vorhänge angebracht waren. Hier ließ sich hervorragend Geld deponieren, das vor den Blicken anderer geschützt sein sollte.
Wer also Geld auf die hohe Kante legte, sparte.
Häufig befand sich in einem Balken des Baldachins ein besonderes Geheimfach zu diesem Zweck. Das familieninterne Kreditinstitut befand sich quasi direkt im Schlafzimmer. Hier war das Ersparte weitgehend sicher.
Das funktionierte mit den Brettern der Himmelbetten genauso wie mit einem hohen Schrank oder Regalen. Auch in alten Truhen findet sich an der oberen (hohen) Kante eine Lade, in die Geld gelegt wurde.
Aus dieser Gepflogenheit hat sich die Ansicht abgeleitet, die Redewendung "auf die hohe Kante legen" für "etwas sparen" leite sich hiervon ab.


Bild 1: Himmelbett mit hoher Kante

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Einen Tacken zulegen


Wer kennt die Redewendung nicht. Immer wenn etwas noch schneller gehen soll oder noch mehr Kraft aufgewendet werden soll, sagt man: "Der soll mal einen Tacken zulegen". Dabei hat der Ursprung dieser Redewendung damit überhaupt nichts zu tun, sondern er kommt von den offenen Feuerstellen in den alten Häusern.
Hier hing in der Regel der Topf oder eine Kanne an einer sägezahnartigen Stange über dem Feuer. Die einzelnen Zähne bestimmten nun den Abstand des Gefäßes zum Feuer. Immer wenn ein Tacken (Zacken) zugelegt wurde, dann wurde der Topf um einen Zahn (Tacken) weiter Richtung Feuer gestellt. Das bedeutete also, dass mehr Energie zugeführt werden konnte und die Speisen schneller gar wurden. Im übertragenen Sinne hat man dann diese Funktion der Energiezuführung ( dass also etwas schneller geht) als Redewendung übernommen.



Bild 2 und Bild 3: Einen Tacken zulegen
Immer wenn ein Tacken (Zacken) zugelegt wird, kommt das Gefäß näher an das Feuer

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Sich wie gerädert fühlen


Man kriegt die Augen kaum auf, jeder Knochen tut einem weh, der Schädel brummt. Wer so müde, erschöpft oder gar schmerzgeplagt ist, sagt schon mal: "Ich fühle mich wie gerädert."
Wer dieses heutzutage sagt, übertreibt allerdings ziemlich, denn die Redewendung erinnert an eine qualvolle, meist tödliche Form der Verbrecherbestrafung, die ursprünglich aus Indien stammt. Dort wurden Übeltäter mit schweren Wagen überrollt.
In Deutschland zerschlug man Straßenräubern, die Reisende ausgeplündert oder ermordet hatten, mit einem eisenbeschlagenen Rad die Knochen - von den Füßen aufwärts - und band sie dann auf die Rundung eines Rades, wo sie, zur Schau gestellt, mitunter tagelang dem Tod entgegensahen.
Diese Todesart, die zuletzt 1841 in Preußen angewandt wurde, nannte man auch &qout;radebrechen", weil die Knochen mit dem Rad zerschmettert wurden.
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Den Löffel abgeben


In früheren Zeiten (von der Antike bis weit ins 19. Jahrhundert) war der einer schöpfenden Hand nachempfundene Löffel das wichtigste Teil des Essbestecks - für einfache Leute meist auch das einzige. Die ärmeren Bevölkerungsschichten mussten sich oft mit Eintöpfen, Suppen oder Brei begnügen. Meistens bediente man sich der Finger (bei Suppen ist dies etwas schwierig).
Der Löffel war also kein Massenprodukt wie in heutiger Zeit, sondern persönlicher Besitz. Dies umso mehr, wenn es sich nicht nur um ein grob geschnitztes Exemplar aus Holz, sondern um ein gutes aus Eisen, Zinn oder gar Silber hergestelltes Stück handelte.
So ein Löffel wurde dann richtiggehend zum Erbstück. Und wenn jemand - im Normalfall der älteste Sohn - einen solchen Löffel vermacht bekam, bedeutete dies der Logik gemäß, dass sein Vorbesitzer ihn abgegeben hatte, also gestorben war.
Auch heute sagt man noch, er hat den Löffel abgegeben, wenn jemand gestorben ist.
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Über den Tisch ziehen


Wenn jemand über den Tisch gezogen wird, dann wird er übervorteilt. Das bedeutet, jemand verschafft sich auf Kosten eines anderen einen Vorteil.
Diese Redewendung stammt aus dem bayerischen Raum, und geht auf das "Fingerhakeln" zurück. Fingerhakeln ist eine Art Kraftsport. Die Gegner sitzen sich gegenüber und haken sich mit den Mittelfingern gegenseitig ineinander. Dann versuchen sie, den Kontrahenten zu sich herüber, also über den Tisch, zu ziehen
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Übers Ohr hauen


Die meisten wissen wahrscheinlich, dass "übers Ohr hauen" soviel wie "betrügen" heißt. Aber wussten sie auch, dass die Redensart aus der Fechtkunst stammt und ursprünglich &qout;jemanden mit der Waffe am Kopf oberhalb der Ohren treffen&qout; bedeutete?
Im Fechtsport gilt es als äußerst unfein und unverschämt, einen Schlag über die Ohrenlinie zu erteilen. Der tut nämlich ganz besonders weh. Gleichzeitig erfordert so ein Schlag übers Ohr aber ein Mindestmaß an Geschicklichkeit. Somit schwingt in der Redewendung ein kleines bisschen Anerkennung für den Bösewicht mit, da seine Betrügerei besonders gewitzt und hinterhältig ist.
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Etwas ausbaden müssen


Etwas ausbaden müssen bedeutet für etwas übermäßig oder ungerechtfertigt bestraft werden. Bis in die Neuzeit war es nicht unüblich, dass mehrere Personen nacheinander das gleiche Badewasser benutzen mussten.
Die letzte Person in der Reihenfolge bekam das kühlste und schmutzigste Badewasser und musste zudem noch ausbaden, das heißt die Wanne reinigen und an ihren Platz zurückbringen. Wer also das Pech hatte der letzte zu sein, hatte nur Nachteile in Form von kaltem Wasser und zusätzlicher Arbeit, was quasi einer Bestrafung gleichkam.
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Ein Brett vor dem Kopf haben


Der Satz "ein Brett vor dem Kopf haben", fällt häufig, wenn man ausdrücken will, dass jemand begriffsstutzig ist.
Ursprünglich hatte der Ausdruck nichts mit dem Denkvermögen einer Person zu tun, sondern bezog sich auf das Nutzvieh.
Es waren nämlich störrische Ochsen, denen ein Brett vor die Augen gehängt wurde - auf diese Weise war es für die Landwirte einfacher, mit den Tieren zu arbeiten. Man verhinderte so, dass sich die Ochsen erschreckten, wenn der Bauer ihnen zum Beispiel das Geschirr um den Kopf hängte.
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